Montag, 18. April 2016

Blind sein, mobil sein, selbstständig sein

1300 Sehgeschädigte - und zwar 234 Vollblinde, 520 Teilblinde und 550 Sehbehinderte - werden von der Landesgruppe Südtirol des Italienischen Blinden und Sehbehindertenverbandes Onlus betreut; 745 davon sind effektive Mitglieder. Sie und ihre Helfer trafen sich jüngst zur ordentliche Jahreshauptversammlung, in der vor allem Rückblick auf die Tätigkeiten 2015 gehalten wurde.

Blinde und Sehbehinderte halten Rückblick auf Tätigkeitsjahr 2015.
Badge Local
Blinde und Sehbehinderte halten Rückblick auf Tätigkeitsjahr 2015. - Foto: © D

Die Arbeit des Verbandes ist vor allem darauf ausgerichtet, die Interessen blinder und sehbehinderter Menschen in Südtirol zu vertreten, um deren soziale Integration und ein möglichst selbständiges Leben zu unterstützen. Die Kontaktpflege und der Austausch untereinander werden gefördert. Auf guten persönlichen Kontakt zwischen Funktionären und Mitarbeitern mit den Betreuten wird besonderer Wert gelegt, um die Verbindung der Sehgeschädigten zum Verband zu bestärken.

Wechsel an der Spitze

Das Jahr 2015 war charakterisiert von einer grundlegenden Änderung bei der Leitung, da auf lokaler und auf gesamtstaatlicher Ebene die Verbandsorgane erneuert worden sind. Aufgrund der Bestimmungen im Statut konnte der langjährige Präsident Josef Stockner nicht mehr kandidieren und hat nach fast 5 Jahrzehnten Verbandsvorsitz dem Mitglied Dr. Valter Calò das Ruder übergeben.

Hilfe bei Ansuchen

Die Interessensvertretung Sehgeschädigter geschieht zum einen durch die Unterstützung einzelner Betroffener bei Ansuchen um die Anerkennung der Zivilblindheit oder -invalidität, um
Blindenrenten und -zulagen, um Lieferung von Hilfsmitteln sowie bei der Abwicklung anderer sozialrechtlicher Verfahren.

Informieren und sensibilisieren

Weiters werden die Interessen dadurch vertreten, die Öffentlichkeit sowie die Behörden auf Bedürfnisse und Schwierigkeiten blinder und sehbehinderter Menschen aufmerksam zu machen. Hierfür wurde in den verschiedensten Arbeitsgruppen und Kommissionen mitgearbeitet sowie versucht, in den Medien präsent zu sein. 

Die ordentliche Jahreshauptversammlung der Landesgruppe Südtirol des Italienischen Blinden und Sehbehindertenverbandes Onlus. 

Anlässlich des Welttages des Sehens, des Bienenfestes sowie des Weihnachtsmarktes der Solidarität in Bozen wurden Informationsstände aufgebaut, um über die Wichtigkeit der
Vorbeugung etwaiger Sehschädigungen aufzuklären und über die Tätigkeit des Verbandes zu informieren.

Verbesserungen in der Mobilität

Der Verband bemühte sich weiterhin, für Sehgeschädigte Verbesserungen in der Selbständigkeit und Mobilität zu erreichen. Was die Ansagen bei den Bussen der SASA betrifft, gab es im ersten Halbjahr noch viele Unregelmäßigkeiten und Ausfälle, wegen welcher der Verband intervenieren musste.
Im zweiten Halbjahr funktionierte der Dienst dann bedeutend besser, wenn auch noch einige einzelne Mängel verbleiben. Die SASA entwickelt darüber hinaus eine App, die es den Nutzern erlaubt, an den Haltestellen über ihr Smartphone in Realzeit die Ankünfte der Busse zu erfahren. Eine Gruppe von Mitgliedern hat sich an der Verwirklichung beteiligt, um die Zugänglichkeit der App für Sehgeschädigte zu gewährleisten.

Konzert im Dunkeln: Gemeinsame Aktivitäten

Auch im Jahre 2015 wurden die traditionellen und bei den Sehgeschädigten sehr beliebten, gemeinschaftsbildenden Freizeitinitiativen angeboten, nämlich ein 13tägiger Meeresaufenthalt
im Ferienzentrum für Blinde in Tirrenia, Provinz Pisa, sowie eine Bergwanderwoche im Defereggental in Osttirol.
Ein Tagesausflug nach Innsbruck sowie eine Fahrt zu einer Opernaufführung in der Arena von Verona wurden durchgeführt. Diese Initiativen fördern das Kennenlernen zwischen den Betroffenen, aber auch den Erfahrungs- und Informationsaustausch untereinander.
Die Feier des Gesamtstaatlichen Tages des Blinden und für uns auch vorweihnachtliche Feier ist ebenfalls alljährlich für rund 200 Personen ein wichtiger Moment der Begegnung. Zusammen mit dem Brixner Jugendzentrum Connection wurden Konzerte im Dunkeln angeboten, die ein Kennenlernen und Annähern an die Sehschädigung ermöglichen wollten.

Hilfe von außerhalb: Ehrenamt und Nordtirol

Unbezahlbar ist der Beitrag der vielen Freiwilligen, die sich als sehende Begleitpersonen oder Helfer ins Verbandsleben einbringen. Ihnen sei bei dieser Gelegenheit herzlich gedankt, hieß es.

Die Verbände in Nord- und in Südtirol sind seit vielen Jahren in Freundschaft verbunden und möchten ihre Zusammenarbeit demnächst durch grenzüberschreitende Projekte weiter vertiefen. Bei der Vollversammlung anwesend waren  unter anderem Dr. Vincenzo Zoccano,Mitglied der Nationalleitung des Verbandes, sowie der Vertreter des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Tirol Anton Klotz aus Innsbruck. 

stol

stol