Freitag, 19. Oktober 2018

Bischof Muser trifft Künstler: Miteinander reden, voneinander lernen

Mit Kunstschaffenden hat sich Bischof Ivo Muser gestern zum Fest des hl. Lukas, des Patrons der Künstler, in Klausen getroffen und dabei Parallelen zwischen Kunst und Glauben gezogen: „Beide zielen darauf ab“, so Muser, „hinter allem Sichtbaren eine andere, tiefere Wirklichkeit aufzuzeigen“. Kunst und Kirche forderte der Bischof auf, miteinander zu reden und voneinander zu lernen.

Die Wort-Gottes-Feier in der Kapuzinerkirche in Klausen. - Foto: Diözese Bozen-Brixen
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Die Wort-Gottes-Feier in der Kapuzinerkirche in Klausen. - Foto: Diözese Bozen-Brixen

Um das Verhältnis zwischen Kunst und Kirche ging es am Donnerstagabend bei der Tagung „KunstKirche“ in der Kapuzinerkirche in Klausen, zu der Bischof Muser Kunstschaffende geladen hatte. Als Leitspruch hatte Muser ein Goethe-Zitat gewählt: „Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen.“ Darin, so der Bischof, liege der gemeinsame Nenner von Kunst, Glauben und Religion, gehe es doch stets um das Aufzeigen einer tieferen Wirklichkeit. „Einer Wirklichkeit, die nicht beschreibbar und nicht fassbar ist“, so Muser.

Kirche als ehemaliger Haupt-Auftragsgeber für Kunst 

Der Bischof erinnerte zudem daran, dass die Kirche lange einer der größten Auftraggeber von Künstlern gewesen sei, allerdings habe sie auch meist die Inhalte vorgegeben, weshalb die Kunst nicht frei gewesen sei. „Aber die Rolle der Kunst hat sich im 20. Jahrhundert rasant gewandelt“, erklärte Muser. Sie sei autonom geworden und brauche die Kirche nicht mehr. „Kunst hat eigene Ansprüche, eigene Wahrheiten, die sich nicht mit denen der Kirche decken“, so der Bischof. Kunst wolle aufdecken, anecken, provozieren oder aufklären, sie wolle der Zeit voraus sein, eigene Maßstäbe vorgeben. „Die Kirche hingegen wird heute oft als schwerfällig, mühsam und konservativ gesehen“, sagte Muser.

Träfen Kunst und Kirche aufeinander, komme es oft zu Meinungsverschiedenheiten,zu Unstimmigkeiten und Streitfragen. Beispiele dafür gebe es auch in Südtirol, so der Bischof, der die Polemiken rund um den Kippenberger-Frosch am Kreuz und die diesjährige Ausstellung in Karthaus nannte.

Nirgends errege die Kunst so viel Widerstand – und zugleich mehr Aufmerksamkeit – als im kirchlichen oder religiösen Kontext, sagte Muser: „Aber ich bin überzeugt, dass gerade dort, wo Spannungen und Reibungen entstehen, auch das beste Umfeld für einen fruchtbaren Boden entstehen kann. Aber immer nur, wenn das Gespräch nicht verweigert, sondern von beiden Seiten gesucht, gewollt und geführt wird.“

Die Kirche brauche die Kunst 

Die Kirche brauche die Kunst in ihren breiten Facetten, so das Fazit des Bischofs, weil sie sich den Themen der Zeit stellen und sich öffnen müsse für Neues und Innovatives. Umgekehrt brauche die Kunst auch die Kirche, „denn Kunst ohne Wertehaltung, Kunst ohne Einfühlungsvermögen, Kunst ohne Rücksicht auf die Gefühle der Menschen funktioniert auf Dauer nicht“, so der Bischof. Sie müsse den Menschen leben helfen, gleich wie dies die Religion tue. „Wir Menschen brauchen mehr als nur das Vordergründige, das Funktionale, das Materielle, das, was wir haben und konsumieren können“, sagte Muser, „wir brauchen mehr, weil wir mehr sind“.

Bischof will Austausch zwischen Kunst und Kirche fördern 

Am Ende der gestrigen Veranstaltung formulierte der Bischof den Wunsch an Künstler und Kirche, miteinander zu reden und voneinander zu lernen. „Aus diesem Grund war mir dieses Treffen ein persönliches Anliegen“, so Muser, der den Austausch zwischen Kunst und Kirche zu einer regelmäßigen Veranstaltung machen will: Stets am 18. Oktober, dem Fest des hl. Evangelisten Lukas, dem Patron aller Kunstschaffenden.

stol

 

stol