Freitag vergangener Woche – immer in derselben Klasse – wurde einer Lehrerin, die sich an der Tafel befand und den Schülern den Rücken zuwandte, ein Knallkörper gegen den Rücken geworfen. <b><BR /><BR />Herr Direktor Augello, wie würden Sie den Vorfall am vergangenen Donnerstagvormittag einstufen? Ein Lausbubenstreich oder etwas Schwerwiegendes?</b><BR />Giuseppe Augello: Nein, das war kein Lausbubenstreich. Hier wurde ein Bengalo entzündet, wie wir das sonst nur aus den Fußballstadien kennen und die an Minderjährige gar nicht verkauft werden dürften. Das ist schwerwiegend. Es handelt sich nicht nur um einen simplen „Petardo“. Der Vorfall ist ein Guckloch in das jugendliche Unbehagen. <BR /><BR /><b> Ist diese erste Klasse, in der das passiert ist, eine problematische?</b><BR />Augello: Viele Schüler haben einen Migrationshintergrund und kommen aus einem sehr fragilen wirtschaftlich-sozialen und kulturellen Umfeld. Die Eltern sind nicht präsent. Die muss man schon regelrecht aufstöbern, um sie einbinden zu können. Wir reden hier von erzieherischer Armut in der Familie. Ich glaube, dass sich diese Jugendlichen nicht bewusst sind, welche Verantwortungslosigkeit sie mit ihrem Tun an den Tag legen. <BR /><BR /><b> Stimmt es, dass der Boden in der Klasse einen Brandfleck aufweist?</b><BR />Augello: Ja, ein kleiner Fleck ist zu sehen. <BR /><BR /><b> Weiß man, wer der Täter ist?</b><BR />Augello: Nein. Ich habe heute (gestern, Anm.d.Red.) bei den Carabinieri Anzeige erstattet. Sollte der Urheber ausfindig gemacht werden, wird es wohl ein strafrechtliches Verfahren geben.<BR /><BR /><b>Stimmt es, dass es bereits andere Vorfälle gegeben hat?</b><BR />Augello: Ja, Freitag vergangener Woche – immer in derselben Klasse – wurde einer Lehrerin, die sich an der Tafel befand und den Schülern den Rücken zuwandte, ein Knallkörper gegen den Rücken geworfen. Der Schrecken für die Lehrerin war groß, sie suchte auch die Notaufnahme auf. Aber von den Schülern hat keiner geredet, niemand wollte dieses Klima des Schweigens und der Deckung durchbrechen. Ich würde es Omertà nennen. Diesmal war es etwas anders, denn einige Schüler haben schon geredet, wohl auch aus Angst vor Disziplinarmaßnahmen. Aber das sind alles nur Hypothesen, deswegen habe ich den Carabinieri gegenüber auch keine genaueren Angaben machen können und gemacht. <BR /><BR /><embed id="dtext86-67407304_quote" /><BR /><BR /><b> Kann es sein, dass diese Vorfälle auf sogenannten Challenges in den sozialen Medien zurückzuführen sind?</b><BR />Augello: Könnte möglich sein, denn die Videos zu diesen Vorfällen in der Schule zirkulieren bereits in den sozialen Medien.<BR /><BR /><b> Im Frühjahr 2023 wurde die Mittelschule „Segantini“ 2-mal unter Wasser gesetzt. Sehen Sie Zusammenhänge?</b><BR />Augello: Ja, ein Zusammenhang könnte möglich sein. Denn Schüler der Segantini sind nun bei uns an der Schule. <BR /><BR /><b>Jüngst gab es Probleme in der Hotelfachschule „Ritz“. (Ein Schüler wurde während der Pause verprügelt, Anm. d. Red.).</b><BR />Augello: Die „Ritz“ und wir haben mit den gleichen Problematiken zu kämpfen und zwar mit diesem fragilen Umfeld, aus dem die Schüler kommen. Zudem haben wir einen großen Schulhof, der schwer zu beaufsichtigen ist – auch um etwaigen Drogenhandel zu unterbinden. Zumal schulfremde Leute hereinkommen. Erst gestern (vorgestern, Anm. d. Red.) wurde uns ein Motorradfahrer gemeldet, der sofort von einer Reihe von Schülern umringt war. Aber wir haben Unterstützung der Ordnungskräfte.