Spätherbst in den Bergen. Eine Gruppe ist auf einem Höhenweg unterwegs – dann geht plötzlich nichts mehr. Vor ihnen liegt der bereits verschneite Weg zum Gipfel. Hinter ihnen mehrere Stunden kräftezehrender Aufstieg. Ein Abstieg auf der anderen Seite? Keine Option. Dafür fehlt die passende Ausrüstung. Als die Bergrettung wenig später eintrifft und die Wanderer aus ihrer misslichen Lage befreit, folgt die Erklärung : Auf Instagram habe die Gruppe gesehen, dass es hier oben schneefrei sei. Von den tatsächlichen Verhältnissen sei man überrascht worden.<BR /><BR />Einsätze dieser Art sind inzwischen keine Einzelfälle mehr, weiß Thomas Hellrigl, Landesleiter der Bergrettung Südtirol, zu berichten: „Immer wieder verlassen sich Menschen auf nicht verifizierte Informationen im Netz und planen auf dieser Basis ihre Touren“, sagt Thomas Hellrigl, Landesleiter der Bergrettung Südtirol. Eine Entwicklung, die den Einsatzkräften zunehmend Sorgen bereitet – und die zeigt, wie sehr sich die Tourenplanung in den vergangenen Jahren verändert hat. <h3> Planung per Klick und ihre Tücken</h3>Immer häufiger vertrauen Menschen ihre Freizeitplanung einer künstlichen Intelligenz an. Auch Wanderungen, Bergtouren oder gar komplexe Besteigungen werden über ChatGBT und Co. geplant und konzipiert. Dabei greifen gerade diese Tools auf Informationen zurück, die nicht dringend aktuell oder gar inhaltlich korrekt sind. <BR /><BR />„Das ist ein großes Problem. Die Systeme unterscheiden nicht zwingend, ob es sich bei den gelieferten Antworten um Infos aus einem Instagram-Beitrag oder einem Tourenbericht qualifizierter Bergführer handelt“, führt Hellrigl aus. Bei der Befragung von KI müsse man sich dessen bewusst sein, worauf die KI zurückgreift und was man selbst mitbringen muss. <h3> Wenn Extreme zum Maßstab werden</h3>Wie trügerisch solche Informationen sein können, zeigt ein aktuelles Beispiel: Zwei Extremsportler haben die berühmte Haute Route von Chamonix nach Zermatt in nur 14 Stunden bewältigt – ein Rekord, der online für Aufmerksamkeit sorgt.<BR /><BR />Wer sich an solchen Berichten orientiert, könnte den Eindruck gewinnen, die Strecke sei an einem Tag machbar. Tatsächlich handelt es sich um eine klassische Mehrtagestour, für die durchschnittliche Bergsteiger rund fünf Tage benötigen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-74441186_quote" /><BR /><h3> Selbsttest: Königsspitze Nordwand</h3>Wie problematisch das konkret sein kann, zeigt ein Selbstversuch von STOL. Wir geben an, bereits erfahren im alpinen Gelände zu sein, und fragen eine KI, ob ein Aufstieg durch die Nordwand der Königsspitze derzeit möglich sei.<BR /><BR /><BR />ChatGBT listet uns auf, war wir wissen müssen: Das Timing für die Tour, die Linienwahl, eine empfohlene Bewegungsstrategie, Gefahrenmanagement und Ausrüstung. Das Schlussfazit fällt dabei klar aus: „<b>Für jemanden mit deiner Erfahrung: Ja, absolut machbar – und eine richtig starke Tour.“</b><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1303962_image" /></div> <BR /><BR />Diese Ergebnisse besprechen wir mit dem Experten, Thomas Hellrigl. Seine Antwort darauf fällt deutlich aus: „Es werden Routenverlauf, Einstieg und Verhältnisse beschrieben. <BR /><BR /><embed id="dtext86-74441953_quote" /><BR /><BR /> Durch den Klimawandel ist dort so viel Eis abgeschmolzen, so dass die Route heute nur noch sehr selten begangen wird“, führt er aus.<h3> Chancen und Limitation von KI</h3>Thomas Hellrigl unterstreicht abschließend, dass künstliche Intelligenz zwar eine wertvolle Unterstützung für die Recherche allgemeiner Daten oder Hintergrundinformationen zu Besteigungen bietet, bei der konkreten Tourenplanung jedoch an ihre Grenzen stößt. <BR /><BR /><embed id="dtext86-74441956_quote" /><BR /><BR /><BR />Für eine verlässliche Planung empfiehlt der Expert daher, den Rückgriff auf spezialisierte Plattformen wie Bergsteigen.com, betont jedoch gleichzeitig den unschätzbaren Wert klassischer Kletterführer in Papierform; diese seien Zeugnis einer intensiven und fundierten Auseinandersetzung mit der Materie, die über rein digitale Daten hinausgeht.<BR /><BR />Ein wesentlicher Teil einer sicheren Vorbereitung bleibt für ihn zudem der direkte menschliche Austausch. Ob die Beratung durch lokale Bergführer, Bergschulen oder die gezielte Nachfrage bei Hüttenwirten bezüglich der aktuellen Bedingungen und Kapazitäten – die persönliche Expertise vor Ort sei durch keinen Algorithmus zu ersetzen.