Bei einem Kurzbesuch auf der Mittelmeerinsel versprach der Ministerpräsident am Mittwoch, dass die derzeit 6.000 auf der Insel befindlichen Migranten diese in maximal zwei Tagen verlassen würden. „Ich verspreche, dass ich Lampedusa in 48 bis 60 Stunden befreien werde“, sagte der Premier. Noch am Mittwoch sollten sechs Schiffe in Lampedusa eintreffen, um die Migranten aufs Festland zu bringen. Mit Tunesien seien Gespräche für eine Abschiebung im Gange.Berlusconi stellte einen ambitionierten Plan zur finanziellen Unterstützung Lampedusas vor. Dieser sieht unter anderem Maßnahmen zur Förderung des Tourismus und der Fischerei vor. Die karge Insel soll laut dem Plan aufgeforstet werden. Berlusconi will Lampedusas für den Friedensnobelpreis vorschlagenAußerdem sollen die Einwohner ein Moratorium bei der Zahlung von Steuern und eine Reduktion der Benzinpreise erhalten. Wegen des Einsatzes zugunsten der Migranten werde die Regierung Berlusconi eine Kandidatur Lampedusas für den Friedensnobelpreis vorschlagen.Berlusconi sagte, er habe auf Lampedusa ein Haus gekauft. Dies solle für die Bürger Lampedusas als Garantie gelten, dass er sich persönlich um die Entwicklung der kleinen Insel bemühen werde. „Lampedusa wird wieder zu einem Paradies werden“, versicherte der Premier.Innenminister Roberto Maroni erklärte unterdessen, dass die Tunesier abgeschoben werden sollen. „Die Abschiebungen werden im Einklang mit den europäischen Richtlinien und den internationalen Verträgen erfolgen. Wir werden die Menschenrechte berücksichtigen, wie wir es immer getan haben“, betonte der Minister. Die Tunesier, die in den vergangenen Wochen Lampedusa erreicht haben, seien Migranten und keine Flüchtlinge.Präsident Giorgio Napolitano appellierte an die EU, Italien bei der Bewältigung des Flüchtlingsnotstands aktiv zu unterstützen. „Die Massenflucht der Migranten ist nicht nur ein italienisches Problem, es betrifft ganz Europa. Die EU braucht einheitliche Richtlinien bezüglich Migration und politischem Asyl“, betonte Napolitano.Das Drama der aus Tunesien in Italien eingetroffenen Migranten beschäftigt nun auch die französischen Behörden. Hunderte Tunesier, die über den Grenzübergang Ventimiglia in der norditalienischen Region Ligurien nach Frankreich einreisen wollten, wurden von den französischen Behörden abgeschoben. Allein in der Nacht auf Mittwoch trafen 200 Tunesier in Ventimiglia ein. Dutzende Migranten machten auf dem Bahnhof der ligurischen Kleinstadt Station. Mehrere Personen, die die Grenze zu Fuß überqueren wollten, wurden aufgehalten und zurückgeschickt.dpa