Freitag, 20. Januar 2017

„Bolzano“-Virus: Aufmerksamkeit ist hoch

Ganz Europa spricht von „Bolzano“ - allerdings nicht von der Landeshauptstadt, sondern vom derzeit am weitesten verbreiteten Grippevirus, der nach jenem Ort benannt ist, in dem er entdeckt wurde: Bozen. STOL hat mit Elisabetta Pagani, der Geschäftsführenden Direktorin des Betrieblichen Labors für Mikrobiologie und Virologie, gesprochen.

Die Geschäftsführende Direktorin des Betrieblichen Labors für Mikrobiologie und Virologie Elisabetta Pagani.
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Die Geschäftsführende Direktorin des Betrieblichen Labors für Mikrobiologie und Virologie Elisabetta Pagani.

Südtirol Online: Was sind die Symptome des Grippevirus „Bolzano“?
Elisabetta Pagani: Was die Symptomatik betrifft, ist das Betriebliche Labor für Mikrobiologie und Virologie nicht der richtige Ansprechpartner, da wir uns nur mit dem virologischen Teil beschäftigen, also mit dem Nachweis und der Identifizierung des Virus selbst. Außerdem ist es ein bisschen früh, um den Schweregrad der derzeitigen Grippewelle abschätzen zu können. Allerdings handelt es sich um eine Grippe wie in früheren Jahren mit vielfach beschriebenen Symptomen. 

Was die virologische Charakterisierung betrifft, sind keine großen Unterschiede im Vergleich zu anderen Grippewellen zu erwarten: Es handelt sich um eine erste Stufe von Änderungen des Virus, welcher aber eventuelle weitere Modifikationen folgen können.

STOL: Woher erkennt man, dass man an genau diesem Virus leidet?
Pagani: Nur die gründliche Analyse des genetischen Materials des Virus kann bestätigen, ob es sich um genau dieses Virus handelt oder nicht. Was die Behandlung der Erkrankung mit diesem Virus betrifft, ist es allerdings überflüssig zu wissen, ob es sich um A(H3N2) A/Bolzano/7/2016 (subgroup 3C.2a1) oder um einen anderen weit verbreiteten Subtyp des Virus handelt.

Die vom WHO Collaborating Center in London durchgeführten Untersuchungen zur Immunantwort auf den Impfstoff und zur Empfindlichkeit gegenüber den Medikamenten haben nämlich gezeigt, dass das Virus, welches den Namen unserer Stadt trägt, sowohl durch den Impfstoff abgedeckt ist, als auch auf die Medikamente anspricht.

STOL: Wie lange hat Ihr Team gearbeitet, bis es das Virus entdeckt hat?
Pagani: Es ist nicht eine Frage der Zeit, sondern vielmehr des Niveaus der verwendeten Methoden und der Erfahrung der Mitarbeiter: Wesentlich ist es, geeignete und zuverlässige Methoden auszuwählen und diese optimal anzuwenden. Dies bedeutet, dass dementsprechend in neueste Technologien und in die Ausbildung der Mitarbeiter investiert werden muss.

Unsere Arbeit ist außerdem nur ein Teil der Aktivitäten, welche zu derartigen Ergebnissen führen: Um die Wirksamkeit von Impfstoffen und die Empfindlichkeit gegenüber Medikamenten zu untersuchen, wie dies von den Kollegen in Rom und London gemacht wird, ist es auch erforderlich, das Virus anzuzüchten, was sehr zeitaufwendig ist, dies erfordert zumindest Wochen.

STOL: Gibt es schon andere Viren, die in Südtirol entdeckt und danach benannt worden sind?
Pagani: Was die Grippeviren betrifft, ist dies bestimmt das erste Mal. Die Aufmerksamkeit, welche diesem Virus gewidmet wird, ist sicher ganz besonders hoch, da sich diese Viren kontinuierlich verändern, was jedes Jahr die Zusammenstellung eines neuen geeigneten Impfstoffes erfordert. Ich kann Ihnen versichern, dass wir auch weiterhin darüber informieren werden.

Interview: Elisabeth Turker

stol