Wie der Carabiniere Egon Hofmann aus Gsies den Einsatz in Innichen erlebt hat, erzählt er im Interview. <BR /><b><BR />Wie geht es Ihnen 3 Tage nach dem Amoklauf?</b><BR />Egon Hofmann: Es geht mir den Umständen entsprechend gut. Ich habe Kopfschmerzen und die Wunde oberhalb des Auges, wo ich von einem Projektil getroffen wurde, tut weh. Derzeit bin ich noch krankgeschrieben, man wird sehen, ob ich bald wieder in den Dienst zurückkehren kann. Die Situation war schwierig. Ich versuche, das, was passiert ist, zu verarbeiten. <BR /><BR /><embed id="dtext86-66204231_quote" /><BR /><BR /><b>Wie spät sind Sie zum Einsatzort gerufen worden?</b><BR />Hofmann: Das muss so gegen 23.30 Uhr gewesen sein. Meine Kollegin und ich hatten Dienst, wir haben Kontrollen im Raum Innichen durchgeführt. <BR /><BR /><b>Was ist dann passiert?</b><BR />Hofmann: Wir sind in die St.-Korbinian-Straße 6 gefahren, weil es hieß, dass es dort Schüsse oder einen Knall gegeben hat und Gasgeruch wahrgenommen wurde. Die Einsatzkräfte des Weißen Kreuzes und der Freiwilligen Feuerwehr waren schon vor Ort. Ich ging dann mit dem Feuerwehrkommandanten und einigen Feuerwehrmännern Richtung Wohnhaus, um mir einen Überblick zu verschaffen. Dann hörten wir 3 bis 4 Schüsse. <BR /><BR /><embed id="dtext86-66204235_quote" /><BR /><BR /><b>Wie war die Lage?</b><BR />Hofmann: Die Schüsse kamen aus dem Inneren des Wohnhauses. Ab diesem Zeitpunkt war mir klar: Das ist kein Gasgeruch. In einer solchen Situation ist höchste Vorsicht geboten. Deshalb beschlossen wir, umzudrehen und uns in Sicherheit zu bringen – Sicherheit steht an erster Stelle. Nach kurzer Zeit traf mit weiteren Carabinieri-Beamten und Einsatzkräften Verstärkung ein. Die weitere Vorgehensweise wurde besprochen. <BR /><BR /><b>Wie kam es zum Schuss auf Sie?</b><BR />Hofmann: Ewald Kühbacher stand inzwischen auf dem Balkon und schoss durch die Gegend. Plötzlich nahm er uns ins Visier und richtete die Waffe gezielt gegen uns. Wir gingen alle sofort in Deckung. Er hat immer wieder geschossen – im Minutentakt. Eine Chance zu flüchten hatten wir nicht.<BR /><BR /><embed id="dtext86-66204239_quote" /><BR /><BR /><b>Was haben Sie dann getan?</b><BR />Hofmann: Wir haben hinter der Säule eines Nachbarhauses Schutz gesucht. Plötzlich habe ich einen starken Schlag oberhalb des linken Auges gespürt. Alles war voller Blut. Es ging blitzschnell. Ein Projektil prallte an der Hausmauer ab, ein sogenannter Querschläger, und traf mich ganz knapp oberhalb des Auges. <BR /><BR /><b>Wie reagiert man in so einer Situation?</b><BR />Hofmann: Ich habe versucht, ruhig zu bleiben und mich darauf konzentriert, den Platz so schnell wie möglich zu verlassen. Im ersten Moment läuft alles wie in einem Film ab. Niemand hat versucht, den Helden zu spielen. Wir gingen nicht weiter Richtung Haus, sondern entfernten uns so schnell wie möglich, um uns zu schützen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-66204283_quote" /><BR /><BR /><b>Wie gelang Ihnen die Flucht?</b><BR />Hofmann: Wir mussten abwarten, bis der Schütze sich vom Balkon in die Wohnung zurückzog, um sich dort zu verschanzen. Dann sind wir über den hinteren Bereich des Hauses Richtung Straße geflüchtet. Dort haben mich dann die Rettungssanitäter vom Weißen Kreuz behandelt und ich wurde ins Krankenhaus von Innichen eingeliefert. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1063686_image" /></div> <BR /><BR /><b>Was geht Ihnen jetzt durch den Kopf?</b><BR />Hofmann: Ich hatte großes Glück. Das ist alles nochmal gut ausgegangen. Der Querschläger verfehlte das Auge nur um einige wenige Zentimeter. Ich bin seit 27 Jahren Carabinieri-Beamter, seit 12 Jahren für die Kompanie Innichen zuständig und in Prags stationiert. In all den Jahren habe ich Gott sei Dank ein solches Ereignis nie erlebt und ich bin auch froh, dass ein solcher Einsatz nicht alltäglich ist.