Es ist Anfang Dezember, ein kalter Abend am Bahnhof Brenner. Kurz nach 18 Uhr sorgt die Ankündigung eines Mannes, er habe in einem Abteil eines von München Richtung Süden fahrenden Zuges eine Bombe versteckt, für eine Ausnahmesituation: Rund 350 Passagiere aus 2 Zügen müssen aussteigen und werden vorsorglich in Sicherheit gebracht. Dieses Szenario ist keine Übung – es ereignete sich, wie berichtet, am Mittwochabend dieser Woche am Bahnhof Brenner.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1105287_image" /></div> <BR />Glücklicherweise stellt sich die Bombendrohung des 53-jährigen Mannes als haltlos heraus. Gegen 21.20 Uhr geben die Sicherheitskräfte Entwarnung, der Mann wird festgenommen, der Bahnbetrieb kann wieder aufgenommen werden.<BR /><BR />Doch die Ereignisse werfen eine Frage auf: Wie gut ist der Bahnhof Brenner auf Notfälle vorbereitet? <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1105290_image" /></div> <BR />Bürgermeister Martin Alber findet dazu klare Worte: „Gar nicht. Der Bahnhof Brenner ist ein Schandfleck. Er ist weder barrierefrei noch entspricht er den Anforderungen der Zeit. Obwohl es am Bahnhof Räume gibt, sind die meisten verschlossen, unbeheizt und nicht zugänglich. Die Struktur ist völlig veraltet.“<BR /><BR />Am Mittwoch mussten die Behörden mit Unterstützung der Feuerwehren rund 350 Menschen innerhalb kürzester Zeit aus den Zügen begleiten. Der Bahnhof wurde evakuiert. Neben den Feuerwehren waren auch das Weiße Kreuz und der Zivilschutz im Einsatz. Die Personen wurden im Prennerhaus mit Essen und Getränken versorgt.<BR /><BR /> Zuständig für den seit 1867 bestehenden Bahnhof ist die RFI (Rete Ferroviaria Italiana). Laut Alber hat er die Verantwortlichen in Verona mehrfach auf die Missstände hingewiesen – bisher jedoch „vergeblich“, wie er sagt. Der Bürgermeister verweist auf eine Unterschriftenaktion, deren Ziel es ist, die Busverbindungen zum und vom Brenner zu verbessern. „Es sind vor allem Mitarbeiterinnen des Brenner-Outlets, die unterschrieben haben. Der Bahnhof ist abends kein einladender Ort. Mit dem Bus ist es da oft einfacher.“<BR /><BR />Norbert Troyer, Feuerwehrmann und Abschnittsinspektor der Feuerwehren Sterzing und Thuins, war am Mittwochabend mit rund 40 Kollegen der Feuerwehren Gossensaß und Sterzing vor Ort. „Wir haben die Behörden bei der Evakuierung unterstützt. Viele Passagiere hatten schweres Gepäck, das sie nicht allein über die vielen Treppen tragen konnten. Darunter waren auch Menschen mit Gehbehinderungen. Natürlich haben wir geholfen“, berichtet Troyer. Er kennt den Bahnhof Brenner aus Gefahrengut-Einsätzen und bestätigt: „Der Bahnhof entspricht in keiner Weise den Anforderungen der heutigen Zeit.“ <BR /><BR />Besonders auffällig sei an diesem Abend gewesen, dass nach der Entwarnung kein Ansprechpartner der Bahn vor Ort war. „Niemand wusste, wann der nächste Zug Richtung Bozen fährt oder an wen man sich mit Fragen wenden kann. Es ist immer wieder dasselbe.“<BR /><BR />Joachim Dejaco, Generaldirektor der STA (Südtiroler Transportstrukturen), erklärt auf Nachfrage: „Das Land ist mit der RFI in Kontakt, um die Bahnhöfe weiter zu verbessern. Es gibt noch viel zu tun, auch am Brenner, aber eben nicht nur dort.“<BR /><BR />Mit Blick auf den Bau der Riggertalschleife und die Elektrifizierung der Vinschger Bahn werden ab 2027 Regionalzüge ohne Umstieg direkt von Bozen nach Innsbruck durchfahren. Damit – und nicht erst mit der Inbetriebnahme des BBT – dürfte eines klar sein: Der Bahnhof Brenner wird weiter an Relevanz verlieren.