Donnerstag, 18. April 2019

Bischof entschuldigt sich für Missbrauchstäter in der Kirche

Gemeinsam mit etwa 200 Seelsorgern, darunter auch Erzbischof Giampietro Dal Toso, hat Bischof Ivo Muser am Donnerstag im Brixner Dom die Chrisammesse gefeiert. In seiner Predigt ist der Bischof auf die Berichte über Missbrauch in der Kirche eingegangen und hat unterstrichen, dass er sich stellvertretend für alle Priester, die sich an Kindern und Jugendlichen vergangen haben, entschuldige und um Verzeihung bitte.

Gemeinsam mit etwa 200 Seelsorgern hat Bischof Ivo Muser am Donnerstag im Brixner Dom die Chrisammesse gefeiert. - Foto: Diözese Bozen-Brixen
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Gemeinsam mit etwa 200 Seelsorgern hat Bischof Ivo Muser am Donnerstag im Brixner Dom die Chrisammesse gefeiert. - Foto: Diözese Bozen-Brixen

„Der Schutz und das Wohl der Minderjährigen haben oberste Priorität als ureigener Auftrag der Seelsorge im Dienst an den Menschen“, betonte Bischof Muser in aller Deutlichkeit.

Die Chrisammesse wird vom Bischof gemeinsam mit allen Priestern der Diözese gefeiert. Dadurch wird die Verbundenheit der Priester mit dem Bischof, untereinander und mit dem ganzen Volk Gottes zum Ausdruck gebracht. Gemeinsam erneuern alle Priester und Diakone ihre Weihe.

Segnung des heiligen Öls für ein ganzes Jahr

Bei der Chrisammesse wird das heilige Öl für die Spendung der Sakramente für ein ganzes Jahr geweiht. Das Chrisamöl findet Verwendung bei Taufen, Firmungen, Priesterweihen, sowie bei Weihen von Kirchen, Altären und Glocken. Die Chrisammesse ist die einzige heilige Messe, die am Gründonnerstag neben der Messe vom letzten Abendmahl gefeiert wird.

„Die Berichte über Missbrauch bedrücken mich sehr“

In seiner Predigt ging Bischof Muser auf die Missbrauchsfälle ein, in die Bischöfe, Priester und Ordensleute involviert sind: „Die weltweit erschütternden Berichte über Missbrauch beschäftigen und bedrücken mich sehr. Dabei geht es gar nicht um eine Quantität, sondern um die innere Qualität dessen, was hier geschehen ist: Dass Diener des Heilswerkes Jesu Christi sich so versündigen können. Wenn wir sehen, wie die Ehre Gottes auch von Mitbrüdern und von anderen Männern und Frauen in der Kirche mit Füßen getreten wurde, dann ist das beschämend und tut weh.“

Jede Form von Missbrauch pervertiere deswegen die leidenschaftliche Liebe Gottes für den Menschen und für das Leben, so der Bischof.

Zusammenarbeit mit allen gesellschaftlichen Kräften

„An diesem Gründonnerstag bekräftige ich nochmals, dass ich mich stellvertretend für alle Priester, die sich an Kindern und Jugendlichen vergangen haben, entschuldige und um Verzeihung bitte. Der Schutz und das Wohl der Minderjährigen haben oberste Priorität als ureigener Auftrag der Seelsorge im Dienst an den Menschen. Dies gilt für uns als Priester und Ordensleute und genauso für alle Getauften und Gefirmten. Wichtig und notwendig ist die Zusammenarbeit mit allen gesellschaftlichen Kräften, um auch in den Familien und in allen anderen sozialen Einrichtungen präventiv tätig zu sein“, unterstrich der Bischof.

„Ich wünsche mir, dass wir in unserer Diözese den eingeschlagenen Weg der Kultur der Transparenz und der Verantwortung, der Offenheit und des Vertrauens weitergehen.“, sagte Bischof Muser.

Bischof stellt Fragen an die Priester

An die Priester gerichtet, stellte Bischof Muser schließlich noch die Fragen: „Wie sehr ist uns bewusst, dass auch wir Priester belastete und verwundete Menschen bleiben? Welche Bedeutung hat das Bußsakrament für uns – gerade für uns Priester, Diakone und Ordensleute? Schauen wir auch das an, was wir nicht gerne anschauen in uns? Was tun wir, um unsere eigene Sexualität gut und verantwortet leben zu können? Nehme ich Hilfe an – menschliche, geistliche, psychologische Hilfe? Lasse ich mir etwas sagen – von meinen Vorgesetzten, von anderen Mitbrüdern und von meinen Schwestern und Brüdern im Glauben? Neige ich zu Alleingängen, zu Arroganz, zur Absonderung? Wie gehen wir um mit Macht, gerade auch mit der geistlichen Macht, die mit dem Weihesakrament verbunden ist?“

stol

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