Donnerstag, 24. Mai 2018

Bergunfälle mit mehreren Verletzten bewältigen

Bei Lawinenabgängen, Blitzunfällen oder Erdrutschen übersteigt die Anzahl der Verletzten oft jene der Notärzte: Einsatzkräfte müssen dann schnell entscheiden, welche Verletzten prioritär zu behandeln sind. Um Notärzte dabei zu unterstützen, möglichst viele Menschenleben zu retten, erarbeiteten internationale Experten Leitlinien, die kürzlich im Fachjournal „High Altitute Medicine & Biology“ veröffentlicht wurden.

Einsatzkräfte müssen schnell entscheiden, welche Verletzten prioritär zu behandeln sind. - Foto: Eurac Research/Ivo Corrà
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Einsatzkräfte müssen schnell entscheiden, welche Verletzten prioritär zu behandeln sind. - Foto: Eurac Research/Ivo Corrà

Rettungskräfte nehmen als erstes eine „Triage“ vor: So nennt sich der Vorgang, bei dem die Einsatzkräfte eine Ersteinschätzung der Verletzten vornehmen und zwischen Patienten mit guter und schlechter Prognose unterscheiden. „Diese Wahl kann im Gelände durchaus schwierig sein“, ergänzt einer der Forscher Hermann Brugger.

Wer hat Vorrang? 

Wie bei Massenanfällen im urbanen Umfeld haben bei der Erstversorgung grundsätzlich Schwerverletzte vor Patienten mit leichteren Verletzungen Vorrang – außer beim Opfer bestehen keine Überlebenschancen. Im Gebirge müssen die Einsatzkräfte jedoch einige Besonderheiten beachten: Bei einem Blitzunfall werden beispielsweise zuerst Patienten ohne Lebenszeichen behandelt, weil diese reversibel sein können, während Verletzte mit Vitalfunktionen sich von selbst erholen.

Neben Blitzunfällen behandelt die Studie auch Lawinenabgänge, Skiliftunfälle und Erdrutschungen, bei denen mehrere Menschen verletzt oder in Gefahr sind. Zudem befassen sich die Experten mit Aspekten wie der Erstmobilisierung von Einsatzkräften, dem Aufbau der Befehlsstruktur, der Kommunikation zwischen den Einsatzkräften sowie dem Abtransport der Verletzten.

stol

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