Montag, 05. Juli 2021

Blutproben kommen unter die Lupe

Zur lückenlosen Klärung des Unfallhergangs von Luttach soll kein Aspekt unberücksichtigt bleiben. Die Verteidigung von Unfalllenker Stefan Lechner hat beantragt, Blutproben der Opfer auf Alkoholkonsum untersuchen zu lassen. Dazu wird es ein neues Beweissicherungsverfahren geben, für das U-Richter Emilio Schönsberg in Kürze einen Gutachter ernennen wird.

Nach dem verheerenden Zusammenstoß, der 7 Menschen das Leben gekostet und bei dem 10 weitere teils schwer verletzt wurden, jäh gestoppt: der Audi TT von Stefan Lechner.
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Nach dem verheerenden Zusammenstoß, der 7 Menschen das Leben gekostet und bei dem 10 weitere teils schwer verletzt wurden, jäh gestoppt: der Audi TT von Stefan Lechner.
An diesem Donnerstag haben die Gutachter im laufenden Beweissicherungsverfahren das Wort. Sie haben das Steuergerät des Audi TT ausgewertet, mit dem Lechner am Abend des 5. Jänner 2020 die Gruppe von Urlaubern erfasst hat, als sie in Luttach die Straße überquerten.

Bei dem Unfall hatten 7 Menschen ihr junges Leben verloren, weitere 10 Personen wurden verletzt. Zur Geschwindigkeit des Autos gibt es bereits einige Daten, die die Experten ermittelt haben.

Nach dem Lokalaugenschein an der Unfallstelle mit entsprechenden Messungen und der Untersuchung der Schäden am Unfallwagen waren die Gutachter zu unterschiedlichen Erkenntnissen gekommen.

Nach Auffassung des Amtssachverständigen war Stefan Lechner mit 90 Stundenkilometern unterwegs, für den Gutachter der Verteidigung waren es 80, für jenen der Nebenkläger hingegen 110 Stundenkilometer. Am Donnerstag steht vor Richter Schönsberg die Diskussion der Experten rund um jene Geschwindigkeit an, die vom Steuergerät des Audi TT im Moment des Aufpralls aufgezeichnet wurde – nämlich 60 Stundenkilometer (wir berichteten).

Damit sind die Erhebungen aber noch nicht abgeschlossen: Jetzt haben Lechners Verteidiger Alberto Valenti und Alessandro Tonon eine neue Frage aufgeworfen, die sie abgeklärt haben möchten. Bekanntlich hatte Stefan Lechner einen Alkoholspiegel von 1,97 Promille – doch hatten die Unfallopfer möglicherweise auch Alkohol getrunken, und falls ja, wieviel? Das festzustellen, wird die Aufgabe des Gutachters in dem neuen Beweissicherungsverfahren sein, dem der Richter stattgegeben hat. Es soll dabei helfen, das Verhalten der Fußgänger beim Überqueren der Straße zu beleuchten.
Die Experten sind nämlich auch teilweise uneins in Fragen, deren Antworten eine mögliche Mitverantwortung der Opfer strikt widerlegen oder Hinweise darauf geben könnten: Haben alle Personen die Straße am Zebrastreifen überquert oder waren einige abseits, gingen sie parallel dazu oder quer über die Straße? Waren sie achtsam, gingen sie im Gänsemarsch oder liefen sie im Pulk?
Der Staatsanwalt ist wieder am Zug, wenn die Prüfung aller Aspekte abgeschlossen ist. Dann erhält er die Fallakte zurück und wird über eine Anklageerhebung entscheiden. Für Stefan Lechner ändert sich vorerst nichts: Er arbeitet weiterhin im Kloster Neustift und wird psychologisch betreut.

rc