Montag, 26. Juli 2021

BioNTech plant Malaria-Impfstoff und Produktionsanlagen in Afrika

Nach dem Erfolg seines Covid-19-Vakzins strebt BioNTech die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Malaria an. Er soll ebenfalls auf der mRNA-Technologie basieren, der Start der klinischen Studie ist für Ende 2022 geplant, wie das deutsche Biotechunternehmen am Montag mitteilte.

Eine Klinische Studie soll in 1,5 Jahren starten.
Eine Klinische Studie soll in 1,5 Jahren starten. - Foto: © APA/AFP (Archiv) / THOMAS LOHNES
BioNTech plant zudem den Aufbau einer mRNA-Impfstoffproduktion auf dem afrikanischen Kontinent und bekommt dabei Unterstützung von der Europäischen Kommission, der Weltgesundheitsorganisation WHO und anderen Organisationen. „Die Pandemie hat gezeigt, dass Wissenschaft und Innovation das Leben von Menschen verändern können, wenn alle Involvierten auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten“, sagte Biontech-Chef Ugur Sahin.

In der Corona-Pandemie gelang Biontech mit seinem US-Partner Pfizer Ende vergangenen Jahres die weltweit erste Zulassung eines Impfstoffs gegen Covid-19. Es war auch das erste medizinische Produkt, das auf dem Ansatz der Boten-RNA (mRNA) beruht, das je zugelassen wurde. mRNA-Impfstoffe vermitteln den menschlichen Zellen die Information zur Bekämpfung von Krankheitserregern. Anders als bei konventionellen Impfstoffen entfällt die oft langwierige Herstellung abgeschwächter oder abgetöteter Erreger in Zellkulturen oder im Hühnerei. Ein mRNA-Impfstoff ist daher schneller herzustellen als herkömmliche Vakzine und lässt sich bei Bedarf relativ rasch anpassen, da nur der Bauplan produziert werden muss, nicht das Antigen selbst.

Produktionspartner in Afrika

BioNtech hatte erst kürzlich mit der südafrikanischen Biovac einen ersten Produktionspartner in Afrika gewonnen. Biovac wird allerdings nur den letzten Herstellungsschritt für den Corona-Impfstoff, also das Abfüllen und Verpacken, übernehmen, die Wirkstoffsubstanz wird aus Europa kommen. Nun prüft BioNtech, wie das Unternehmen in Afrika zusammen mit Partnern oder alleine mRNA-Produktionsanlagen für Impfstoffe aufbauen könnte. Diese sollen dann in unmittelbarer Nähe zu Technologietransferzentren, deren Bau von der WHO verantwortet werden, errichtet werden.

2019: Ungefähr 400.000 Malaria-Tote

Malaria gehört zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten. Jährlich erkranken schätzungsweise über 200 Millionen Menschen, mehr als 400.000 sind nach Schätzungen der WHO daran 2019 gestorben. Die meisten Opfer sind Kinder unter 5 Jahren, die in den ärmsten Ländern Afrikas leben. Bis dato gibt es keinen wirksamen Impfstoff gegen die Tropenkrankheit. Das bisher am weitesten fortgeschrittene Vakzin Mosquirix wurde vom britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline in jahrzehntelanger Forschung entwickelt, es hat aber nur eine Wirksamkeit von rund 30 Prozent – mindestens 75 Prozent erwartet die WHO.

Diesem Ziel waren zuletzt Wissenschaftler der Universität Oxford mit ihrem Malaria-Impfstoffprojekt nähergekommen. Ihr Vakzin zeigte in einer Studie mit 450 Kindern in Burkina Faso eine Wirksamkeit von 77 Prozent. Eine größer angelegte Studie mit rund 4800 Kindern soll nun folgen.

BioNtech will für sein Malaria-Impfstoffprojekt mehrere Kandidaten untersuchen, von denen der vielversprechendste Ende nächstes Jahres in eine klinische Studie gebracht werden soll. Das Unternehmen will 2022 zudem eine klinische Studie mit einem Tuberkulose-Impfstoff starten, entwickelt mit Partnern Vakzine gegen neun verschiedene Infektionskrankheiten und arbeitet an 15 Onkologie-Programmen im klinischen Stadium.

apa/dpa