Neue Bilder aus der Überwachungskamera des Clubs „Le Constellation“ in Crans-Montana werfen ein dramatisches Licht auf die Umstände der tödlichen Brandkatastrophe in der Silvesternacht, bei der 40 Menschen ums Leben kamen. <BR /><BR />Die Aufnahmen, erstmals im Rahmen Nachrichtensendung Tg3 auf Rai3 gezeigt, stammen aus dem hinteren Bereich des Lokals und zeigen einen schmalen Korridor. Rechts davon ist eine kleine Tür zu sehen – jene Tür, die die Betreiber Jacques Moretti und seine Ehefrau als Notausgang nannten.<BR /><BR />Doch genau diese Tür war offenbar blockiert: Ein Möbelstück, möglicherweise ein kleiner Tisch oder ein Schränkchen, versperrte den Zugang. Für die Ermittler ist das ein entscheidendes Detail. Denn es nährt den Verdacht, dass diese Tür im Alltag faktisch nicht als Fluchtweg genutzt wurde – und im Ernstfall unbrauchbar war.<h3> Überlebender: „Es war die Hölle“</h3>Ein Überlebender schildert gegenüber Tg3 das Chaos in jener Nacht: Rund 200 Menschen seien in Panik zur Haupttreppe geströmt, dem einzigen gut sichtbaren Ausgang aus dem Untergeschoss. „Es war die Hölle“, sagt der Mann. Seine Freundin habe ihn angefleht, sie nicht loszulassen. Er habe gesehen, wie ihre Haare zu rauchen begannen, ihre Hand verbrannt war.<BR /><BR />Der Zeuge berichtet zudem von Sicherheitsmängeln: Die schallabsorbierende Schaumstoffverkleidung sei offen angebracht gewesen und nicht geschützt. Kurz vor dem Ausbruch des Feuers sei zudem eine Großbestellung von 16 Flaschen serviert worden, jede mit einer brennenden Wunderkerze. Insgesamt stellten die Feuerwehrleute später rund 30 solcher Wunderkerzen fest.<BR /><BR />Besonders brisant ist auch das Gutachten der Staatsanwaltschaft von Sitten (fr. Sion), aus dem eine Karte des Untergeschosses hervorgeht. Die markierten Fundorte der Opfer konzentrieren sich fast ausschließlich am Fuß der Haupttreppe, ein deutlicher Hinweis darauf, dass viele Menschen keinen alternativen Fluchtweg fanden. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Ansa.<BR /><BR />In einem bewegenden Interview sprachen kürzlich die Eltern der 24-jährigen Französin Cayne über ihren tiefen Schmerz und die letzten Minuten im Leben ihrer Tochter: Die Kellnerin war in den Flammen des „Le Constellation“ gestorben, obwohl sie sich in unmittelbarer Nähe des Serviceausganges befunden hatte. Dieser war verriegelt. <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/sie-wollte-fliehen-aber-die-rettende-tuer-war-versperrt" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier lesen Sie mehr.</a><h3> Frühere Betreiber meldet sich zu Wort</h3>Zusätzliche Fragen wirft nun ein Bericht des Schweizer Fernsehens RTS auf. In der Sendung „Mise au Point“ meldet sich der frühere Betreiber des Lokals zu Wort. Eric Dosdo, der den Club von 2005 bis 2015 führte, erklärt, dass das Untergeschoss ursprünglich lediglich eine Spielhalle gewesen sei. Erst nach seinem Ausstieg habe das Ehepaar Moretti den Raum in einen Disco-Bar-Bereich umgebaut – offenbar ohne reguläres Baugesuch, sondern lediglich mit einer einfachen Mitteilung an die Gemeinde.<BR /><BR />„Ich verstehe bis heute nicht, warum die Treppe verkleinert wurde“, sagt Dosdo. Gerade dieser Umbau habe laut Zeugenaussagen die Flucht vieler Menschen verhindert. Auch Innenwände seien entfernt und der brennbare Schaumstoff angebracht worden. Fotos aus jener Zeit zeigen einen deutlich offeneren, kleineren Raum mit mehreren Feuerlöschern. „Es gab keine Schaumstoffe, keine Beschwerden über Lärm, und wir schlossen spätestens um ein Uhr“, so der frühere Betreiber.