Donnerstag, 13. Februar 2020

Bereits mehr als 1300 Tote durch Coronavirus

In ganz China sind nach Angaben der Nationalen Gesundheitsbehörde NHC bis Mittwoch 1367 Menschen durch das Coronavirus gestorben. Im Vergleich zu Mittwoch ist das ein Anstieg um 254 Todesfälle. Nie zuvor gab es für einen einzigen Tag höhere Zahlen. Die Zahl der Neuinfektionen betrug laut NHC 15.152. Insgesamt sind damit 59.805 Menschen erkrankt.

Die Ansteckungsgefahr in der Provinz Hubei ist weiterhin sehr groß.
Die Ansteckungsgefahr in der Provinz Hubei ist weiterhin sehr groß. - Foto: © APA (Archiv/AFP) / STR
Am Mittwoch seien alleine in der Provinz Hubei, die das Epizentrum der Epidemie ist, 242 Menschen gestorben, teilten die Gesundheitsbehörden mit. Außerdem wurden in Hubei 14.840 neue Krankheitsfälle registriert, am Dienstag waren es gerade einmal 1.638. Hier dürfte der Grund für den beispiellos rasanten Anstieg sein, dass die Behörden ihre Methoden zur Erfassung der Fälle überarbeitet haben. Die zuletzt aufgekommene Hoffnung, der Kampf gegen das erstmals im Dezember erkannte Virus könnte bald gewonnen sein, erlitt damit einen herben Dämpfer.




Die Behörden in Hubei legten den Unternehmen nahe, den Zwangsurlaub zu verlängern und nicht vor dem 20. Februar ihren Betrieb wieder aufzunehmen. In Hongkong sollen die Schulen bis Mitte März geschlossen bleiben. Staatliche Medien meldeten nach wachsender Kritik in der Öffentlichkeit am Krisenmanagement der Behörden, dass zwei Spitzenvertreter der Kommunistischen Partei in Hubei von ihren Posten enthoben worden seien. Auch an den Börsen in Asien und in Europa wuchsen nach den jüngsten Hoffnungen auf eine Entspannung die Sorgen wieder. Sie reagierten mit Abschlägen.

In Vietnam wurden aus Angst vor der Ausbreitung des Virus mehrere Dörfer mit insgesamt rund 10.000 Einwohnern unter Quarantäne gestellt. Die Behörden ließen die rund 40 Kilometer von der Hauptstadt Hanoi entfernte Kommune Son Loi abriegeln, zu der mehrere Dörfer gehören. Dort wurden bisher sechs Fälle von Covid-19-Infektionen registriert. Die Maßnahme gilt demnach zunächst für 20 Tage.




Zu große Sorgen sollte man sich nach den derzeit vorliegenden Informationen bezüglich 2019-nCoV nicht machen, meinte der Wiener Virologe Kistner, ehemals beim Pharmakonzern Baxter in Wien maßgeblich an der Entwicklung für neuartige Impfstoffe gegen virale Erreger beteiligt. Der Lehrende an der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien erklärte: „Bei SARS gab es zwischen 1. November 2002 und 31. Juli 2003 weltweit 8.096 Erkrankungen. Tödlich endeten 774, was einer Mortalität von 9,6 Prozent entsprach. MERS hatte zwischen September 2012 bis 15. Jänner 2020 in 27 Staaten 2.506 Erkrankungen als Folge. Davon endeten 862 oder 34,4 Prozent fatal. Von 31. Dezember 2019 bis 11. Februar wurden in China 42.708 von der WHO bestätigte Erkrankungen mit dem neuen Coronavirus registriert - bei 1.017 Todesfällen. Das entspricht einer Mortalität von 2,4 Prozent. In 24 anderen Staaten gab es bis dahin 395 Fälle, ein Erkrankter starb. Das bedeutet eine Mortalität von 0,3 Prozent.“ Im Vergleich seien von der jährlich auftauchenden echten viralen Grippe dagegen etwa eine Milliarde Menschen betroffen, wobei drei bis fünf Millionen Menschen so schwerwiegend erkranken, dass ein Spitalaufenthalt nötig ist.

Kistner hat lange Erfahrung. „Baxter wurde ehemals von der US-Regierung für die Entwicklung eines SARS-Impfstoffes unterstützt. Wir haben von der Basisarbeit bis zur Präklinik, also bis zur möglichen Erprobung in Klinischen Studien in Menschen, 18 Monate gebraucht.“

Das Ziel der Europäischen Union in Hinblick auf den Ausbruch des Coronavirus ist derzeit, die Situation in Europa aufrechtzuerhalten. Im Vergleich zu China gebe es „sehr, sehr wenig“ Erkrankungsfälle, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) in Brüssel vor einem Sonder-Ministerrat. Bei diesem geht es laut Anschober in erster Linie um den Informationsaustausch und darum, dass die EU-Länder voneinander lernen. „In Europa sind wir so stark wie die schwächste Maßnahme eines Mitgliedsstaates“, betonte er.

Reisebeschränkungen in Europa erachtet der Minister für „derzeit nicht angebracht“. In einer Situation, in der „Ernsthaftigkeit, Vorsicht und Aufmerksamkeit“ notwendig seien, dürfe keine Panik erzeugt werden. Diese wäre ein „schlechter Ratgeber“, so Anschober.

apa