Unterm Strich hat sie im Laufe von drei Jahren rund 40 autochthone Saatgut-Arten aus extensiven Wiesen gesammelt und davon 21 Arten auf den beiden Versuchsflächen in Pfatten und Eyrs im Anbau getestet.<BR /><BR />Einer wahren Sisyphusarbeit geht seit knapp drei Jahren Elena Wilhelm als Verantwortliche des Projekts „Regionales Saatgut“ nach. Sehr wohl einer schönen und befriedigenden Sisyphusarbeit, wie sie selbst am Mittwochabend im Zuge ihres Vortrages im Naturmuseum von Bozen konstatierte, nahm sie doch gewissermaßen Anschauungsunterricht von Mutter Natur höchstselbst. „Das Ziel bestand darin, Saatgut von autochthonen Wildpflanzen zu sammeln, zu reinigen und weiterzuvermehren“, skizzierte die Forscherin ihre Tätigkeit. <BR /><BR />Dabei spannte sie den Bogen von den Ernte- und Reinigungsmethoden über die Artenvielfalt bis hin zu möglichen Verwendungszwecken sowie rechtlichen Rahmenbedingungen. Nach Ausschluss einiger Kriterien (keine Neophyten, kein übermäßig teures Saatgut) widmete sie sich im Laufe des Projekts 21 verschiedenen Arten auf den beiden Versuchsflächen in Pfatten und Eyrs. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1299465_image" /></div> <BR /><BR />Das gesammelte Saatgut-Panoptikum umfasst etwa die Wiesen-Flockenblume, den Wiesensalbei, den Spitzwegerich, die Hohe Schlüsselblume, die Rote Lichtnelke, im Volksmund als Blutschwitzer bekannt, oder die Weiße Lichtnelke, von vielen als „Schnellerle“ bezeichnet. Das Saatgut für die Reinigung und Vermehrung hatte sie zuvor unter Einbindung von Bauern und Grundbesitzern an 19 Standorten – ausnahmslos extensiven Wiesen – in ganz Südtirol gesammelt. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1299468_image" /></div> <BR /><BR />Das Ziel des Projekts liegt eigentlich auf der Hand: heimischen Wildpflanzen auf bestimmten Flächen, so etwa im Randbereich von Obst- und Weinbau, im Sinne der Biodiversität eine Lebensgrundlage zu verschaffen. Klingt zwar gut, ist aber mit gar einigen Hürden und Fragezeichen versehen. Zum einen gilt es, Gesetze zum Saatgut auf europäischer und nationaler Ebene zu berücksichtigen, zum anderen läuft das Saatgutprojekt am Versuchszentrum Laimburg mit Jahresende aus. „Das Projekt und das Thema allgemein stoßen auf reges Interesse. Doch nun liegt der Ball bei der Politik, sie muss entscheiden, wie es weitergehen soll“, ließen im Zuge der Veranstaltung sowohl Elena Wilhelm als auch Biologe Andreas Hilpold wissen. Somit bleibt zu hoffen, dass im Sinne der Natur entschieden wird.<BR /><BR /><b>Die Forscherin im Kurzinterview:</b><BR /><BR /><b>Frau Wilhelm, das dreijährige Saatgutprojekt neigt sich nun dem Ende zu. Welches Fazit ziehen Sie?</b><BR />Elena Wilhelm: Jede der etwa insgesamt 40 Arten an Wildpflanzen, die ich aus extensiven Wiesen gesammelt habe, ist mit den jeweiligen Eigenheiten ganz individuell zu betrachten. Allemal hat dieses Projekt viele interessante Erkenntnisse zum autochthonen Saatgut geliefert. <BR /><BR /><b>Es handelt sich hier also ausnahmslos um Wildpflanzen aus Südtirol?</b><BR />Wilhelm: Genau, das war das Kriterium. Wichtig war zudem, dass sie mehrjährig und somit beständig sind.<BR /><BR /><b>Wie erklären Sie sich das wachsende Interesse für das regionale Saatgut?</b><BR />Wilhelm: Das Bewusstsein für den Wert der Biodiversität ist merkbar gestiegen, das habe ich allein bei den Kontakten mit den bäuerlichen Betrieben feststellen können. Wir bekommen auch viele Anfragen für Saatgut, dürfen aber nichts ausgeben. Jetzt muss man mal abwarten