Montag, 22. Februar 2021

Bozen gedenkt der Geschwister Scholl

„Die Weiße Rose war eine Gruppe von jungen Menschen, die Frieden gefordert, aber den Tod gefunden haben“, so der Bozner Bürgermeister Renzo Caramaschi am heutigen Montag bei der Gedenkfeier am Platz nahe der Rombrücke, der nach Hans und Sophie Scholl benannt ist.

Gedenkfeier in Bozen.
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Gedenkfeier in Bozen. - Foto: © Gemeinde Bozen
„Es waren intelligente, mutige junge Studenten, die im Februar 1943 an der Universität München Flugzettel verteilt haben, auf denen sie zum Widerstand gegen die NS-Diktatur aufriefen und für Frieden und Freiheit eintraten. Sie träumten von einem Deutschland, das Teil eines geeinten Europas ist. Das NS-Regime aber beendete den Kampf der Studentengruppe jäh, denn die Mitglieder der Weißen Rose wurden verhaftet und hingerichtet“, erklärte Caramaschi bei der Gedenkfeier am Hans-und-Sophie-Scholl-Platz.

Er danke der vorherigen Stadtregierung, die diesen Platz 2010 nach den Geschwistern Hans und Sophie Scholl benannt hat. „Wir haben mit dem Rektor der Freien Universität Bozen vereinbart, dass die Fakultät für Design einen Gedenkstein entwirft, der dann auf dem Universitätsgelände aufgestellt wird. Denn es waren zwei jungen Studenten, die ihr Leben im Kampf gegen die Diktatur gegeben haben, und die Universität als Ort, wo jungen Menschen leben und lernen und ihre Zukunft mitgestalten, ist auch der Ort, an dem der Taten und Opfer dieser zwei jungen Studenten aus München gedacht werden muss. Wir werden Hans und Sophie Scholl immer im ehrenden Gedenken halten,“ fügte Bürgermeister Caramaschi hinzu.



„München ist nicht weit weg“

Vizebürgermeister Luis Walcher sagte, dass „die Geschichte erst 78 Jahre her ist, und München ist nicht so weit weg. Das heißt, und das hoffen wir eigentlich alle, dass sich so etwas nie mehr wiederholt, wo Menschen über andere Menschen bis zum Äußersten gehen, wo einige wenige ein ganzes Volk regieren wollen, und deshalb vielleicht sollten wir heute mehr denn je die Demokratie als einzige mögliche Form eines Miteinander leben und erleben, dass das Opfer dieser jungen Menschen, der Geschwister Scholl und Christoph Probst und vieler anderer nicht umsonst war“, so Walcher.

Auch Südtiroler Heimatbund gedachte der Geschwister

Bereits am Sonntag, dem Vortag der Ermordung von Sophie Scholl, ihres Bruders Hans und Christoph Probst, hat der Südtiroler Heimatbund in ehrendem Gedenken an diese tapferen Jugendlichen Blumen an der Stele im Geschwister Scholl Platz niedergelegt.

„Die Ideale und das Schicksal dieser jungen deutschen Widerstandskämpfer sind leider in Südtirol wenig bekannt. Es wäre Aufgabe der Universität Bozen, Aufklärung in Form einer Tagung sowie die Wanderausstellung zur Widerstandsgruppe Weiße Rose in Südtirol zu zeigen“, betont SHB-Obmann Roland Lang.

Dieses Jahr wäre Sophie Scholl, geboren im Mai 1921, 100 Jahre alt geworden. Wegen ihres friedlichen Einsatzes für Gerechtigkeit und ein demokratisches Deutschland wurde sie mit 21 Jahren Opfer der Nazi- Diktatur und durch das Fallbeil ermordet.

In einem Brief an ihren Freund Fritz Hartnagel am 9. April 1940 schreibt Sophie Scholl: „Manchmal graut mir vor dem Krieg, und alle Hoffnung will mir vergehen. Ich mag gar nicht dran denken, aber es gibt ja bald nichts anderes mehr als Politik, und solange sie so verworren ist und böse, ist es feige, sich von ihr abzuwenden.“

stol

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