Dienstag, 24. April 2018

Bozen: Straßenbahn auf Schiene bringen

Die Zukunftsvision „Tram für Bozen“ war am Dienstag Thema im Stadtrat. Der Schweizer Verkehrsplaner Willi Hüsler war zu diesem Anlass in Bozen zu Gast. „Wir haben einige technische Details besprochen“, berichtete Bürgermeister Renzo Caramaschi.

Vielleicht rollt durch Bozen bald eine Straßenbahn.
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Vielleicht rollt durch Bozen bald eine Straßenbahn. - Foto: © shutterstock

Das Thema Straßenbahn beschäftigt die Gemeinde Bozen nun auch schon eine Zeit. Das Projekt sei komplex, aufwendig und müsse gut geplant werden, sagte am Montag Bürgermeister Renzo Caramaschi. Er ist sonst einer der gerne schiebt und drängt, aber bei diesem Thema will er Schritt für Schritt voranschreiten.

Im Mai wird er schon die ersten Weichen stellen. Zum einen stehen Gespräche mit der SASA und STA auf dem Programm, zum anderen wird er nach Rom fahren, um vorzufühlen, wie viel Geld das Ministerium für Infrastrukturen eventuell für das Bozner Projekt locker machen könnte. Das Vorhaben schlägt immerhin mit 120 Millionen Euro zu Buche. In Sachen Verwirklichung gibt es 2 Möglichkeiten: Entweder rein öffentlich oder mit Unterstützung eines Privaten. Caramaschi tendiert zu Ersterem.

Sollten die Finanzierungszeichen in Rom besonders gut stehen, dann müsste innerhalb des Jahres ein Projekt auf dem Tisch liegen; samt einem Plan für nachhaltige Mobilität. „Dann können wir in Rom um einen Beitrag ansuchen.“ Die Zeit drängt also, denn wer die Mühlen im Rathaus kennt, der weiß, dass diese nicht besonders schnell mahlen.

Auf Schienen durch die ganze Stadt 

Über die Trasse hat man sich am Montag im Stadtrat auch unterhalten. Diese würde vom Zugbahnhof über die Bahnhofallee, den Walther- und Dominikanerplatz beim Kolpinghaus vorbeiführen und dann in die Sparkassenstraße abbiegen. Beim Stadtmuseum käme die nächste große Kurve Richtung Talferbrücke. Von dort würde die Bahn schnurgerade zum Mazziniplatz fahren und dann die Kurve Richtung Hadrian-Platz kratzen um schlussendlich in die Drususallee einzubiegen.

„Beabsichtigt ist, dass auch das Krankenhaus angebunden wird“, erklärte der Bürgermeister. Vom Spital würde die Tram dann über die Meraner- und Sigmundskroner-Straße zum Endziel Sigmundskroner-Brücke fahren. Zurück geht es den gleichen Weg, nur nach der Talferbrücke würden die Schienen durch die Rosmini-Straße verlegt und dann in die Spitalgasse einmünden. Endstation ist der Zugbahnhof. 

Bereits Ende des Jahres könnte Projekt in die Wege geleitet werden 

Wenn alles glatt geht, dann könnte das Projekt bereits Ende des Jahres auf den Weg geschickt werden. „Die geschätzte Bauzeit würde bei 5 bis 6 Jahren liegen“, meinte Caramaschi.

Ihm schwebt konkret vor, dass die Südtiroler Transportstrukturen AG STA baut und die SASA die Tram betreibt. „Das ist aber noch Zukunftsmusik, denn vorab müssen wir eine Reihe von Details klären, insbesondere was die Finanzierung betrifft“, meinte Caramaschi. Dahingehend hat der Landeshauptmann den Boznern bereits klar gemacht, dass sie selbst einen Beitrag leisten werden müssen. Sprich: Geschenkt bekommen sie nichts.

Apropos Details: Gemeinsam mit Verkehrsprofi Hüsler hat man sich am Montag unter anderem über die Fahrintervalle unterhalten; ob alle siebeneinhalb, 10 oder 15 Minuten. „Das hängt natürlich davon ab, für welche und wie viele Garnituren man sich entscheidet“, sagte Caramaschi. Er selbst zeigte sich jedenfalls zuversichtlich, dass man das Projekt auf die Welt bekomme. „Es ist aber dringend notwendig, dass wir die Sache endlich angehen“, meinte er.

D/fin

stol