Der langjährige Basis-Kinderarzt in Mals ist in den Ruhestand getreten. Damit stellt sich nicht nur die Frage nach der Aufrechterhaltung des pädiatrischen Dienstes, sondern auch danach, was er in den vielen Jahren mit seinen kleinen Patienten und Patientinnen erlebt hat.<BR /><BR />Wer sich für medizinische Leistungen an Dr. Martin Stampfer in Mals wenden will, kann an der Eingangstür lesen, dass er in Pension gegangen ist. Somit müssen seine vielen Patienten und Patientinnen – samt Eltern natürlich – sich aktuell Alternativen suchen wie das Krankenhaus Schlanders, sollten sie pädiatrische Hilfe benötigen.<h3> Viele Jahre Ausbildung</h3>Stampfer ist Kinderarzt und seit Jahrzehnten in Mals aktiv. Er war jedoch auch an anderen Orten beschäftigt, wie er im Gespräch mit den „Dolomiten“ erklärt. Sein Werdegang als Arzt begann mit dem Medizinstudium in Innsbruck, wo er 1984 promovierte. Es folgten Pflichtpraktika in Meran und Bozen, eine Turnusstelle in Feldkirch, Staats- und Zweisprachigkeitsprüfung. Über 3 Monate war er Volontär in Meran, dann folgte die Gemeindearztausbildung und eine Assistenzarztstelle in Meran. <BR /><BR />Letztere Tätigkeit erfolgte in der Kinderabteilung und von diesem Moment an war Stampfer in der Pädiatrie tätig. Das war 1989, erinnert sich der nunmehrige Ruheständler. <h3> Etappen im In- und Ausland</h3>„1995 wurde ich gefragt, ob ich nach Schlanders möchte“, erklärt er und ergänzt, dass die eigentliche Facharztausbildung wiederum in Innsbruck 1996/1997 erfolgte bzw. 1998 ihren Abschluss fand. In Schlanders habe er dann weitergearbeitet, dann jedoch seien Basis-Kinderarztstellen ausgeschrieben worden – auch in Mals. Und da habe er sich dann beworben, wobei er die Praxis zuerst im Sprengel gehabt habe, dann die Praxis seines Vaters, der ebenfalls Mediziner war, renoviert habe. Und genau in dieser Praxis war Dr. Martin Stampfer nun 18 Jahre als Kinderarzt tätig.<BR /><BR />Wie ist es ihm ergangen in all den Jahren? Er habe immer viel zu tun gehabt, sagt der Medizinier und verweist darauf, dass er die meiste Zeit laufend über 1000 Patienten und Patientinnen gehabt habe. Wenn sich ein Patient abgemeldet hatte, meldete sich sofort ein neuer.. und das ging die ganze Zeit über so weiter. Die Nachfrage war also groß.<BR /><BR />Nachdem Stampfer nun als Arzt offiziell ausfällt, stellt sich die Frage nach der Zukunft der pädiatrischen Betreuung im Obervinschgau. An und für sich wären 2 Stellen vorgesehen für das Gebiet vom Reschen bis Prad-Stilfs, sagt er. <h3> „2 wären ideal“</h3>Die zweite Stelle ist jedoch nicht besetzt und so „war die Arbeit schon eher streng“, sagt der 69-Jährige. Ideal wäre eine Gemeinschaftspraxis von 2 Kinderärzten bzw. -ärztinnen, sagt Stampfer. Ob sich das ausgeht, wird die Zukunft zeigen – eine junge Kollegin jedenfalls hat bei ihm schon vorbeigeschaut und kann sich vorstellen, 2025 seine Stelle einzunehmen. <h3> „A sauberer Bua“</h3>Das wäre natürlich schön und wichtig, sagt Martin Stampfer und ergänzt, dass die Arbeit eines Kinderarztes auch viele schöne Momente hat. So erinnert er sich spontan an einen kleinen Buben, der sich in der Praxis für eine Untersuchung auszog. Er habe dann zum kleinen Patienten gesagt, dass er ein wirklich „sauberer Bua“ sei, was dieser dann innerhalb seiner Familien über viele Jahre noch gehört habe, wie Stampfer schmunzelnd erzählt. <BR /><BR />Was Arbeit betrifft, hat sich der Kinderarzt nie gedrückt. So habe er in all den insgesamt 21 Jahren in Mals eigentlich nie eine ganze Woche durchgehend frei gehabt, sagt er. Dies, weil er auch an Montagen vor- und nachmittags gearbeitet habe – an Montagen hätten Kinderärzte erfahrungsgemäß nach den Wochenenden viel zu tun.<h3> Hunza und Obstbäume</h3>Was kommt jetzt im Leben des Dr. Martin Stampfer? Er sagt, er könne sich vorstellen, freiberuflich weiterhin tätig zu sein, dies hänge aber von bürokratischen und finanztechnischen Überlegungen ab, wobei er sich z. B. auf die Installation eines POS-Gerätes bezieht. Überhaupt sei er „ein Arzt vom alten Schlag“, lacht der Mediziner in diesem Zusammenhang. Er sei kein großer Freund der Digitalisierung und habe sich das Arbeitsleben damit vielleicht auch schwerer gemacht als nötig – weil er diverse digitale Möglichkeiten für Basisärzte nicht genutzt habe. <BR /><BR />Darüber hinaus werde er zuerst einmal in der Praxis aufräumen, sagt Stampfer. Vielleicht reise er auch nach Pakistan, die Kultur der Hunzas habe er immer schon erkunden wollen. „Von denen soll ja anscheinend auch das Birchermüsli herkommen“. Außerdem könnte man die Obstbäume ein wenig mehr pflegen und vielleicht auch mit dem Weißen Kreuz im Ausland helfen. Er habe gelesen, dass das Weiße Kreuz in die Ukraine fahre, ergänzt er. Und er werde sich weiterhin über politische Entwicklungen auf dem Laufenden halten.