Der Aktenbestand aus den Jahren 1939-1942, dokumentiere die auch für Bozen strikte Befolgung der rassistischen Diskriminierungspolitik unter dem italienischen Faschismus. Wie den Akten laut der Stadtgemeinde zu entnehmen sei, wurden Menschen in Listen erfasst und nach und nach ihrer Grundrechte beraubt; so etwa durch schikanöse Heirats- und Berufsverbote, durch den stigmatisierenden Schulausschluss von Kindern und Jugendlichen und schließlich durch die Aberkennung der Staatsbürgerschaft.Dies zeige, wie sehr die beiden Diktaturen Italiens und Deutschlands kollaborierten, als es um die Anwendung biopolitischer Zwangsmaßnahmen ging, die dem Geist des Rassenwahns entstammten.„Die Faschisten haben den Nationalsozialisten aktiv entgegengearbeitet“, stellt die Stadtgemeinde fest. „Als die Deutschen bald nach dem 8. September 1943 mit den Deportationen aus Italien begannen, konnten sie sich auf die von den faschistischen Behörden erstellten Namenslisten stützen und dank der "Repubblica di Salò" mit bereitwilliger Unterstützung der radikalisierten Entrechtung, Verfolgung und Ermordung rechnen.“Das NS-Lager von Bozen sei ein Teil dieser Unrechtspolitik, deren historischer Aufarbeitung sich das Stadtarchiv bereits intensiv gewidmet habe.Das Stadtarchiv wolle die brisanten Akten so rasch als möglich unter Leitung des Historikers Hannes Obermair wissenschaftlich aufarbeiten und damit einen aktiven Beitrag der Stadt Bozen zur Täter- und Opferforschung leisten.