<BR />Seit Jahren kehrt er zuverlässig zurück: der Black Friday. Was in den 1960er-Jahren in den USA als Auftakt zum Weihnachtsshopping begann, schwappte rund um 2010 auch nach Europa über. Rasch wurde der „Schwarze Freitag“ und später die ganze Cyber-Week zum Fixtermin für den Handel – und die Konsumenten. <BR /><BR />Heute prasselt eine Flut an Angeboten aus allen Lebensbereichen auf uns ein. Denn durch Rabatte, Countdown-Timer und grelle Werbebotschaften, setzt sie genau dort an, wo Menschen am leichtesten zu packen sind – im Unterbewusstsein. Der Bozner Wirtschaftspsychologe, Unternehmenscoach und Psychotherapeut <b>Dr. Elmar Teutsch</b> erklärt, warum derartige Rabattaktionen so erfolgreich sind und was unsere Vorfahren damit zu tun haben. <h3> Dringlichkeit als Verkaufswaffe</h3>Aktionen wie der Black Friday erzeugen bei den Konsumenten Druck, schnell und unvermittelt zu kaufen: „Etwas ist billig, man kann sich Geld sparen – da zücken viele automatisch die Brieftasche. Interessant ist etwa auch die Wortwahl im Internet: Niemand schreibt „Kaufen Sie jetzt“, sondern „Sichern Sie sich dieses Angebot“. Es geht also um das Gefühl, etwas nicht verpassen zu dürfen“, so Teutsch.<BR /><BR />Dabei sei „billig“ oft nur eine Illusion, da Preise erst im Vergleich existieren. Wenn beispielsweise eine Jeans um 100 Euro gekauft wird und im nächsten Geschäft kostet dasselbe Modell 50 Euro, kippt das gute Gefühl in Frust. <BR /><BR /><embed id="dtext86-72457720_quote" /><BR /><BR />„Das klassische Drei-Preis-Modell – teuer, mittel, billig – führt ziemlich zuverlässig zur Wahl der Mitte. Handgeschriebene Preisschilder, übergroße Zahlen oder große Produktmengen verstärken den Schnäppcheneffekt, selbst wenn der Preis gleich bleibt“, so Teutsch weiter. <h3> <b>Der Dopamin-Kick im Gehirn</b></h3>Sobald ein Angebot als Chance wahrgenommen wird, schüttet das Gehirn Dopamin aus – wie beim Glücksspiel. Laut dem Experten sei das bereits auf unsere Vorfahren zurückzuführen: Die modernen Menschen tragen genetisch noch immer dieselben programmierten Abläufe in sich, dabei wolle der erfolgreiche „Jäger“ die beste Beute machen. Dieser Urmensch komme in uns beim Schlussverkauf wieder hervor.<BR /><BR /><embed id="dtext86-72457724_quote" /><BR /><BR />Dabei kennen viele Menschen auch die „Schattenseite“ des Konsums: Müllberge, Fast Fashion, Wegwerfmentalität. Und dennoch gewinnt oft der Rabatt gegen den guten Vorsatz. „Wir rechtfertigen uns jeden Kauf im Nachhinein“, sagt Teutsch. Der uralte Instinkt „Sicherheit durch Vorrat“ wirke bis heute – auch wenn niemand mehr um sein Überleben fürchten muss. <h3> Wo Südtirol anders tickt </h3> Wie stark der Black-Friday-Effekt inzwischen geworden ist, zeigt eine aktuelle österreichische Kurzstudie des IHaM der Johannes-Kepler-Universität Linz. Demnach planen 53 Prozent der 16- bis 74-Jährigen in Österreich, heuer rund um den Black Friday einzukaufen. Der Umsatz klettert auf rund 530 Millionen Euro – ein Plus von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und bereits 32 Prozent nutzen diese Tage, um erste Weihnachtsgeschenke zu besorgen.<BR /><BR />Laut hds-Präsident <b>Philipp Moser</b> lassen sich diese Entwicklungen weitgehend auf Südtirol übertragen. Auch hier sei die Kaufbereitschaft hoch, betont er – mit einem entscheidenden Unterschied: „Die Südtiroler Kunden sind bewusster und vernünftiger.“ Der stationäre Handel spiele dabei eine zentrale Rolle. In jeder Gemeinde gebe es nach wie vor Geschäfte, viele Händler kennen ihre Kundschaft persönlich, es herrsche eine Kultur der gegenseitigen Wertschätzung. Regionale Bindung, Tradition und ein feineres Gespür für den Wert der Dinge seien in Südtirol stärker verankert als in vielen anderen Regionen.