Sonntag, 05. Mai 2019

Bischof warnt vor Zerbröckeln des europäischen Wir-Gefühls

Am heutigen Sonntag hat die Diözese in Brixen das Fest zu Ehren ihrer Patrone Kassian und Vigilius mit einem Pontifikalamt mit Bischof Ivo Muser und dem emeritierten Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser sowie der traditionellen Kassiansprozession begangen. Bischof Muser warnte im Hinblick auf die Europawahlen vor den Angstmachern, die das europäische Wir-Gefühl bröckeln lassen.

Das Pontifikalamt im Brixner Dom anlässlich des Kassiansonntags. - Foto: Diözese Bozen/Brixen
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Das Pontifikalamt im Brixner Dom anlässlich des Kassiansonntags. - Foto: Diözese Bozen/Brixen

Bischof Muser appellierte an die Gläubigen: „Christen sind keine egoistischen Opportunisten, sondern Menschen, die sich am Evangelium ihres Herrn ausrichten und die so Verantwortung übernehmen für einen gemeinsamen Weg der Hoffnung.“

Das Diözesanfest zu Ehren der Diözesanpatrone Kassian und Vigilius hat auch heuer mit der Ankunft der Bittgänge aus den Pfarreien der Umgebung am Brixner Dom begonnen. Die Gläubigen sind dann zum Festgottesdienst in die Kathedrale eingezogen. Die Kassiansprozession führte dann im Anschluss an den Festgottesdienst mit den heiligen Reliquien durch die Straßen der Stadt, begleitet von Musikkapellen, Schützen, Vereinen und Verbänden und nicht zuletzt von einem langen Zug von Gläubigen aus Stadt und Land. 

Die Prozession wurde traditionsgemäß von der Prozessionsfahne der Pfarrgemeinde Vahrn eröffnet, weil die Vahrner zur Franzosenzeit die Reliquien der Diözesanheiligen vor Raub und Verunehrung gerettet haben.

„Das große Wir zerfällt in immer kleinere Wirs“

Seine Predigt nützte Bischof Ivo Muser, um die versammelte Festgemeinde daran zu erinnern, wie wichtig es ist, „dass wir als Christen erkannt werden im Raum der Gesellschaft und der Öffentlichkeit“. Diesen Hinweis gebe er ganz bewusst im Hinblick auf die Europawahlen, so Bischof Muser. „Die Europäische Union ist nach den dramatischen Erfahrungen der Diktaturen und des Zweiten Weltkriegs gegründet worden, durchaus auch als christlich–humanistische Wertegemeinschaft. Nicht zuletzt überzeugte Katholiken standen am Beginn dieses Einsatzes. Der europäische Geist verliert heute aber an Kraft. Das Wir-Gefühl bröckelt wieder. Das große Wir zerfällt in immer kleinere Wirs. Im Haus Europa sind die Bewohner dabei, sich wieder mehr in ihre eigenen vier Wände zurück zu ziehen. Nationalistische, fremdenfeindliche, populistische und ausgrenzende Töne sind wieder salonfähig geworden“, sagte der Bischof.

„Christen übernehmen Verantwortung für einen gemeinsamen Weg der Hoffnung“

Die europäische Gemeinschaft stehe laut Bischof Muser an einer Wegkreuzung: „Wird nationaler Egoismus die Oberhand behalten oder können wir – über Grenzen und Unterschiede hinweg – ein solidarisches Zusammenleben finden, gegründet auf verbindenden und verbindlichen Werten?“ Ohne Hoffnung und ohne Transzendenz, sagte der Bischof abschließend, verliere Europa seine Seele: „Christen sind keine innerweltlichen Optimisten und keine egoistischen Opportunisten, sondern Menschen, die sich am Evangelium ihres Herrn ausrichten und die so Verantwortung übernehmen für einen gemeinsamen Weg der Hoffnung.“

Zum Fest sangen heuer der Domchor Brixen, der Domchor Bozen, der Stiftschor Muri-Gries, der Franziskanerchor Bozen, die Choralschola Griesensis sowie die Frauen und Männer des MGV Bozen.

stol

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