Am Mittwoch stellten Bürgermeister Renzo Caramaschi und Sozialstadtrat Juri Andriollo die Kältenothilfe im Detail vor. „Seit Rosmarie Pamer Landesrätin für Soziales ist, haben sich Bozens Beziehungen zum Land verbessert. Sie hört wenigstens zu“, erklärte Bürgermeister Renzo Caramaschi gestern auf einer Pressekonferenz im Rathaus zum Thema Winterschlafplätzen für Obdachlose.<h3> Ex-Alimarket-Gebäude provisorisch offen bis Umbau des Zentrums in Gobetti-Straße fertig ist</h3>Derzeit halten sich in der Landeshauptstadt rund 1.000 Obdachlose, Migranten, Geflüchtete und Asylbewerber auf. Für sie stehen ab dem 1. November im ehemaligen Alimarket-Gebäude in der Gobettistraße 95 Obdachlosenschlafplätze bereit. Betrieben wird die Einrichtung vom Roten Kreuz. <BR /><BR />Voraussichtlich Anfang 2025 soll dann das ehemalige Inpdap-Gebäude in der Pacinottistraße bereitstehen. Derzeit wird das Gebäude renoviert und umgebaut. „Das Land ist mit den Arbeiten leicht in Verzug“, erklärte Caramaschi. Sobald es der Stadt übergeben wird – das Gebäude gehört dem Land - werden dort 196 Schlafplätze bereitstehen, rund 100 mehr als zur Zeit in der Winternotunterkunft im Alimarket-Gebäude, die mit der Inbetriebnahme des ehemaligen Inpdap-Gebäudes ihre Tore schließen wird. „Natürlich leisten wir in Bozen unseren Teil“, so Andriollo. Für den bevorstehenden Winter stelle man insgesamt 200 Schlafplätze zur Verfügung. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1090521_image" /></div> <h3> Ganzjährig: Duschen, Wäsche waschen und etwas Warmes zu sich nehmen</h3>Die Tagesstätte im Alimarket-Gebäude bleibt hingegen geöffnet und bietet auch weiterhin verschiedene Dienste an. Dort haben Bedürftige ganzjährig die Möglichkeit zu duschen, in einer geschützten Umgebung kurz durchzuatmen, die eigenen Habseligkeiten zwischenzulagern, Wäsche zu waschen und etwas Warmes zu sich zu nehmen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1090524_image" /></div> <h3> Rotes Kreuz betreut die Winternotunterkunft</h3>Die Winternotunterkunft der Stadt wird vom Roten Kreuz im Auftrag des Betriebs für Sozialdienste Bozen betreut. Personen ohne Obdach, Migranten, Asylbewerber und nicht begleitete ausländische Minderjährige, die sich erst seit Kurzem in der Stadt aufhalten, sowie Einheimische oder andere Personen mit Wohnsitz in Bozen, die sich in einer prekären Lage befinden und Hilfe bei der Suche nach einer Unterkunft brauchen, erhalten am Infopoint in der Raiffeisenstraße 5, der von Volontarius geführt wird, Unterstützung und Beratung. Wer einen Schlafplatz benötigt, kann sich vor Ort in eine zentrale Warteliste eintragen lassen. ber diese Warteliste werden Schlafplätze in ganz Südtirol vermittelt. <h3> Erstmals 100 Plätze in anderen Städten</h3>Caramaschi verwies auch auf die 100 Schlafplätze, die – nach langem Drängen der Bozner Stadtregierung – heuer erstmals auf 4 Städte außerhalb von Bozen verteilt werden: 50 in Meran, je 20 in Leifers und in Brixen sowie 10 in Bruneck. Die Plätze in Meran werden ab 1. November zur Verfügung stehen, jene in Leifers ab dem 1. Dezember, die 20 Betten in Brixen „bald“, wie es gestern hieß. Wann Bruneck sein Zentrum öffne, sei noch unklar.