<b>Von Johannes Vötter</b><BR /><BR />Doppeltes Sehen, Übelkeit, unverständliches Lallen, Schluckbeschwerden, dazu Anzeichen einer Magen-Darm-Erkrankung: Das waren die Symptome, mit denen in Sardinien und nun auch Kalabrien diverse Urlauber in den jeweiligen Notaufnahmen eingeliefert wurden und intensivmedizinischer Behandlung bedurften. „Botulismus“ lautete die Diagnose, drei Todesfälle sind vorerst zu verzeichnen.<h3> Südtiroler im Botulismus-Gebiet, keine Betroffenen</h3>Wer diese staatsweit für Aufsehen sorgenden Krankheitsausbrüche als Urlauber vor Ort oder in den lokalen Medien mitverfolgt hat, weiß: Mittlerweile ist bekannt, wie es zu diesen Lebensmittelvergiftungen kam. <BR /><BR />In Sardinien etwa stehen – der zuständigen Staatsanwaltschaft Cagliari zufolge – bestimmte Guacamole-Chargen als Infektionsauslöser unter Verdacht. Dieser mexikanische Dip war bei einem von Tausenden Gästen besuchten Streetfood-Festival angeboten worden. Sofort nach dem Botulismus-Ausbruch wurde die „giftige Avocado-Pampe“ von einer Supermarkt-Kette aus dem Sortiment genommen, das von Cagliari nach Arbatax/Tortilì übersiedelte Festival behördlich gesperrt und der Festivalveranstalter u.a. wegen mehrfacher Körperverletzung angezeigt. Nun steht auch „mit Todesfolge“ im Ermittlungsregister, denn eine 38-Jährige erlag später den Folgen.<BR /><BR />Südtiroler – derer laut Augenzeugen übrigens gar einige bei besagtem Streetfood-Festival waren – sind bislang nicht unter den gemeldeten Botulismus-Fällen. Das aber muss nichts heißen, denn wie Dr. Dagmar Regele vom Dienst für Hygiene der Lebensmittel und der Ernährung S.I.A.N. uns bestätigt: „Botulismus-Infektionen betreffen hierzulande zumeist Urlaubsrückkehrer. Aktuelle Fälle sind uns aber nicht bekannt.“<h3> Vorgewarnte Hausärzte, aber kein Grund zu Panik</h3>Trotzdem gilt, laut Dr. Regele, auch hierzulande aktuell erhöhte Vorsicht: „Durch die mediale Berichterstattung sind die Hausärzte hierzulande ebenso wie italienweit sensibilisiert, was die Symptome betrifft. Insbesondere bei erkrankten Urlaubsrückkehrern.“ <BR /><BR />Auch eine Warnung des italienischen Gesundheitsministeriums an die Sanitätsbetriebe gibt es, ebenso wie entsprechende Medikamentenlieferungen in die Krisenregionen erfolgten. <BR /><BR />Wie selten diese meldepflichtige Erkrankung hierzulande ist, zeigt dann der Blick ins Zeitungsarchiv: So war z.B. 2008 eine Familie aus dem Meraner Raum davon betroffen; Auslöser hier war der Konsum nicht fachgerecht selbst konservierter Bohnen. Botulismus-Alarm ausgelöst wurde, nachdem der Sohn der Familie – ein Student in München – ebendort in die Notaufnahme eingeliefert worden war. Daraufhin wurde der hiesige Sanitätsbetrieb informiert und die Ursache ausgeforscht. Ein tagelanger Aufreger, an den sich manche Meraner vielleicht erinnern und der zeigt: Nicht nur im Urlaub, sondern mitunter zu Hause lauern diese toxischen Botulismus-Sporen. <h3> Der beste Schutz: Konserven lang genug & richtig erhitzen</h3>Daran erinnert auch Dr. Regele: „Bei Konserven aus dem Supermarkt gibt es kaum Bedenken, außer es handelt sich um Produkte, die nicht nach hiesigen Standards produziert wurden. Finger weg allerdings heißt es, wenn die Dose oder der Deckel verformt sind. Wer ganz sicher gehen will, sollte die Lebensmittel ausreichend lang erhitzen.“<BR /><BR />„Problematischer“, so Dr. Regele, seien selbst konservierte Lebensmittel, z.B. in Einweckgläsern: „Hier sollte größter Wert auf die Hygiene gelegt werden. Sogar selbst gemachte Marmeladen können ein Nährboden für die Erreger sein, wenn das Verhältnis 1:1 von Frucht und Zucker nicht eingehalten wird. In diesem Fall gilt es, im entsprechenden Verhältnis Zitronensäure zuzusetzen.“ <BR /><BR />Vor Panik aber warnt die Ärztin: „Die berufliche Erfahrung zeigt, dass die Leute hierzulande sehr genau sind. Ebenso auch bei den vielen Festen im Land, wo gängige Lebensmittelstandards doch eingehalten werden.“ <BR /><BR />Und aus gutem Grund, denn – so zeigt eine Rückfrage beim Amt für Freiwilligenwesen und Solidarität – es gilt Folgendes: „Im Fall einer Botulismus-Infektion ist dies vom Veranstalter mit den zuständigen Behörden und mit der notwendigen Versicherung zu klären.“ Schlimmstenfalls kann nämlich sowohl dem Produkthersteller, dem Lieferanten wie auch dem Veranstalter eine saftige Klage drohen.<BR /><BR />Siehe in Sardinien und nun Kalabrien: Dort gibt es den nächsten Botulismus-Alarm. Ein Mann (52) und eine Frau (45) sind bereits verstorben, weitere 14 Fälle gibt es. Allesamt sollen sie im Küstenort Diamante (Provinz Cosenza) Brote u.a. mit Stängelkohl (ital. „Cime di Rapa“) verzehrt haben. Gekauft bei einem Foodtruck, gegen dessen Betreiber ebenso wie gegen den Lebensmittelhändler nun ermittelt wird. Drei Personen sind wegen Totschlags angezeigt.<BR /><h3> So erkennen und vermeiden Sie Botulismus</h3>Diese potenziell lebensbedrohliche Lebensmittelvergiftung wird durch das Botulinumtoxin verursacht. Dieses wird von den Bakterien/Sporen „Clostridium botulinum“ gebildet – meist in luftdicht verschlossenen Lebensmitteln. Die Symptome machen sich zwölf bis 36 Stunden nach Verzehr bemerkbar. Vor allem die neurologischen Ausfälle sind fatal. Dann heißt es: Ab in die Notaufnahme!<BR /><BR />Insofern gilt vorsorglich:<BR />> Konsumieren Sie keine Lebensmittel aus aufgeblähten Dosen oder aus Einmachgläsern mit deformierten Deckeln!<BR />> Entsorgen Sie Konserven verdächtigen Geruchs, Aussehens oder Geschmacks!<BR />> Halten Sie beim Einmachen (auch Marmelade) strikte Hygiene ein! Hier gilt: Lebensmittel ausreichend erhitzen (mindestens auf 100°C über zehn Minuten).<BR />> Bei selbst gemachten Produkten mit wenig Säure (z.B. Fleisch, Fisch, Bohnen) ist enorme Vorsicht geboten!<BR /><BR /><b>Wichtig zu wissen:</b> Botulismus ist meldepflichtig. In Italien gibt es etwa 20 bis30 Fälle im Jahr.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1201131_image" /></div>