42 Bunker gibt es in Bozen und in unmittelbarer Umgebung. Immer mehr werden jedoch abgerissen und die historischen Mahnmale verschwinden für immer. Ende des Jahres soll zumindest feststehen, welche Bunker in Südtirol und auch in der Landeshauptstadt besonders schützenswert sind. <BR /><BR /><BR /><i>Von Karl Psenner</i><BR /><BR />Im Laufe der vergangenen Jahre wurden mehrere Bunker der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, beispielsweise jener am Gampenpass (Deutschnonsberg); bei anderen wucherte Gras, Moos und Gestrüpp, so dass sie kaum mehr als solche erkennbar sind, und wieder andere kamen „unter den Hammer“, das heißt, sie wurden an interessierte Käufer abgetreten. <BR /><BR />Bunker wurden aber nicht nur in Grenznähe errichtet (beispielsweise am Brenner, am Reschen oder in Vierschach), sondern als so genannte dritte Verteidigungsanlage auch im Raum Bozen. Hier wurden zwar insgesamt 67 Bunker geplant, letztlich konnten aber nur 42 fertiggestellt werden. Ausgerüstet wurden die Bunker mit Maschinengewehren und -pistolen, kleinere Kanonen und Panzerabwehrgeschütze vervollständigten die „Ausstattung“. Im Raum Bozen wurden die meisten in der Zone von Kohlern über die Haselburg nach Schloss Sigmundskron bis hin nach Schloss Hocheppan errichtet und waren Teil eines großen Verteidigungswalls. <BR /><BR /><b>Dem Abriss preisgegeben</b><BR /><BR />Kürzlich erlangten die inzwischen vielfach vergessenen Bunker gerade in Bozen wieder an Aktualität, da einer davon – mit der Bezeichnung Bunker 7 in der Negrellistraße – dem Abriss preisgegeben wurde. <BR /><BR />Somit dürften auch nach und nach die wenigen noch vorhandenen Bunker aus dem Stadtbild verschwinden – ein Umstand, der Archäologen und Bunker-Liebhaber auf den Plan rief, um diesem Vorhaben Einhalt zu gebieten. Rechtlich ist jedoch gegen einen Abriss nichts einzuwenden, da die meisten Bunker keinerlei Schutzstatus genießen und somit wie ein anderes Bauwerk behandelt werden.<BR /><BR />Was sagen aber die zuständigen Politiker zu den Bunkeranlagen? Bürgermeister Renzo Caramaschi äußert sich sehr pragmatisch, wenn er erklärt, dass in der heutigen Zeit wohl dringendere Themen zu behandeln seien: „Ich finde, dass die Bunker nicht eine so große Bedeutung haben, wie vielleicht manche glauben. Sie wurden zu einer Zeit errichtet, die nicht sehr glorreich für Europa war und meines Wissens fanden sie auch so gut wie keine Verwendung. Trotzdem würde ich einen davon als Zeitzeugen bewahren und unter Schutz stellen, damit er für die Nachwelt als Mahnmal einer düsteren Zeit in Erinnerung bleibt.“ <BR /><BR /><b>Parcours zu historischen Bauten?</b><BR /><BR />Für Kulturstadträtin Chiara Rabini wäre es sinnvoll, einen Parcours ins Auge zu fassen, unter Einbindung anderer historischer Bauten der damaligen Zeit, beispielsweise das Durchgangslager in der Reschenstraße: „Wichtig wäre auch, dass die Bunker gepflegt und lebendig gestaltet werden, wenngleich man sicher nicht alle erhalten kann. Welche dann unter besonderen Schutz gestellt werden, müssten die zuständigen Landesämter entscheiden. Schade finde ich jedenfalls, wenn sie, wie letzthin geschehen, zerstört werden und somit auf Nimmerwiedersehen aus unseren Augen und unserem Gedächtnis verschwinden.“<BR /><BR />Die Direktorin des Landesdenkmalamtes, Karin Dalla Torre, erklärt auf Nachfrage, dass bereits unter dem seinerzeitigen Landeskonservator Helmut Stampfer einige Bunker in Südtirol unter Schutz gestellt wurden, die aus damaliger Sicht als besonders schützenswert erschienen, wie beispielsweise jener in der Franzensfeste. Dalla Torre: „Derzeit ist Architekt und Bunkerfachmann Heimo Prünster mit einem Forschungsprojekt des Landesmuseums Franzensfeste beauftragt, um eine detaillierte Übersicht aller vorhandenen Bunker hierzulande zu erstellen und im Detail zu dokumentieren. Anschließend werden wir diese Auflistung begutachten, Kriterien festlegen und eine Auswahl vornehmen, nach denen ein Bunker erhaltenswert und demzufolge unter Schutz gestellt werden sollte. Ich rechne, dass mit Jahresende diese Erhebung abgeschlossen sein dürfte.“