<h3> Weitere Unterkünfte für Menschen ohne Obdach in Bozen</h3>Die Winternotunterkunft der Stadt ergänzt die bereits bestehenden und vom Verein „Voluntarius“ betriebenen Aufnahmeeinrichtungen für Obdachlose: die Kurzzeitunterkunft „Comini“ in der Coministraße, in der 95 Plätze zur Verfügung stehen, das „Haus Graf Forni“ in der Rittner Straße mit 28 Schlafplätzen auch für Frauen, sowie die ehemalige Gorio-Kaserne in der Schlachthofstraße und das Lemayr-Gebäude in der Avogadrostraße, wo Familien mit Kindern untergebracht werden können (50 bzw. 70 Schlafplätze). Eine weitere Unterkunft in der Trientner Straße, die vom Roten Kreuz betreut wird, verfügt über 32 Schlafplätze, das von der Caritas geführte Haus Margareth über 18 Schlafplätze für Frauen. Des Weiteren gibt es eine Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die im Auftrag der Landesverwaltung vom Betrieb für Sozialdienste geführt wird.<h3> „Das Land nimmt mittlerweile seine Verantwortung in der Migrationsfrage wahr“</h3><div class="img-embed"><embed id="1090527_image" /></div> <BR /><BR />„Bozen war und ist eine solidarische Stadt,“ so Bürgermeister Caramaschi. „Und die Stadtverwaltung tut viel dafür, damit Menschen in Not würdig untergebracht werden. Der Austausch mit dem Land in der Frage der Obdachlosenunterbringung hat sich erfreulicherweise positiv entwickelt und letztlich dazu geführt, dass auch in anderen Städten und Gemeinden des Landes auf Weisung der Landesregierung in diesem Winter rund 100 Schlafplätze zur Verfügung gestellt werden.“<BR /><BR />Dem pflichtete auch Bozens Sozialstadtrat Juri Andriollo bei: „Das Land nimmt mittlerweile seine Verantwortung in der Migrationsfrage wahr, was bis vor kurzem nicht der Fall war, und hat wichtige, konkrete Schritte gesetzt. Mit dem Beschluss hat sich das Land an die Vorgehensweise im restlichen Staatsgebiet angepasst, wo die Regionen für die Bewältigung der Migrationsfrage zuständig sind, und nicht die Städte und Gemeinden. Diese müssen natürlich ihren Teil leisten und tun dies auch, doch für die administrativen und organisatorischen Fragen und für die Verteilung dieser Menschen ist in unserem Fall das Land zuständig. Die Provinz Trient macht dies seit Jahren vor. Wir danken daher der zuständigen Landesrätin Pamer und Landeshauptmann Kompatscher für ihr Umdenken in dieser Frage.“<h3> Schulungen werden angeboten</h3>In den städtischen Aufnahmeeinrichtungen sollen auch gezielte Schulungen angeboten werden. „Wir wollen die Zeit bis zur endgültigen Bestimmung des Aufenthaltsstatus dieser Personen produktiv nutzen, indem wir ihnen Schulungen anbieten, ihre Fähigkeiten ermitteln und ihnen so die Eingliederung in die Arbeitswelt erleichtern. Dabei werden wir auch von den Schulämtern und den Berufsschulen unterstützt,“ so Andriollo weiter.<BR /><BR />Davide Monti, der Verantwortliche von Volontarius, verwies auf die Bedeutung des Infopoints als zentrale Anlaufstelle bei der Bewältigung des Unterkunftsproblems. Im letzten Jahr haben man insgesamt 1600 Personen erreichen können, und ausnahmslos allen habe man auch einen Schlafplatz anbieten können. „Der Infopoint“, so Monti, “ist eine Anlaufstelle für Menschen, die sich am Rande unserer Gesellschaft bewegen. Der Infopoint informiert, vermittelt und zeigt den Menschen auf, welche Möglichkeiten es für sie vor Ort gibt. Dabei stehen wir im ständigen Austausch mit den verschiedenen Organisationen und Einrichtungen. Wir verstehen uns als Teil eines städtischen Netzwerks, das aktiv wird, damit in Notsituationen schnell reagiert werden kann. Dabei arbeiten wir auch in Synergie mit den Sozialdiensten und den Polizeibehörden.“