<BR /><BR /><b> Frau Sartori, seit wann gibt es die Kleiderkammer und seit wann helfen Sie mit?</b><BR />Christine Sartori: Die Kleiderkammer der Vinzenzgemeinschaft gibt es bestimmt schon seit über 50 oder 60 Jahren. Ganz genau weiß ich das aber nicht. Ich selbst bin seit nunmehr 15 Jahren in der Kleiderkammer tätig.<BR /><BR /><b>Was bietet die Kleiderkammer an?</b><BR />Sartori: Alles Mögliche. Neben den klassischen Kleidungsstücken wie T-Shirts, Pullover, Hosen, Socken und Unterhosen auch Schuhe, Koffer, Rucksäcke, Reisetaschen, Handtücher, Bettwäsche, Haushaltsartikel und Fahrräder.<BR /><BR /><b>Besteht Ihr gesamtes Inventar aus gespendeten Sachen oder kaufen Sie auch selbst etwas?</b><BR />Sartori: Der Großteil der Sachen, die wir anbieten, wird gespendet – sowohl von Privatpersonen als auch von Geschäften. Wir erhalten von vielen Läden nämlich Bekleidungsstücke, vor allem nach dem Winterschlussverkauf. Unterhosen dagegen kaufen wir meistens selbst.<BR /><BR /><b>Wo liegen die Herausforderungen in diesem Bereich?</b><BR />Sartori: Zum einen ist es eine Herausforderung, geeignete Kleidungsstücke zu erhalten. Damenartikel haben wir teilweise im Überfluss. Was uns vor allem fehlt, sind Hosen und Schuhe für Männer. Das liegt daran, dass Männer ihre Schuhe oder Kleider meistens so lange tragen, bis sie nicht mehr zu gebrauchen sind. Frauen dagegen kaufen in den meisten Fällen immer wieder neue Sachen, die sie teilweise aber nicht einmal benötigen.<BR /><BR /><BR /><b>Wann und wo können Sachspenden abgegeben werden?</b><BR />Sartori: Die Kleiderkammer befindet sich in der Andreas-Hofer-Straße 4, hinter der Buchhandlung Mardi Gras. Kleider und sonstige Gegenstände können montags und mittwochs von 14.30 bis 17.30 Uhr sowie freitags von 9 bis 12 Uhr abgegeben werden.<BR /><BR /><b>Sind die Sachspenden der Menschen brauchbar?</b><BR />Sartori: Die meisten Kleider, die Leute uns bringen, sind in einem einwandfreien Zustand und damit brauchbar. Es kommt aber auch vor, dass wir Kleidungsstücke nicht verwenden können.<BR /><BR /><b>Was passiert damit?</b><BR />Sartori: Da gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wir geben die Kleider weiter, oder wir entsorgen sie auf dem Recyclinghof.<BR /><BR /><b>Welche Menschen kommen zu Ihnen?</b><BR />Sartori: Ich muss sagen, dass wir leider viel zu wenige Einheimische haben, die zu uns kommen. Viele finden den Mut nicht, der Kleiderkammer einen Besuch abzustatten. Unsere Hauptkunden sind meistens junge Männer mit Migrationshintergrund.<BR /><BR /><b>Muss man für einen „Einkauf“ in der Kleiderkammer etwas bezahlen?</b><BR />Sartori: Nein, es kann auch jeder in die Kleiderkammer kommen. Bei der ersten Anmeldung erhält man eine Registrierungsnummer. Anschließend darf man sich Kleidungsstücke aussuchen. Es gilt die Regel, dass man bei einem Besuch nicht zwei gleiche Kleidungsstücke mitnehmen darf, also nicht zwei Hosen. Ansonsten gibt es aber keine Limits. Jemand kann z.B. eine Hose, ein T-Shirt, eine Jacke und ein Paar Schuhe mitnehmen, das wäre möglich.<BR /><BR /><b>Kann man jede Woche Kleider mitnehmen?</b><BR />Sartori: Nein, man darf der Kleiderkammer nur alle sechs Wochen einen Besuch abstatten. Das wird genau kontrolliert.<BR /><BR /><b>Wann können Kleider abgeholt werden?</b><BR />Sartori: Für Frauen ist die Kleiderkammer jeden Montag von 14.30 bis 17.30 Uhr geöffnet. Die Ausgabe der Männer erfolgt mittwochs und freitags von 14.30 bis 17 Uhr.<BR /><BR /><b>Haben Sie in den vergangenen 15 Jahren eine Veränderung festgestellt?</b><BR />Sartori: Ja, definitiv. Heute wird viel mehr gekauft als früher. Vor ein paar Jahren haben wir Kleider erhalten, die schon deutliche Gebrauchsspuren aufwiesen. Man hat gesehen, dass die Menschen die Kleider schon länger getragen haben. Mittlerweile bringen die Leute Sachen, an denen teilweise noch das Etikett hängt. Wir sind natürlich froh um die Kleider, ich finde es aber trotzdem ziemlich traurig.