Montag, 31. Dezember 2018

Bischof Muser: "2019 soll Jahr der Solidarität sein"

Beim Dankgottesdienst zu Silvester im Dom von Brixen ging Bischof Ivo Muser auf zwei Herausforderungen ein, die seiner Ansicht nach von besonderer Bedeutung für das Jahr 2019 sein werden: das europäische Wir-Gefühl sowie die Armut in Südtirol. Beiden Herausforderungen gelte es mit dem Leitwert Solidarität zu begegnen, meinte der Oberhirte der Diözese Bozen-Brixen.

Bischof Ivo Muser Foto: Diözese Bozen-Brixen
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Bischof Ivo Muser Foto: Diözese Bozen-Brixen

Bischof Ivo Muser hat heute im Dom von Brixen einen Dankgottesdienst zum Jahresabschluss gefeiert, dabei aber den Blick in die Zukunft, sprich: das Jahr 2019, gerichtet und die größten Herausforderungen benannt, die auf die Südtiroler Gesellschaft im neuen Jahr warten.

„Im neuen Jahr werden die Europawahlen stattfinden", sagte der Bischof. "Die Europäische Union ist nach den dramatischen Erfahrungen der Diktaturen und des Zweiten Weltkriegs gegründet worden, durchaus auch als christlich-humanistische Wertegemeinschaft. Der europäische Geist verliert heute aber an Kraft. Das Wir-Gefühl bröckelt in der Flüchtlingskrise. Das große Wir zerfällt in immer kleinere Wirs. Im Haus Europa sind die Bewohner dabei, sich wieder mehr in ihre eigenen vier Wände zurück zu ziehen."

Ein "Vorsicht vor diesem Wir" könne man immer häufiger hören.

"Eigentlich müsste es aber heißen: ‚Wir, die Völker Europas‘. An so einem Empfinden war Europa schon einmal näher dran", meinte er. "Die vielen neuen Wirs liebäugeln mit Grenzen. Die Flüchtlinge, heißt es, gehören nicht zu ‚uns‘. Es macht mich als Christ betroffen, dass der Geist der Abschottung nicht selten sogar unter christlichen Vorzeichen antritt, beispielsweise um das christliche Abendland zu retten. Die christliche Identität kennt, pflegt, verteidigt und lebt die eigenen Wurzeln – im offenen und konstruktiven Dialog mit der Identität der anderen."

Bischof Muser sieht vor diesem Hintergrund die europäische Gemeinschaft an einer Wegkreuzung: „Wird nationaler Egoismus die Oberhand behalten oder können wir – über Grenzen und Unterschiede hinweg – ein solidarisches Zusammenleben finden, gegründet auf verbindenden und verbindlichen Werten? Und eine entscheidende Frage, die mich stark beschäftigt: Wie verhalten wir Christen uns in all diesen Fragen?“

 Solidarität als Leitwert aufrechterhalten

 Neben dem Thema Europa sieht Bischof Muser 2019 eine zweite große Herausforderung: die Armut.

„Wir leben in Südtirol in einem reichen Land, in einer der wohlhabendsten Regionen Europas", betonte Muser. "Und trotz allem gibt es Arme und Menschen, die von Armut bedroht sind. Armut hat viele Gesichter und viele Ursachen. Wir müssen Armut auch in unserer Gesellschaft als eine Tatsache anerkennen und uns für Armen einsetzen."

Manchmal scheine es, dass bewusst der Gegensatz zwischen den Werten "Freiheit" und "Solidarität" konstruiert werde.

"Nutzer von Sozialleistungen werden deshalb häufig als Parasiten betrachtet, Unterschiede beispielsweise zwischen Ausländern und der lokalen Bevölkerung werden bewusst hervorgehoben", sagte Bischof Ivo Muser in seiner Predigt. "Wie reagieren Christen darauf? Sind sie bereit, die Solidarität als Leitwert aufrecht zu erhalten, oder werden sie von Ängsten und Vorurteilen mitgerissen? Solidarität beruht vor allem darauf, verstanden zu haben, dass jeder von uns den anderen braucht."

Schließlich äußerte der Bischof einen Wunsch für 2019: "Treten wir als Menschen der Hoffnung in das Jahr 2019 ein. Möge es mit seiner Hilfe ein Jahr der Solidarität sein, des Respekts und der Wertschätzung im Denken, Reden und Handeln, ein Jahr der Menschlichkeit und der Verantwortung füreinander. Ein Jahr des Heils. Wieder ein Jahr nach Christi Geburt.“?

stol

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