Dienstag, 09. Februar 2021

Bozen: Kampagne gegen Bodyshaming vorgestellt

Mit einer Kampagne will die Stadt gemeinsam mit ihren Projektpartnern auf die negativen Folgen falscher Schönheitsideale und die Abwertung von Menschen aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes aufmerksam machen.

Zahlreiche Menschen werden im Internet Opfer von Beleidigungen und dergleichen.
Badge Local
Zahlreiche Menschen werden im Internet Opfer von Beleidigungen und dergleichen. - Foto: © Shutterstock / shutterstock
Als Bodyshaming wird die Abwertung, Beleidigung oder Demütigung von Menschen aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes bezeichnet. Betroffen von solchen Hass-Kommentaren sind insbesondere Menschen, deren Erscheinungsbild nicht dem vermeintlichen Schönheitsideal entspricht.

Am Dienstag stellte Bozens Gleichstellungsstadträtin Chiara Rabini im Rahmen einer Video-Pressekonferenz eine neue Kampagne gegen Bodyshaming vor. Entwickelt wurde die Kampagne von einer Arbeitsgruppe des Frauenfördernetzwerks Women Empowerment und des Friedenszentrums mit Unterstützung des Frauenbüros der Stadt Bozen, das für die Projektkoordination zuständig war.

Vor allem Mädchen und Frauen betroffen

Bodyshaming ist eine Form von psychologischer Gewalt, von der vor allem Mädchen und Frauen betroffen sind. Die Hass-Kommentare werden vorwiegend über die sozialen Netzwerke verbreitet, in denen auch das Idealbild des „perfekten“ Körpers inszeniert wird. Menschen, welche gesellschaftlich vorgegebene Vorstellungen von Attraktivität nicht erfüllen, werden abgewertet und beleidigt. Die Betroffenen schämen sich für ihr Aussehen, ihren Körper oder ihr Gewicht, haben Selbstzweifel und verlieren ihr Selbstwertgefühl.

Bodyshaming macht auch vor mächtigen Frauen nicht halt. So musste die deutsche Bundeskanzlerin Merkel während ihrer gesamten Amtszeit immer wieder Hass-Kommentare über sich ergehen lassen. Grundsätzlich sind aber vor allem junge Frauen dieser Form der Abwertung und Demütigung ausgesetzt. Eine italienweite Studie kam zu dem Ergebnis, dass jede zweite Frau bereits einmal für ihr äußeres Erscheinungsbild in den sozialen Netzwerken herabgewürdigt worden ist.

Besorgniserregende Entwicklung

Dieser besorgniserregenden Entwicklung wollen die Projektverantwortlichen mit ihrer Kampagne entgegenwirken. Seit einigen Tagen wird bereits durch eine Plakataktion auf das Thema Bodyshaming aufmerksam gemacht. Die Botschaften auf den Plakaten sollen das Bewusstsein für die Gefahr falscher Schönheitsideale steigern und werben für einen nachsichtigeren Umgang mit dem eigenen Körper sowie für die Akzeptanz von Verschiedenheit, denn „jeder Körper ist schön“, so die Kernaussage der „Body-positivity-Bewegung“, der es vor allem um eine positive Selbstwahrnehmung und um die Botschaft geht, sich nicht vorrangig über das Aussehen zu definieren.

Zusätzlich zur Plakataktion findet am 16. Februar eine Tagung zum Thema Bodyshaming, Cybermobbing und Internetzentrur statt, die von der Stadtverwaltung gemeinsam mit der Vereinigung Liscià und dem Friedenszentrum veranstaltet wird. An der Tagung nimmt neben Corinna Canali, die am University College London an der Verantwortung der sozialen Netzwerke für die immer weitere Verbreitung von Hass und Gewalt im Internet forscht, auch die bekannte italienische Menschenrechtsaktivistin und Rechtsanwältin Cathy La Torre teil. La Torre ist die Mitbegründerin der Bewegung „Odiare ti costa“, die für eine bewusstere Nutzung sozialer Medien eintritt, und setzt sich aktiv u. a. gegen Hassverbrechen und Homotransphobie ein.

Die Veranstaltung wird am 16. Februar ab 18 Uhr live im Internet in den sozialen Netzwerken des Friedenszentrums übertragen.

stol

Schlagwörter: