+ von Florian Mair<BR /><BR />„Eine Amerikanerin hat mit 2 Punkten Vorsprung gewonnen, eine Chinesin lag 2 Punkte hinter mir“, berichtet die Athletin. „2 Wochen vor den Wettkämpfen wurde mir mitgeteilt, dass ich an den Olympischen Spielen 1984 teilnehmen darf“, blickt Edith Gufler zurück. Damals habe das Olympische Komitee Italiens über die Teilnahme entschieden, Qualifikationen seien nicht vorgesehen gewesen. Erst nach den Spielen erfuhr Olympionikin Gufler, dass sich in Rom ein italienischer Sportfunktionär für ihre Teilnahme stark gemacht hatte. <BR /><BR />Reiste die gebürtige Meranerin vor 40 Jahren eigentlich als Favoritin zu den Sommerspielen in Los Angeles? „Nein“, sagt die 62-Jährige. „Ich hatte erst 1980 mit dem Schießen begonnen. Vor Olympia siegte ich bei der Italienmeisterschaft und erreichte Rang 9 bei der Europameisterschaft. Und bei der Weltmeisterschaft kam ich nur auf Platz 16.“ <BR /><BR /> Besser laufen hätte es auch bei der vorolympischen Ausscheidung im Frühjahr 1984 am Olympia-Schießstand in Los Angeles laufen können: „Weil ich nur Zehnte geworden bin, ging ich ohne große Erwartungen in den Wettkampf bei den Sommerspielen am 31. Juli 1984“, weiß Gufler. „Einen Platz unter den ersten 10 habe ich mir zugetraut. Aber plötzlich hatte ich 391 von möglichen 400 Ringen erreicht und Silber in der Hand.“ Der Italienrekord, den Gufler aufgestellt hatte, war damals 385 Ringe. „Dieser Rekord war lange Zeit aufrecht“, weiß die 2-fache Mutter. <BR /><BR /><embed id="dtext86-66129091_quote" /><BR /><BR /> Nach ihrer Rückkehr aus Los Angeles wurde die Medaillengewinnerin in Meran gebührend empfangen. „Zuerst wurde ich bei der Tankstelle an der Romstraße, die meine Eltern Franz und Waltraud gepachtet hatten, mit einer Kutsche abgeholt“, erinnert Gufler. „Wir fuhren durch die Stadt und über die Kurpromenade bis zum Musikpavillon, wo dann der Empfang stattfand.“<BR /><BR />Nach den Olympischen Spielen von Los Angeles kämpfte Edith Gufler noch 4 Jahre lang mit ihrem Luftgewehr auf staatlicher und internationaler Ebene weiter. „Nach 1984 wurde eingeführt, dass man sich für die Olympischen Spiele qualifizieren muss“, sagt die 62-Jährige. „Es gelang mir aber leider nicht, mich für die Sommerspiele 1988 in Südkorea zu qualifizieren.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1061028_image" /></div> <BR />Im letzten Moment bekam Italien aber noch einen Platz für die Disziplin Luftgewehr Damen, weil Gufler 4 Jahre zuvor Silber geholt hatte. „Deshalb hätte mir diese Freikarte zugestanden, der italienische Sportschützenverband schickte aber eine andere Dame nach Seoul“, bedauert sie.<BR /><BR />Edith Guflers Enttäuschung war groß, weshalb sie dann bis heute auf internationaler Ebene keine Wettkämpfe mehr bestritten hat. Auf Landes- und Staatsebene steht sie immer noch bei Wettkämpfen am Schießstand – mit dem Luft- und Kleinkalibergewehr. „Ich konnte in den vergangenen Jahrzehnten auch einige Italien- und Landesmeistertitel holen“, sagt das Mitglied des Meraner Sportschützenvereins, dem sie auch einige Jahre als Präsidentin vorgestanden ist.<h3> Immer nur ein Hobby</h3> Auf ihren Erfolg in den USA vor 40 Jahren ist Gufler immer noch sichtlich stolz. „Ich bin bis heute die einzige Frau in Italien, die sich mit dem Luftgewehr über 10 Meter stehend frei eine Olympia-Medaille geholt hat“, sagt sie.<BR /><BR /> Wer glaubt, dass Gufler einmal eine Vollprofisportlerin war, liegt falsch. „Das Schießen war immer nur ein Hobby“, betont sie. „Ich habe auf der Tankstelle meiner Eltern gearbeitet. Mein Vater Franz gab mir frei, wenn ich zum Training musste.“