Dienstag, 15. Oktober 2019

Beim Essen ist der Südtiroler König

„Iss morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettler.“ Fast jeder kennt das Sprichwort, doch leben die Südtiroler auch danach? Das hat das Landesamt für Statistik Astat in ihrer aktuellen Studie erörtert.

Das Mittagessen ist bei den meisten Südtirolern die wichtigste Mahlzeit des Tages.
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Das Mittagessen ist bei den meisten Südtirolern die wichtigste Mahlzeit des Tages. - Foto: © shutterstock
3 Mahlzeiten am Tag sind eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Laut der modernen Ernährungswissenschaft sollte der Tagesbedarf an Kalorien auf 5 Mahlzeiten aufgeteilt werden: 15-20 Prozent auf das Frühstück, 5 Prozent auf die Jause, 35-40 Prozent auf das Mittagessen, 5 Prozent auf die nachmittägliche Zwischenmahlzeit und 30-35 Prozent auf das Abendessen.

Hauptsache Mittagessen – meist daheim

Fragt man Herr und Frau Südtirol, so ist das Mittagessen die wichtigste Mahlzeit des Tages (76 Prozent), erst weit dahinter folgen Abendessen und Frühstück (15 und 9 Prozent).

Laut Studie hat das Abendessen in den vergangenen 18 Jahren etwas an Bedeutung verloren.

Mit 68 Prozent auffällig hoch ist der Anteil der Südtiroler, die ihr Mittagessen an Werktagen zu Hause einnehmen.

Nur 11 Prozent essen in der Betriebs- oder Schulmensa, 11 Prozent im Restaurant oder in der Bar, 7 Prozent am Arbeitsplatz und 3 Prozent anderswo.

Während mehr Frauen als Männer an Werktagen daheim zu Mittag essen (75 Prozent zu 60 Prozent), kehrt sich das Verhältnis in Bezug auf das Mittagessen im Restaurant oder in der Bar um (5 Prozent Frauen zu 17 Prozent Männer).

Vor allem die Senioren essen mittags daheim

Nahezu alle über 64-Jährigen (96 Prozent) nehmen das Mittagessen gewohnheitsmäßig zu Hause ein, ungefähr ein Drittel der Minderjährigen (31 Prozent) in der Schulmensa.

Fast die Gesamtheit der Rentner und der Hausfrauen isst zu Hause, während dies nur auf 53 Prozent der Erwerbstätigen zutrifft.

Im Vergleich zu den Daten auf gesamtstaatlicher Ebene ist der Anteil an Personen, die gewohnheitsmäßig zu Hause zu Mittag essen, etwas niedriger, während der Anteil der Restaurant- und Barbesucher hierzulande höher ist.

Jeder 5. Arbeitnehmer erhält Essensgutscheine

10 Prozent der unselbstständig Beschäftigten essen in der Regel in der Betriebskantine zu Mittag, 19 Prozent erhalten Essensgutscheine von ihrem Arbeitgeber.

75 Prozent derjenigen, die Essensgutscheine verwenden, geben sie ausschließlich in Restaurants oder Bars aus, 13 Prozent nutzen sie nur für den Einkauf in Geschäften oder Supermärkten und 12 Prozent nutzen sie für beides.

Freizeit: Die Hälfte der Südtiroler essen mindestens einmal im Monat auswärts

55 Prozent der Südtiroler essen mindestens einmal pro Monat in ihrer Freizeit in einem Lokal ihr Mittag- oder Abendessen, 33 Prozent nur ein paar Mal im Jahr, 12 Prozent essen nie auswärts.

Auffallend ist: Männer bzw. Jugendliche essen in ihrer Freizeit häufiger außer Haus als Frauen bzw. ältere Menschen.

Die Südtiroler frühstücken angemessen

Stolze 82 Prozent der Südtiroler nehmen gewohnheitsmäßig ein angemessenes Frühstück zu sich, das heißt es enthält Milch oder feste Nahrungsmittel.
Lediglich 9 Prozent der Bevölkerung trinken nur Kaffee oder Tee, 9 Prozent frühstücken gar nicht.

Auch diese ist eine Gewohnheit, die unter den Männern (78 Prozent) etwas weniger verbreitet ist als unter den Frauen (85 Prozent).

Etwa ein Viertel der 3- bis 17-Jährigen essen beim Frühstück Joghurt, Getreide und Fruchtsäfte. Unter den Erwachsenen ist das traditionelle Frühstück mit Milch, Kaffee, Tee, Brot, Keksen und ähnlichem weiter verbreitet.

Sehr beliebt: Brot, Nudeln und Reis

Die Ernährung der Südtiroler Bevölkerung besteht vorwiegend aus kohlenhydratreichen Speisen wie Brot, Nudeln und Reis.

68 Prozent essen dies jeden Tag und 28 Prozent ein paar Mal in der Woche.

Die Hälfte der Bevölkerung trinkt mindestens einmal täglich Milch; 85 Prozent essen mindestens ein paar Mal in der Woche Käse und Milchprodukte.

