Die Verbände fordern eine Prüfung, ob der Umgang Österreichs mit Wölfen, insbesondere in Tirol und Kärnten, mit der EU-Habitatrichtlinie vereinbar ist. Der Beschwerde ging eine offizielle Antwort der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission vom 14. Juli voraus. Brüssel ging darin zwar nicht auf den Einzelfall Mirco ein, bestätigte aber, dass verschiedene Aspekte der österreichischen Wolfspolitik bereits geprüft werden.<BR /><BR />Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Einhaltung von Artikel 14 der Habitatrichtlinie, auch angesichts der hohen Zahl von Wolfsabschüssen in Tirol und Kärnten, sowie die korrekte Anwendung der Ausnahmeregelungen nach Artikel 16. Geprüft werden zudem der Umgang mit dem Vorsorgeprinzip, der Austausch wissenschaftlicher Daten über besenderte Wölfe und der Zugang zu gerichtlichem Rechtsschutz in Österreich. Die italienische Organisation erklärte, ihre Beschwerde beschränke sich nicht auf den Fall Mirco. Vielmehr gehe es um eine ihrer Ansicht nach wiederkehrende Verwaltungspraxis in Österreich.<BR /><BR />Nach Angaben der beteiligten Verbände haben sie in den vergangenen Monaten über Anfragen nach Umweltinformationen zahlreiche Verwaltungsunterlagen österreichischer Behörden erhalten. Diese würden aus ihrer Sicht wiederkehrende Probleme zeigen. Dazu gehörten unzureichend begründete Bewertungen einzelner Wölfe, fehlende Nachweise dafür, dass keine nicht-tödlichen Alternativen zur Verfügung standen, sowie mangelnde Transparenz bei der Bewertung der kumulativen Auswirkungen von Abschüssen.<BR /><BR />Auch der Umgang mit GPS-Daten aus internationalen wissenschaftlichen Projekten wird kritisiert. Die beiden italienischen Wölfe Mirco und Andrea, die in Tirol beziehungsweise Kärnten getötet wurden, werden in der Beschwerde nach Darstellung der Organisationen deshalb nicht als Einzelfälle, sondern als Beispiele für ein umfassenderes Problem angeführt. Nach Auffassung der Verbände geht es damit nicht darum, jeden einzelnen Wolfsabschuss anzufechten. Vielmehr soll geklärt werden, ob das österreichische System der Wolfsregulierung Auswirkungen auf den Schutz der alpinen Wolfspopulation und auf die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit hat.<BR /><BR />Der junge Wolf namens Mirco war im Frühjahr in Tirol getötet worden. Das Tier war mit einem Satellitenhalsband ausgestattet und Teil eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts, das vom Nationalpark der Dolomiten der Provinz Belluno und der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Sassari koordiniert wird. Ziel des Projekts war die Untersuchung der Wanderbewegungen junger Wölfe und deren Bedeutung für die Ausbreitung der Art sowie den genetischen Austausch zwischen Populationen. Seine Tötung hatte bei italienischen Tierschutzverbänden vehementen Protest ausgelöst.