Rund jeder zweite Südtiroler gibt an, das Konzept der Kreislaufwirtschaft gut oder sehr gut zu kennen. Gleichzeitig räumen fast vier von zehn Personen ein, nur wenig oder gar nichts darüber zu wissen.<BR /><BR />Zu den am weitesten verbreiteten nachhaltigen Verhaltensweisen zählt der bewusste Verzicht auf unnötige Anschaffungen: 95 Prozent der Befragten kaufen nach eigenen Angaben möglichst wenig. 91 Prozent geben an, Gegenstände regelmäßig zu reparieren. 42 Prozent kaufen regelmäßig Secondhand-Produkte. Ebenso viele betreiben Upcycling, indem sie Gegenstände kreativ weiterverwenden, die sonst entsorgt würden. Kaum verbreitet ist dagegen die Wiederaufbereitung von Smartphones und Computern: Nur sieben Prozent lassen elektronische Geräte reparieren oder kaufen generalüberholte Produkte. Dabei handelt es sich um einen Bereich mit großem, bislang wenig genutztem Potenzial.<BR /><BR />Besonders stark ausgeprägt sind kreislauforientierte Praktiken im Bereich Kleidung: 29 Prozent der Südtiroler kaufen gebrauchte Kleidung, 71 Prozent bessern ihre Kleidungsstücke aus, und 36 Prozent gestalten sie kreativ um. <BR /><BR />„In Südtirol gibt es eine große Bereitschaft dafür, nachhaltig zu handeln. Jeden Tag entscheiden wir nicht nur, was wir kaufen, sondern auch, wie wir Produkte nutzen – ob wir sie reparieren, aufbereiten, verschenken oder entsorgen. Damit tragen wir dazu bei, Wertschöpfungskreisläufe zu schließen“, erklären Chiara Pellegrini und Jessica Balest vom Institut für Erneuerbare Energie von Eurac Research. Sie betreuen die Studie und arbeiten in der Forschungsgruppe „Regionale und urbane Energiesysteme“. Das Prinzip der Kreislaufwirtschaft stehe nicht in Konkurrenz zur Wirtschaft, sondern helfe dabei, Ressourcen besser zu nutzen und lokales Unternehmertum zu fördern.<BR /><BR />Um die Kreislaufwirtschaft weiter zu stärken, braucht es aus Sicht der Bevölkerung mehr Reparaturangebote, gut zugängliche und qualitativ hochwertige Secondhand-Geschäfte sowie Räume für Upcycling. Bei den Anreizen stehen günstigere Preise für gebrauchte oder aufbereitete Produkte, steuerliche Vorteile für Reparaturen und attraktivere Abfalltarife für Haushalte mit höherer Recyclingquote an erster Stelle. Auch die Politik sehen viele Befragte in der Pflicht: 62 Prozent wünschen sich vor allem mehr Informations- und Bildungsangebote. Die erhobenen Daten können künftig dazu beitragen, politische Maßnahmen und Initiativen zur Förderung des kreislauforientierten Konsums in Südtirol weiterzuentwickeln.<BR /><BR />„Mit den Daten steht dem Land eine wichtige Informationsgrundlage zur Verfügung, die ein differenziertes Bild des Konsumverhaltens im Zusammenhang mit der Kreislaufwirtschaft liefert“, ist auch Stefano Lombardo vom Landesstatistikinstitut ASTAT überzeugt. Die genauen Ergebnisse der Studie sind online abrufbar. <BR /><BR /> <a href="https://works.eurac.edu/Kreislaufwirtschaft-im-Alltag-der-B%C3%BCrgerinnen-und-B%C3%BCrger.pdf" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">https://shorturl.at/ZTmQq</a>