Carina* (33) und ihr Mann sind seit 5 Jahren verheiratet, das junge Paar hat mittlerweile 2 Kinder. Anfangs schien alles rosig. Die beiden haben eine nette kleine Wohnung, er eine Arbeit, mit der das Paar sein Auskommen hat. <BR /><BR />Zuhause ist es harmonisch, er liebt seine Kinder, das Paar unternimmt viel zusammen. „Er war ruhig und gut. Wir hatten eine schöne kleine Familie“, erinnert sie sich. Carina kocht gerne, geht in ihrer Aufgabe als Mutter und Hausfrau auf. Sogar einen kleinen Job hat sie, um das Familieneinkommen noch etwas aufzubessern. Keine Wolke am Himmel. <h3>Er will es nicht hören, er schlägt zu </h3>Doch dann lernt er eine andere Frau kennen, verliebt sich Hals über Kopf – und aus dem Himmel wird die Hölle für Carina. Er macht sich gar nicht die Mühe, seine Affäre zu verstecken. Die beiden gehen aus, er bleibt nächtelang weg, auch die Wochenenden verbringt er zunehmend bei der Geliebten. Nach Hause kommt er zum Duschen, Kleider wechseln, manchmal zum Essen. Und Carina soll als braves Heimchen am Herd klaglos zusehen, wie er sein „außerfamiliäres“ Leben genießt. <BR /><BR />Doch dafür ist Carina nicht der Typ, so hatte sie sich ihr Leben nicht vorgestellt. Sie will nicht die Haushälterin ihres Mannes sein, sie will ihn nicht teilen. Und sie sagt das. Er will es nicht hören. Er schlägt zu. Das ist der Anfang vom Ende. <h3>Jedes Wort kann zum Anlass werden </h3>Über Monate geht das böse Spiel so weiter. Wagt Carina, den Mund aufzumachen, ihn an seine Pflichten als Vater, ihn an seine Ehe zu erinnern, bekommt sie Prügel. Doch bald braucht es nicht einmal mehr das, jedes Wort, jede Situation kann zum Anlass werden – und er prügelt erbarmungslos auf sie ein. Mehr als einmal hat Carina ein blaues Auge, Blutergüsse am ganzen Körper, geschwollene und aufgeplatzte Lippen, Würgemale. Selbst, dass die Kinder im Nebenzimmer alles hören, hält ihn nicht ab. Es gibt Tage, da sperrt er die Haustür zu, bevor er geht – und Carina und die Kinder ein. Vielleicht, damit keiner ihr blau geschlagenes Gesicht sieht...<BR /><BR />Nie hätte sie gedacht, dass ihr einst liebevoller Partner so ein Monster werden kann. Carinas Tage füllt die Angst, wann kommt er? Welchen Anlass zur Gewalt findet er? Was merken die Kinder? Sie wird zunehmend nervös, schläft schlecht, in ihrem Kopf ist niemals Ruhe, die Gedanken drehen sich im Kreis. Seine Gewalt nimmt zu, und er schlägt Carina krankenhausreif. <BR /><BR />So kann das nicht weitergehen, sie muss aus der Situation raus, das wird Carina bald klar. Doch von einer Trennung will er nichts wissen. Das kommt für ihn nicht in Frage! Die Kinder verlieren? Ein geschiedener Mann sein? Undenkbar! <h3>Wohin soll sie gehen mit 2 kleinen Kindern?</h3>Carina würde ihn ziehen lassen, jederzeit. Niemals, das weiß sie, wird ihre Ehe jemals wieder sein wie früher. Sie hat das Monster in ihm kennen und fürchten gelernt. <BR /><BR />Doch wohin soll sie mit ihren 2 kleinen Kindern? Sie sucht nach einem Ausweg – und sie bereitet sich vor. Sie fotografiert ihre Verletzungen. Doch noch traut sie sich nicht, ihn anzuzeigen. Wie würde er reagieren? Bekäme sie Hilfe? Carina steht vor einer schweren Entscheidung, die ihr Leben verändern wird – und soll. Und dann schafft sie es. Sie hat Kontakt mit einem der Frauenhäuser in Südtirol aufgenommen. Ohne Umschweife bieten sie Hilfe, eine Unterkunft. Sie kann kommen, kann ihre Kinder mitnehmen. Und Carina packt das Nötigste zusammen. <BR /><BR />Diese Entscheidung hat die junge Frau nie bereut. Noch darf sie in einer der Südtiroler Strukturen für Frauen in Gewaltsituationen wohnen. Sie bekommt Hilfestellung, wo es braucht. Den Antrag auf Scheidung hat sie mittlerweile eingereicht, die Anzeige wegen Misshandlung gemacht, die Fotos ihrer Verletzungen liegen in der Akte. <BR /><BR />Doch noch ist er auf freiem Fuß, Carina versteht die Welt nicht. Wie kann das sein? „Was ist los mit unseren Gesetzen?“, fragt sie. Doch irgendwann, so hofft Carina, wird er für die Gewalt, die er ihr angetan hat, bestraft werden. <h3>„Ich werde meine Zukunft meistern, ohne ihn“</h3>Aber eigentlich ist das nicht das Wichtigste: Carina hat nicht nur einen Zufluchtsort gefunden, Carina findet gerade sich und ihr Leben wieder. Und das fühlt sich gut an. „Seitdem ich in dieser Struktur bin, lebe ich auf. Ich bin wieder ruhig und zuversichtlich. Ich schlafe ohne Angst, und ich weiß, ich werde meine Zukunft meistern. Mit meinen Kindern, ohne meinen Mann.“<BR /><BR />Auch wenn der das nicht einsieht, er will seine Frau zurück, sie soll wieder in die gemeinsame Wohnung kommen, die Kinder mitbringen. Es gebe ja keinen Grund für eine Scheidung, findet er. Carina kann darüber mittlerweile zumindest lächeln, soll er glauben, was er will. Sie weiß, dass sie nie wieder in diese Hölle zurückkehren wird.