Mittwoch, 20. Mai 2015

Bergrettung: "Bürokratie ist ein enormer Hemmschuh"

"Wir Freiwilligenorganisationen werden behandelt, als wären wir Firmen. Das ist zunehmend ein Hemmschuh für uns", sagt Ernst Winkler auf Anfrage von STOL. Seit einem Monat ist er Landesleiter des Bergrettungsdienstes im Alpenverein. Auch der BRD stöhnt unter der zunehmenden Bürokratisierung.

Ständig mehr Auflagen machen Freiwilligenorganisationen, wie dem BRD, das Leben und Arbeiten schwer.
Badge Local
Ständig mehr Auflagen machen Freiwilligenorganisationen, wie dem BRD, das Leben und Arbeiten schwer. - Foto: © STOL

Seit 1984 ist Ernst Winkler bei der Bergrettung im Einsatz, war bis vor kurzem 22 Jahre lang Rettungsstellenleiter in Lana und hat damit einen überaus reichen Erfahrungsschatz. "Es hat sich gar einiges verändert über die Jahre", sagt der neue BRD-Chef zu STOL.

Ehrenamt wird mit Auflagen überschwemmt 

"Wir müssen laufend mehr Zettel ausfüllen", so Winkler. Man fühle sich in der Hinsicht von der Europäischen Union im Stich gelassen.

Freiwilligenorganisationen, wie die Bergrettung in Südtirol, gebe es vor allem im Alpenraum und auf den deutschsprachigen Raum bezogen. "Anderswo hat es sie nicht gegeben oder sie sind auf dem Rückzug", so Winkler. Dies sei auch den zunehmenden Auflagen geschuldet. 

 

Ernst Winkler ist seit einem Monat Chef der Bergrettung im Alpenverein. Foto: D

Arbeitssicherheit sei gut und recht, doch "der Zettel allein hilft uns nicht, verhindert nicht, dass ein Unfall passiert", sagt Winkler. Man wünsche sich diesbezüglich einen Ansprechpartner, ein Büro, auf europäischer Ebene. Denn oft würden dort Gesetze erlassen, die in Italien dann ganz anders ausgelegt und umgesetzt - und so zu einem Hemmschuh würden.

Unsinnige und kostspielige Regelungen

Konkretes Beispiel: So sollen Klettergurte, die im Zusammenhang mit der Flugrettung benützt werden, zum Hubschrauber kollaudiert werden. Sprich: "Jeder Hubschrauber hat dann nur noch seinen zertifizierten Klettergurt. Dabei sind unsere Gurte ja alle schon zertifiziert", beanstandet Winkler die "unsinnige Regelung".

Es sei eine Kostenfrage und: "Wenn ein Verletzter in der Wand hängt, aber den falschen Gurt hat, können wir nicht sagen: Entschuldige, wir können dich nicht mit dem Hubschrauber mitnehmen, sondern müssen erst den richtigen Gurt haben", so Winkler.

Bergrettung in Südtirol gut aufgestellt

Insgesamt sei der Bergrettungsdienst in Südtirol gut aufgestellt. Auch über mangelnden Nachwuchs könne man sich nicht beklagen. "Wir haben relativ viel Zuwachs, viele junge Mitglieder. Wir halten den Standard sehr hoch und konnten es uns leisten, die Zugangsparameter anzuheben", erklärt der BRD-Chef. Das heißt: Dass die Neuzugänge schon über ein gewisses Wissen verfügen müssen und nur noch das lernen, was Bergretter konkret in der Ausübung ihres Dienste brauchen. 

"Und: Wir haben auch für die Ältergedienten noch Einsatzbereiche - solange sie mit den Kursen in Ordnung sind", ergänzt Winkler. 

Bewährtes weiterführen

Sein Wunsch für die Zukunft: "Die Rettungsstellen draußen sollten es einfacher haben." 

Er werde, unterstrich Winkler, Bewährtes weiterführen: "Der Weg ist vorgegeben - ich werde ihn so gut es geht weitergehen." 

Treffen mit Schuler: Dank für den Einsatz 

Dem neuen BRD-Chef gab auch Zivilschutz-Landesrat Arnold Schuler gute Wünsche auf seinem Weg mit. Um die Belange des Bergrettungsdienstes ging es auch bei einem Treffen mit Schuler und Winklers Vorgänger Toni Preindl.

Er werde, sicherte Landesrat Schuler zu, weiterhin darauf achten, dass die Rahmenbedingungen gegeben sind, um als Bergretter gut arbeiten zu können.

 

Treffen in Sachen Bergrettung: Landesrat Arnold Schuler (M.) mit dem neuen Landesleiter des Bergrettungsdienstes Ernst Winkler (r.) und dessen Vorgänger Preindl.

Zudem drückte Schuler seine Wertschätzung und Dankbarkeit für die zahlreichen ehrenamtlich geleisteten Stunden zum Wohle der Bevölkerung aus: "Ihr Bergretter seid bei Nacht und am Wochenende unterwegs und nehmt auch große Risiken für euer eigenes Leben in Kauf, um das Leben anderer zu retten."

stol/ker

stol