Uns erzählen 2 Paare von den Sonnen-, aber auch Schattenseiten dieses Arbeitsmodells. <h3> „Das ist unser individuelles Lösungskonzept“</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="984289_image" /></div> <BR /><BR />13 Monate alt ist die kleine Tochter von Sabrina Mayr und Laurin Holzner. Die Eltern betreuen sie gemeinsam, arbeiten beide jeweils 75 Prozent in der Privatwirtschaft. „Wir teilen uns schon seit jeher die Hausarbeit. Als wir eine Familie gegründet haben, wollten wir auch diese neue Herausforderung gemeinsam angehen“, erzählt Holzner.<BR /><BR />Die Nachmittage wechseln sie sich mit der Kinderbetreuung ab, die Vormittage verbringt die Tochter in der Betriebskita. „Ich bringe sie hin, mittags holt sie derjenige ab, der für die Betreuung zuständig ist“, sagt Mayr. Die Kita, aber vor allem flexible Arbeitszeiten seien wichtig, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren. <BR /><BR />Das Paar kennt die gesellschaftlichen Erwartungen: Den Druck, als Frau daheim die volle Betreuungslast zu tragen, als Mann in Vollzeit zu arbeiten. Holzner zuckt mit den Schultern und lächelt. „Mir macht das nicht so viel aus.“ Seine Partnerin hingegen schüttelt den Kopf: „Wenn Frauen in Elternzeit sind, ist das in Ordnung. Aber wenn ein Mann Elternzeit nehmen möchte, wird das in unserer Gesellschaft nicht so einfach akzeptiert.“ Als Familie sind sie mit diesem Arbeitsmodell nicht die Norm. Im Gespräch mit Bekannten treffen sie durchaus auf Erstaunen. „Schön, ihr macht das richtig so“ oder „Wir würden es auch gerne so machen, aber aus familiären oder beruflichen Gründen geht es nicht“, heißt es dann. <BR /><BR />Die Arbeitgeber nahmen die Entscheidung der beiden positiv auf. Mayr findet allerdings, dass sie vom Umfeld als berufstätige Mutter in eine Schublade gesteckt werde. „Als Mutter wirst du jetzt doch nicht Karriere machen wollen.“ Und sie gibt zu: Man sei unflexibler als kinderlose Kollegen. „Wenn man Familie hat, wird man Kompromisse machen müssen. Man kann nicht in beiden Bereichen zu 100 Prozent verfügbar sein.“ <BR /><BR />Und wie ist der finanzielle Aspekt? „Wir können mit dem, was wir verdienen, gut leben. Allerdings verzichten wir mit unserem Modell auf jeweils 25 Prozent Rente. Es sollte nicht so sein, dass Familien, meistens die Mütter, diesbezüglich abgestraft werden, wo doch Kinder die Gesellschaft langfristig am Leben erhalten. Das Sozialsystem sollte hier unbedingt reformiert werden.“<BR /><BR />Für Mayr und Holzner ist das 75 Prozent-Teilzeitmodell ihr individuelles Lösungskonzept. „Wir arbeiten beide gerne und sind beide gerne bei unserem Kind. So haben wir beide alles.“ Was die Zukunft bringt, werden sie sehen. „So lange unsere Tochter viel Betreuung braucht, wollen wir es so beibehalten.“<h3> „Viele Frauen haben mich um meinen Mann beneidet“</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="984292_image" /></div> <BR /><BR />„Wir können das Teilzeitmodell jedem weiterempfehlen“, sagen Marion und Christian Fink. Gemeinsam haben sie ihren heute 11-jährigen Sohn erzogen und ihm ihre Werte vermittelt. Dabei ist ihnen bewusst, dass man Arbeitgeber haben muss, die einen unterstützen und dass es auch nicht in allen Berufsfeldern möglich ist. <BR /><BR />Seit kurzem arbeitet Christian Fink wieder in Vollzeit. „Das hat auch Corona ermöglicht. Dank Homeoffice kann ich 2 Nachmittage von zu Hause aus arbeiten.“ Auch Marion Fink hat ihr Arbeitspensum von 75 auf 85 Prozent aufgestockt. „Seit mein Sohn 10 Monate alt war, habe ich immer 75 Prozent gearbeitet“, erzählt sie. Sie ist in der Privatwirtschaft angestellt, bis heute muss sie Jahr für Jahr um die Teilzeit neu anfragen. „Der Arbeitgeber entscheidet das selbst nach Gutdünken. Es gibt noch keine genaue Regel.“ <BR /><BR />Ganz anders sieht es da bei ihrem Mann aus. Er arbeitet bei der Handelskammer, die „audit familieundberuf“ anbietet, also ein Programm, um den Spagat zwischen Familie und Beruf zu erleichtern. „Mein Arbeitgeber ist da vorbildlich unterwegs“, lobt Fink. <BR /><BR />Von Anfang an war es dem Vater wichtig, sein Kind selbst zu erziehen. „Effektiv hat mein Mann damals auch die Initiative ergriffen“, erinnert sich Marion Fink. Beruflich sei es für ihn möglich gewesen, deshalb nutzte er die Chance. <BR /><BR />Marion Fink wurde jedenfalls von vielen beneidet: „Dass mein Mann in Teilzeit arbeitete und sich um unser Kind und den Haushalt kümmerte, war etwas Besonders.“ So ein Mann sei ein Held, während es bei der (Haus)frau „normal“ sei. <BR /><BR />„Andere Männer schauen einen aber komisch an“, schildert Christian Fink. Viele meinen, man würde daheim nur Kaffee trinken gehen, mit den Muttis, und sich auf dem Spielplatz aufhalten. „Aber so ist es nicht.“ Fink kennt nur wenige Männer in seinem Umfeld, die seine Erfahrung teilen. Er berichtet von Kollegen, die schon bald daheim den Kochlöffel wieder hinschmissen. <BR /><BR />Auch für seine Frau war es zu Beginn ungewöhnlich. „Ich hatte damit zu kämpfen. Bei uns Kindern hat hauptsächlich die Mama die Erziehungsarbeit übernommen. Nun musste ich auch meinem Mann viel Mitspracherecht geben.“ Das sei ein Lernprozess gewesen. <BR /><BR />Und das Paar kennt die Schattenseiten dieses Arbeitsmodells. „Karriere und Teilzeit sind nicht vereinbar“, sagt Christian Fink. Aber dafür gewinne man so viel – nämlich Zeit mit seinem Kind. <Rechte_Copyright></Rechte_Copyright><BR /><BR />