Der Schock über den Einsturz des Mitteltrakts des Bozner Gerichtsgebäudes sitzt tief. Nach der ersten Erleichterung, dass wie durch ein Wunder am gestrigen Donnerstag keine Menschen schwer verletzt oder getötet wurden, richtet sich der Blick der Verantwortlichen nun auf die Zukunft des Justizbetriebs sowie auf die Ursachenforschung.<BR /><BR />Hochbau- und Vermögenslandesrat Christian Bianchi informierte am Freitag über die nächsten dringenden Schritte. Derzeit führten Statiker und Ingenieure direkt vor Ort eingehende Untersuchungen durch, um das genaue Ausmaß der Schäden am verbliebenen Gebäude zu analysieren und die notwendigen Sicherungsmaßnahmen festzulegen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1337268_image" /></div> <h3> Justizpersonal wird vorläufig umgesiedelt</h3>Gleichzeitig habe, so Bianchi, die Landesregierung beschlossen, das gesamte Gerichtspersonal in provisorische, externe Räumlichkeiten umzusiedeln. Hierfür wurde bereits am Donnerstagnachmittag eine Ausschreibung gestartet, um passende Immobilien im Raum Bozen ausfindig zu machen.<BR /><BR /> Dabei werde geprüft, welche landeseigenen Flächen genutzt und welche Büros von privaten Anbietern kurzfristig angemietet werden könnten. Anfang nächster Woche ist ein Treffen mit Gerichtspräsidentin Francesca Bortolotti geplant, um die konkreten Optionen abzustimmen.<BR /><BR />Rückendeckung gibt es bereits aus Rom. Das Justizministerium wurde umgehend informiert und prüfe nun, die Möglichkeit für zahlreiche Angestellte unkompliziert Smart Working einzurichten. Außerdem werde geprüft, ob die Gerichtsaktivitäten vorübergehend formell ausgesetzt werden können, um Zeit für die Reorganisation zu gewinnen. <BR /><BR />„Da der Gerichtsbetrieb im Ferienmonat August ohnehin traditionell ruhiger verläuft, hoffen wir, die Übergangsphase ohne allzu große Verzögerungen zu überbrücken“, so Bianchi.<BR /><BR />Ein wichtiges Augenmerk liegt laut Bianchi auch auf den im Justizpalast angesiedelten Büros für die Zweisprachigkeitsnachweise. „Da diese Zertifikate laufend für öffentliche Wettbewerbe benötigt werden, soll hierfür bereits im Laufe der nächsten Woche eine schnelle Übergangslösung gefunden werden“, so Bianchi.<h3> Erste Entwarnung bezüglich Dokumentenbestände</h3>Weil das Gebäude unter polizeilicher Beschlagnahmung stehe, müsse der Zugriff auf die dort lagernden Dokumente eng mit den Ermittlungsbehörden abgestimmt werden. <BR /><BR />Bezüglich der Dokumentenbestände gebe es laut Bianchi immerhin erste Entwarnung. Während das Zivilarchiv ohnehin bereits vollständig digitalisiert sei, seien die Dokumente im Strafarchiv sowie die Unterlagen zu den Zweisprachigkeitsprüfungen vom Einsturz offenbar unberührt geblieben. Zwar gebe es dort Staub und leichten Schutt, direkte Einsturzschäden an den Regalen blieben nach ersten Erkenntnissen aber aus.<h3> Wer kommt für die Schäden auf?</h3> Wie Landesrat Bianchi aufklärte, verfüge das Land Südtirol über keine klassische Gebäudeversicherung für den Justizpalast. Das Land versichere sein Immobilienvermögen grundsätzlich nicht gegen solche Schäden. Dies sei eine bewusste Entscheidung, die bereits vor vielen Jahren getroffen worden sei, da die jährlichen Versicherungsprämien für den gesamten öffentlichen Gebäudebestand in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Schadensfällen stünden. Das Land agiere hier als Selbstversicherer und trage eventuelle Reparatur- oder Wiederaufbaukosten selbst.<BR /><BR />„Anders verhält es sich jedoch mit den Sanierungsarbeiten, die zum Zeitpunkt des Einsturzes im Gange waren. Sollte sich im Zuge der eingeleiteten Ermittlungen herausstellen, dass ein Planungsfehler, ein Fehler bei der Bauausführung oder Versäumnisse im Bereich der Baustelle zum Einsturz geführt haben, greift die gesetzliche Haftung“, erklärt Bianchi.<BR /><BR /> Nach staatlichem Recht müssen alle am Bau beteiligten Unternehmen, Planer, Architekten und Subunternehmer verpflichtende Baustellenversicherungen sowie entsprechende Haftpflichtversicherungen vorlegen. „Falls eine Verantwortlichkeit der Firmen nachgewiesen wird, sind diese Policen aktiv und kommen für die entstandenen Schäden auf“, so Bianchi.<BR /><BR /> Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zur genauen Einsturzursache stehen laut dem Landesrat allerdings noch ganz am Anfang.