Von Ende 2019 bis Mitte 2020 waren Nadine Reiter und Benno Neumair ein Paar. Ab Mitte Jänner wohnte er bei ihr in Neu-Ulm. <BR /><BR />Benno Neumair, dem vorgeworfen wird, seine Eltern Laura Perselli und Peter Neumair ermordet zu haben, war beim gestrigen 5. Prozesstag nicht anwesend. <BR /><BR />Von Ende 2019 bis Mitte 2020 waren Nadine Reiter und Benno Neumair ein Paar. Ab Mitte Jänner wohnte er bei ihr in Neu-Ulm. Wie sie berichtete, habe Benno ihr versprochen, sich eine Arbeit zu suchen. Seinen Eltern hatte er schon erzählt, dass er einen Job habe. Später sollte sich herausstellen, dass dies nur die erste einer Reihe von Lügen war. <BR /><BR />Im März habe Benno über Bauchschmerzen geklagt. Doch die Untersuchungen in der Uniklinik hätten ergeben, „dass alles in Ordnung war“, so Reiter. Da habe sie sich „die ersten Gedanken gemacht, dass das psychisch bedingt ist“. Sie habe auch beschlossen, die finanzielle Unterstützung einzustellen (insgesamt habe sie Benno 1325 Euro vorgestreckt) und ihn vor die zu Wahl stellen: Entweder er suche sich eine Arbeit, oder er kehre nach Bozen zurück. Die Zeugin beschrieb Benno Neumair als „sehr überzeugend“, „manipulativ“ und „egozentrisch“. Zwischen Juni und Juli bemerkte sie, dass von ihrem Konto Geld fehlte: Ihre Bankomat-Karte soll für den Einkauf von Lebensmitteln im Wert von 230 Euro belastet worden sein – es handelte sich laut Reiter um Dinge, die Benno normalerweise auf seine Einkaufsliste setzte. Als sie ihn damit konfrontierte, soll er vehement geleugnet haben, dass er ihre Karte benutzt habe. Im Nachhinein habe er sogar behauptet, das Geschäft habe auch Geld von seinem Konto abgebucht – beweisen wollte er dies anhand seines Kontoauszugs. Laut Ermittlungen soll das Dokument gefälscht gewesen sein. <BR /><BR />Benno Neumair habe überzeugend gesprochen und geschrieben, er habe aber auch gut „geschauspielert“. Laut Reiter habe sie bei einem Ausflug „etwas Alltägliches“ gesagt, woraufhin Benno sich hingelegt, mit den Fäusten auf den Boden geschlagen und geweint haben soll. Bei einem Spaziergang am Fluss soll er hingegen einen Kollaps vorgetäuscht haben, nachdem Reiter sich geweigert habe, dort mit ihm intim zu werden. <BR /><BR />Im Juli eskalierte die Lage vollends: Benno habe sie bei der Arbeit angerufen und behauptet, einer ihrer Freunde habe ihn zusammengeschlagen. Reiter rief besagten Freund an, der Bennos Behauptung widerlegte. Als sie zu Hause ankam, „stand Benno im Bad mit einem etwa 15 Zentimeter langen Fischfilettiermesser in der Hand“, die Klinge nach oben gerichtet, erinnerte sich Reiter. Sie bemerkte „punktuell gesetzte Wunden“ an seinem Gesicht und machte auch Fotos davon. Sie habe Benno beruhigt, aber trotzdem die Polizei gerufen, die mit einem Sonder-Einsatzkommando anrückte: Der gesamte Wohnblock wurde geräumt, Benno aus der Wohnung geholt und in die Klinik für Psychiatrie in Günzburg gebracht. Wie er ihr später gestanden habe, habe er sich die Verletzungen selbst zugefügt. Reiter bestand dann darauf, dass Benno zurück nach Südtirol fahren sollte. <BR /><BR />Das letzte Mal sahen sich die beiden am Bahnhof. Da sei er auch wieder ausgerastet und habe ihr sogar gedroht: „Er sagte mir, ich soll nicht bei offenem Fenster schlafen. Er war schon einmal über das offene Fenster in die Wohnung gelangt, als er sich ausgesperrt hatte.“ In den darauffolgenden Tagen habe sie an Panikattacken gelitten und sei nicht in ihrer Wohnung geblieben, sondern habe bei Freunden übernachtet, erklärte die Zeugin. <BR /><BR />Das dicke Ende kam dann mit einem E-Mail, das Benno Neumair ihr Monate nach der Trennung schrieb. Darin erklärte er, sich in Indonesien mit Taenia solium – auch Schweinebandwurm genannt – infiziert zu haben. Zumal dieser Parasit auch das Gehirn angreife, erkläre er sich sein damaliges Verhalten mit dieser Krankheit und entschuldige sich. Im Anhang sandte er ihr einen ärztlichen Befund, um seine Erklärung zu untermauern. Wie aber die Ermittlungen ergeben haben sollen, sei auch dieses Dokument eine Fälschung gewesen – „gebastelt“ mit Photoshop. Der Schwurgerichtsprozess wird am 5. Mai mit der Anhörung der psychiatrischen Gutachter fortgesetzt.