Dienstag, 06. April 2021

Bergsteigerdörfer: Nachhaltiger Bergtourismus auf dem Vormarsch

Bergsteigerdörfer stehen für einen nachhaltigen und umweltverträglichen Bergtourismus. In Südtirol gibt es mit Matsch (seit 2017) und Lungiarü (seit 2018) bereits zwei sehr erfolgreiche Bergsteigerdörfer. Im Jahr 2021 folgen sechs weitere Dörfer in den Alpen diesem Beispiel. Sie werden von den Alpenvereinen aus Deutschland, Österreich, Slowenien, Italien und dem Alpenverein Südtirol (AVS) ausgezeichnet.

St. Antönien in der Schweiz  ist einer jener  6 Orte, die 2021 in die Familie der Bergsteigerdörfer aufgenommen werden.
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St. Antönien in der Schweiz ist einer jener 6 Orte, die 2021 in die Familie der Bergsteigerdörfer aufgenommen werden. - Foto: © Marco Schnell
„In ein Bergsteigerdorf kommst du nicht zufällig,“ meint Ludwig Wolf, Altbürgermeister vom Bergsteigerdorf Johnsbach im Gesäuse in Österreich. Denn die Bergsteigerdörfer liegen etwas abseits der Zentren oder in einem Talschluss versteckt. Nicht zufällig erfolgt auch die Auswahl der Bergsteigerdörfer: landschaftliche Reize, alpinistisch interessante Gebiete und eine intakte Kultur- und Naturlandschaft, die nicht durch große technische Verbauungen gestört ist. Ebenso zu den Aufnahmekriterien zählt das Engagement der Einheimischen, sich für eine nachhaltige und naturverträgliche Gemeinde- und Tourismusentwicklung einzusetzen.

Ausweitung bis ans Mittelmeer

In Österreich werden die Orte Göriach/Salzburger Lungau und Steinberg am Rofan/Nordtirol den Kreis der Bergsteigerdörfer erweitern. Mit Balme/Piemont und Triora/Ligurien reichen die Bergsteigerdörfer nun bis ans Mittelmeer und erobern die Westalpen.



Mit St. Antönien und den Unterengadiner Orten Lavin, Guarda und Ardez folgen die ersten Bergsteigerdörfer der Schweiz in Graubünden.



Im Laufe des Jahres treten die sechs neuen Bergsteigerdörfer mit eigenen Beitrittsfeiern offiziell dem internationalen Netzwerk bei. Die Zahl der Bergsteigerdörfer steigt damit auf 35 (davon 22 in Österreich, 4 in Deutschland, 3 in Italien und je 2 in Südtirol, Slowenien und der Schweiz).




Schweizer Alpen-Club als neuer Partner der Initiative

Der Schweizer Alpen-Club (SAC) ist mit rund 160.000 Mitgliedern und 153 Hütten der führende Bergsportverband der Schweiz. Seit seiner Gründung 1863 gestaltet er die Entwicklung des Alpinismus und des Alpenraums mit. „Die Initiative Bergsteigerdörfer passt perfekt zu den Werten des SAC, und wir freuen uns, Teil dieses Netzwerkes zu sein“, sagt SAC-Präsidentin Françoise Jaquet.

Fünf Jahre international – Fünf Jahre Umsetzungsprojekt der Alpenkonvention


Ramsau bei Berchtesgaden wurde 2016 das erste Bergsteigerdorf außerhalb Österreichs. 2017 folgte Matsch im Obervinschgau als erstes Bergsteigerdorf in Südtirol, 2018 dann Lungiarü (dt. Campill) in den Dolomiten. Über nationale Grenzen hinweg will die Initiative die nachhaltige Entwicklung im Alpenraum vorantreiben – sei es im Bereich Tourismus, im Naturschutz, der Regionalentwicklung, der Berglandwirtschaft u.v.m. Wie eine nachhaltige Entwicklung aussehen soll, ist in der Alpenkonvention geregelt. Seit fünf Jahren ist die Initiative der Bergsteigerdörfer offiziell Umsetzungsprojekt der Alpenkonvention und damit ein Leuchtturmprojekt die Realisierung der Zielsetzungen dieses politischen Übereinkommens der Alpenstaaten.



Weniger ist mehr – auch in Südtirol

Während die Corona-Pandemie viele Bereiche lahmgelegt hat, ist das Bedürfnis nach Bewegung in der freien Natur angestiegen. Notgedrungen wurden wieder Ausflüge in die nähere Umgebung unternommen und der Urlaub in Südtirol verbracht. AVS-Präsident Georg Simeoni ist überzeugt, dass die Bergsteigerdörfer auch nach Corona beliebte Ausflugs- und Urlaubsziele sein werden: „In unseren naturbelassenen Bergsteigerdörfern gibt es viele Möglichkeiten zur Bewegung, Besucher finden Erholung und einen Ort, wo sie die Seele baumeln lassen können. In den Bergsteigerdörfern geht es meist etwas ruhiger zu als anderswo.“ Der Alpenverein Südtirol (AVS) betreut mit Matsch und Lungiarü zwei Bergsteigerdörfer. Simeoni glaubt daran, noch weitere Multiplikatoren zu finden, denn: „Die Initiative setzt Bestehendes in Wert. Wir investieren nicht in die Hardware, sondern in die Software und unterstützen Dörfer darin, ihre eigenen Visionen von einer lebenswerteren und krisensicheren Zukunft umzusetzen.“

stol