Zunächst sollen diese Taser von geschulten Beamten bzw. Beamtinnen probeweise mitgeführt werden. Am Ende einer sechsmonatigen Testphase soll entschieden werden, ob die Stadtpolizei künftig flächendeckend mit solchen Geräten ausgestattet wird. <BR /><BR /><BR />In den vergangenen Wochen und Monaten hat der Gemeinderat die Regeln zum Waffengebrauch für die Stadtpolizei ausgearbeitet. Am Dienstag hat die zuständige Kommission des Gemeinderates diese Richtlinien mit fünf Ja-Stimmen der Koalitionsmehrheit und vier Enthaltungen der Opposition genehmigt. Die definitive Abstimmung findet am Donnerstag, 7. Mai im Gemeinderat statt. Die Zustimmung gilt als sicher. <BR /><BR /><BR />Das Projekt sieht in der sechsmonatigen Testphase die Ausbildung von insgesamt zehn Beamten der Stadtpolizei vor; anschließend werden jeden Tag rotierend je zwei mit Elektroschockpistolen ausgerüstete Beamte im Stadtgebiet im Einsatz sein.<BR /><BR /><BR />„Der Einsatz des Tasers wird in erster Linie als wirksames Abschreckungsmittel wirken, die Notwendigkeit von Körperkontakt verringern und dafür sorgen, dass Kontrollmaßnahmen in einer für alle Beteiligten entspannteren Atmosphäre stattfinden“, betont Gabriele Repetto (La Civica per Bolzano), Mitglied der Gemeindekommission, der auf das jetzt beschlossene Sicherheitsprotokoll zur Nutzung der Elektrowaffe verweist.<BR /><h3> Elektroschockpistolen sind umstritten</h3><BR />In Italien werden Elektroschockpistolen seit mehreren Jahren von der Staatspolizei und den Carabinieri genutzt. Die Taser können in gefährlichen Situationen von Sicherheitskräften zur Verteidigung eingesetzt werden, sind aber nicht unumstritten. Im vergangenen Jahr sind in Italien mehrere Menschen nach dem Einsatz von Tasern gestorben, wobei dabei auch Faktoren wie Vorerkrankungen, Drogen oder Stresssituationen eine Rolle spielen können und der Taser-Gebrauch nicht immer eindeutig als alleinige Todesursache nachgewiesen werden kann.<BR /><h3> Der Taser-Einsatz in Gossensaß im Juli 2024 – und die Folgen</h3><BR />Das zeigt etwa die Verwendung eines Tasers am 9. Juli 2024 durch die Carabinieri von Sterzing in Gossensaß. Der Einsatz war von einem Mann angefordert worden, den die Einsatzkräfte in einem sichtlich verwirrten und aggressiven Zustand vorgefunden haben sollen. Um den Mann (42) ruhigzustellen, setzten die Carabinieri einen Taser ein. Kurz darauf klagte der Mann über Übelkeit. Er starb etwa eine Stunde später. Die Bozner Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen Unbekannt ein – wegen Verdacht auf Tod infolge eines anderen Verbrechens (Art. 586 StGB). <BR /><BR /><BR />Das rechtsmedizinische Gutachten ergab, dass der Tod des 42-Jährigen auf starken Kokainkonsum zurückzuführen sei. Somit sei die Kokain-Intoxikation an sich schon ausreichend gewesen, um den Tod zu verursachen, während eine mögliche mitursächliche Rolle des Tasers eine höchst unwahrscheinliche Hypothese bleibe. Es gebe derzeit keine wissenschaftlichen Beweise für einen sicheren Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Tasern und dem Auftreten von Herzrhythmusstörungen, so die Staatsanwaltschaft. Die elektrische Ladung, die notwendig ist, um Kammerflimmern auszulösen, sei nämlich 200-Mal höher als jene, die von solchen Geräten abgegeben wird.<BR /><h3> „Das verändert den polizeilichen Alltag“</h3><BR />Klar gegen die Einführung von Tasern bei der Stadtpolizei sprechen sich die Grünen im Gemeinderat aus. Was als „milderes Mittel“ dargestellt werde, sei rechtlich und faktisch eine Waffe. „Gesundheitliche Risiken – insbesondere für Menschen unter Stress, Alkohol- oder Medikamenteneinfluss – sind bekannt und werden selbst in den Richtlinien angeführt“, betont die Partei in einer Aussendung. Es bestehe die Gefahr, dass mit dem Taser die Schwelle zur Anwendung von Gewalt sinke. <BR /><BR /><BR />„Ein Instrument, das einfacher einsetzbar ist als eine Schusswaffe, wird auch häufiger eingesetzt. Das verändert den polizeilichen Alltag“, betont die Grünen-Gemeinderätin Cornelia Brugger. Die Einführung des Tasers sei keine nachhaltige Antwort auf Sicherheitsfragen. „Stattdessen braucht es Investitionen in Prävention, Deeskalation und soziale Maßnahmen. Sicherheit entstehe nicht durch mehr Waffen, sondern durch funktionierende Strukturen und Beziehungen“, betonen die Grünen.