Bei 13 Prozent der Bevölkerung stehen Wurstwaren täglich auf dem Speiseplan, weitere 47 Prozent essen sie mehrmals in der Woche.

Nicht viele Vegetarier unter den Südtirolern

Wie das Astat erklärt, essen 97 Prozent der Südtiroler Fleisch. Am wenigsten beliebt ist dabei Schaf- bzw. Schweinefleisch (ausgenommen Wurstwaren), das von der Hälfte bzw. einem Viertel der Bevölkerung nicht konsumiert wird.

Fisch wird deutlich seltener konsumiert als Fleisch und Wurstwaren: 55 Prozent der Bevölkerung essen weniger als einmal pro Woche Fisch, 12 Prozent essen nie welchen.

70 Prozent der Südtiroler essen mindestens einmal in der Woche Eier und Kartoffeln.

Die Hälfte der Bevölkerung konsumiert mindestens einmal pro Tag Blattgemüse (gekocht oder roh), fast gleich viele Personen essen täglich andere Arten von Gemüse (Tomaten, Auberginen, Paprika, Fenchel, Zucchini, Artischocken, Karotten, Kürbis, Blumenkohl, Erbsen und andere frische Hülsenfrüchte).

Fruchtiges, Salziges, Süßes

6 von 10 Südtirolern essen außerdem täglich Obst, 2 von diesen sogar mehrmals am Tag.

Nur wenige (ungefähr eine von 20 Personen) halten sich an die Empfehlung der WHO, mindestens 5 Portionen Obst oder Gemüse pro Tag zu verzehren.

Salzige Knabbereien wie Kartoffelchips, Popcorn, Salzgebäck und Oliven werden von 20 Prozent der Bevölkerung mindestens ein paar Mal in der Woche gegessen, während jeder Dritte gänzlich darauf verzichtet.

Genau die Hälfte der Südtiroler genießt ein oder mehrmals in der Woche Süßspeisen wie Torten, Brioches, Eis usw.

Fleisch für die Männer, Gemüse für die Frauen

Im Blick auf die Geschlechter lassen sich laut Astat einige markante Unterschiede erkennen: So essen Männer als Frauen mindestens ein paar Mal in der Woche Wurstwaren, Rindfleisch und Schweinefleisch.
Beim Gemüse und Obst ist das Verhältnis genau umgekehrt.

Männer essen häufiger Wurstwaren als Frauen (3,0 Mal in der Woche gegenüber 2,4 Mal), Rindfleisch (2,0 Mal gegenüber 1,5 Mal) und Schweinefleisch (1,5 Mal gegenüber 1,0 Mal). Die Frauen schlagen die Männer beim Konsum von Gemüse (12,0 gegenüber 9,4) und Obst (7,4 gegenüber 6,0).

Auch das Alter spielt bei den Essensgewohnheiten eine Rolle. Die Jüngeren verzehren mehr Milch, Wurstwaren, Fleisch, Salzgebäck und Süßspeisen, die Älteren mehr Fisch, Kartoffeln, Gemüse und Obst.

So würzt Südtirol

2 von 3 Südtiroler achten auf eine salzarme Ernährung, 3 von 4 verwenden Jodsalz.

Mehr Frauen als Männer setzen Salz sparsam ein (71 Prozent gegenüber 59 Prozent) und mit steigendem Alter wird mehr auf den Salzkonsum geachtet.

Olivenöl ist das Fett, das von den Südtirolern am häufigsten zum Kochen (75 Prozent) und roh zum Anrichten (89 Prozent) verwendet wird.

Nur jede 5. Person kocht stattdessen überwiegend mit anderen pflanzlichen Fetten oder Ölen als Olivenöl und jede 13. verwendet diese zum Anrichten von nicht gekochten Lebensmitteln. Nur wenige bevorzugen Butter oder Schmalz.

Etiketten: Wer liest, was draufsteht?


Ein Drittel der Südtiroler über 18 Jahren liest in der Regel die Zutaten auf Lebensmitteletiketten, bevor sie sie kaufen. Ein weiteres Drittel achtet von Zeit zu Zeit auf Lebensmitteletiketten. Das letzte Drittel prüft nicht oder nur selten die Angaben auf den Etiketten.

2 von 10 Personen (19 Prozent) kaufen üblicherweise Biolebensmittel und -produkte und 4 von 10 (43 Prozent) kaufen sie von Zeit zu Zeit. Bei 19 Prozent der Südtiroler stehen sie selten auf der Einkaufsliste und bei 18 Prozent nie.

Lokale Lebensmittel und Produkte (null Kilometer) werden regelmäßig von 36 Prozent der Bevölkerung gekauft. 44 Prozent legen sie manchmal in den Warenkorb, während 19 Prozent sie nie oder kaum kaufen.

„Frauen sind beim Kauf von Lebensmitteln bewusster und umweltfreundlicher“, stellen die Experten des Astat abschließend fest.

liz