Blutbad beim Boston-Marathon: Drei Menschen sterben, weit über 100 werden verletzt, als am Montagnachmittag (Ortszeit) im Zielbereich der traditionsreichen Laufveranstaltung in der US-Ostküstenstadt zwei Sprengsätze kurz nacheinander explodieren.Unter den Toten ist auch ein achtjähriger Junge.Das Weiße Haus geht von einem Terroranschlag aus. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat.US-Präsident Barack Obama kündigte an, die Verantwortlichen zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen.Drei Südtiroler bei Marathon dabeiUnter den Läufern in Boston befanden sich auch drei Südtiroler.Hermann Achmüller war mit seinen Laufkollegen schon ins Hotel zurückgekehrt, als er von den Anschlägen hörte.Der Pusterer zeigte sich geschockt, sein gutes Abschneiden (2:27.53) bei der 117. Auflage des Klassikers geriet zur Nebensache.„Wir waren schon im Hotel und hatten geduscht, als wir von den Anschlägen hörten“, berichtete Hermann Achmüller, der mit seiner Lebensgefährtin Tiziana Pignatelli an die US-Ostküste gereist war.„Tiziana ist nach etwa 3:40 Stunden ins Ziel gekommen, mit ihr ein Läufer aus Gröden. Wir haben uns bald danach ins Hotel begeben. Etwa eine Stunde später gab es dann die Explosion. Der Anschlag wurde wenige Meter vor der Ziellinie verübt, vor einem Kaufhaus, das wir am Tag vor dem Rennen noch besucht hatten.“Achmüller hatte nach eigenen Angaben das beste Rennen der letzten Jahre absolviert, „aber das zählt in so einem Moment nichts mehr. Ich bin nur geschockt“, sagte der 42-Jährige gegenüber den „Dolomiten“.„Klar ein Terrorakt“Es handelte sich um die ersten tödlichen Bombenanschläge in den USA seit den Terrorangriffen vom 11. September 2001. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die „sinnlose Gewalt“ des Attentats.In mehreren großen TV-Sendern äußerten Experten die Vermutung, dass die Tat eher auf das Konto einheimischer Extremisten gehen dürfte und es sich wohl nicht um eine internationale Terroraktion gehandelt habe.So sei der Angriff augenscheinlich zwar sorgfältig geplant, aber die Sprengsätze nicht sehr ausgeklügelt gewesen. Ansonsten hätte es weitaus mehr Todesopfer gegeben, so die einhellige Meinung der Fachleute.„Jeder Vorfall mit mehreren Sprengsätzen – wie es in diesem Fall erscheint – ist klar ein Terrorakt und wird als Terrorakt behandelt“, erklärte ein Sprecher des Weißen Hauses.Allerdings sei bisher unklar, wer die Attacke ausgeführt habe. Im Zuge einer gründlichen Untersuchung müsse geklärt werden, ob der Angriff auf das Konto von ausländischen oder einheimischen Terroristen gehe.Mehrere Personen vernommenBostons Polizeichef Ed Davis lehnte detaillierte Angaben zu den laufenden Untersuchungen ab. Er wies aber Berichte zurück, nach denen ein Tatverdächtiger gefasst worden sei.Es würden mehrere Menschen vernommen, bestätigte Davis lediglich. Der Polizeichef und Vertreter der Bundespolizei FBI wollten sich auch nicht zu Berichten äußern, nach denen bis zu fünf weitere nicht explodierte Sprengsätze entdeckt worden seien.Präsident Obama sprach in seiner kurzen Rede von einer „Tragödie“. „Wir finden heraus, wer das war. Wir werden sie zur Rechenschaft ziehen“, sagte er im Weißen Haus in Washington.Explosionen nahe der ZiellinieDie Explosionen ereigneten binnen zwölf Sekunden in der Nähe der Ziellinie. US-Sender zeigten Bilder von Rauchsäulen und fliehenden Menschen.Rettungskräfte brachten Verletzte auf Tragen zu Krankenwagen. Kliniksprecher berichteten von Opfern, denen durch die Explosionen Gliedmaßen abgerissen worden seien. Auch in den Krankenhäusern hätten Amputationen vorgenommen werden müssen.Die Angaben über die Zahl der Verletzten gingen auseinander. Während offiziell nur vage von über 100 die Rede war, berichtet der Sender CNN von mindestens 144 Verletzten, 17 davon in Lebensgefahr.Nach Berichten mehrerer US-Medien wurden auch mindestens acht Kinder verletzt.Kurz nach den Explosionen schalteten die Sicherheitskräfte vorübergehend das Mobilfunknetz in Boston ab, um mögliche Fernzündungen weiterer Sprengsätze zu verhindern. Auch der Luftraum über der 625.000 Einwohner-Stadt wurde zwischenzeitlich aus Sicherheitsgründen gesperrt.„Es war das reine Chaos“Als sich die Explosionen ereigneten, hatten die ersten Läufer bereits Stunden zuvor die Ziellinie überquert. „Ich hörte zwei sehr laute Explosionen“, berichtete ein Augenzeuge. „Ich sah auch sehr, sehr schwere Verletzungen“, fügte er im TV hinzu.Auf Fotos vom Tatort waren blutende Verletzte zu sehen. „Es war das reine Chaos“, sagte Chad Wells dem Sender CNN. Er hatte mit seinem Sohn den Zieleinlauf seiner Frau verfolgt, als die Bomben explodierten.Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen Nach den Bombenattacken wurden die Sicherheitsvorkehrungen an „strategisch wichtigen“ Orten in anderen größeren US-Städten verstärkt.Wie der Sender MSNBC berichtete, wurde in der Hauptstadt Washington der Abschnitt der Pennsylvania Avenue vor dem Weißen Haus für Fußgänger gesperrt.Auch in New York gebe es verstärkte Schutz- und Kontrollmaßnahmen, so für U-Bahn-Stationen. Zudem wurden auch auf den US-Airports die Kontrollen verschärft. Das gelte insbesondere für internationale Flüge, hieß es.Die US-Flaggen über dem Kongressgebäude in Washington wehten nach dem Anschlag auf halbmast. Das ordnete Parlamentspräsident John Boehner an.„Das ist ein schrecklicher Tag für alle Amerikaner“, schrieb er in einer Mitteilung.stol/D/dpa