Donnerstag, 14. September 2017

Betrüger gestellt: Auch zwei Südtiroler unter den Opfern

Online-Sportwetten mit garantierter Gewinnchance: So zog die international agierende Bande mindestens 77 Investoren über den Tisch. Zu den Geschädigten gehören auch Personen in Trient und Bozen. Hierzulande wurde das Schneeballsystem von drei Männern aus Trient promotet.

Der Kopf der Bande: Der Portugiese Georges Antero da Silva Queiros sitzt in Haft. - Foto: Finanzpolizei Trient
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Der Kopf der Bande: Der Portugiese Georges Antero da Silva Queiros sitzt in Haft. - Foto: Finanzpolizei Trient

"Sie hielten Kongresse in diversen Hotels ab und versprachen den Anlegern einen 8 bis 10-prozentigen Gewinn", berichtet der Landeskommandant der Finanzpolizei Trient, Oberst Roberto Ribaudo, auf Anfrage von STOL noch vor der Pressekonferenz am Donnerstagvormittag. Das Geld der Investoren sollte in Online-Sportwetten fließen, "ein Kalkulationsprogramm die Gewinnchancen garantieren", erklärt Ribaudo das System, mit dem die Betrüger ihre Investoren köderten. 

Zelle agiert von Trient aus

"Die Ermittlungen laufen seit 2010 - und gingen von Trient aus", so Ribaudo. Sie können nun mit dem Ergebnis von sieben Anzeigen - drei betreffen von Trient aus agierende Betrüger - abgeschlossen werden.

Es handelt sich um den ehemaligen Bankdirektor Massimiliano Achler (47), den Finanzberater Leonardo Sala (61) und den Immobilienhändler Giandonato Fino (57).

77 Geschädigte hat die Finanzwache ausgeforscht. Sie stammen aus dem Veneto, der Lombardei, der Emilia Romagna und dem Trentino, wobei ein gutgläubiger Investor Bozner Wurzeln hat. Auch zwei Südtiroler sollen den Betrügern auf den Leim gegangen sein.

Die Investitionssummen betragen von 2000 bis 300.000 Euro. 

Kopf der Bande gelingt Flucht aus Gefängnis in Frankreich

Auch der Kopf der international agierenden Bande sitzt mittlerweile in Haft. Es handelt sich um den 56-jährigen Portugiesen Georges Antero da Silva Queiros. "Das Kuriose an der ganzen Sache ist, dass Queiroz bereits im März in Frankreich verhaftet wurde. Er täuschte aber Unwohlsein vor und floh beim Transport ins Krankenhaus", berichtet der Finanzchef aus Trient.

Nach zwei Tagen war die Flucht jedoch in Montpellier zu Ende - und der Bandenboss sitzt seither wieder ein. Er ist den Behörden auch schon wegen anderer Betrugsdelikte bekannt.

Klassisches Schneeballsystem

"Es handelt sich in unserem Fall um ein klassisches Schneeballsystem", erklärt Leutnant Roberto Ribaudo. Im Zuge der Ermittlungen, die auf der Zusammenarbeit der Behören in Italien, Portugal und Frankreich basieren, wurden 2,4 Millionen Euro in Form von Bargeld, Bankkonten und Immobilienbesitz beschlagnahmt. 

stol/ker

stol