Freitag, 22. Januar 2021

Bozen: Temporäre Tagesstätte für obdachlose Menschen im Pfarrheim

Dieser Winter hat es in sich: Schnee, Kälte, Pandemie und viele obdachlose Menschen auf der Straße. Aus diesem Grund haben Freiwillige nun eine temporäre Tagesstätte im Bozner Pfarrheim eingerichtet.

Im Bozner Pfarrheim haben obdachlose Menschen nun die Möglichkeit, sich aufzuwärmen und den eisigen Temperaturen zu entkommen.
Badge Local
Im Bozner Pfarrheim haben obdachlose Menschen nun die Möglichkeit, sich aufzuwärmen und den eisigen Temperaturen zu entkommen. - Foto: © Ludwig Thalheimer
Es war ein langes Tauziehen zwischen öffentlicher Hand und engagierter Zivilgesellschaft, um wohnungslosen Menschen in der Landeshauptstadt nächtliche Schlafplätze und zusätzliche Tagesstätten zur Verfügung zu stellen.

Seit Mittwoch können in der Messe Bozen 95 Menschen schlafen, aber in der Früh müssen sie raus.

Caroline von Hohenbühel, Freiwillige im „Winterhaus“ und Vorsitzende des Vereins „Schutzhütte“, und der Fotograf Ludwig Thalheimer haben sich gemeinsam mit weiteren Freiwilligen engagiert dafür eingesetzt, für die obdachlosen Menschen in Bozen einen Saal ausfindig zu machen, in dem sie sich tagsüber aufhalten können.

Die Suche war nicht einfach. Umso mehr haben sich die engagierten Freiwilligen gefreut, als die Leitung des Bozner Pfarrheims den großen Saal hinter dem Bozner Dom schnell und unbürokratisch als Tagesstätte für obdachlose Menschen zur Verfügung gestellt hat.

Seit Samstag, 16. Jänner ist der Saal vorerst für 2 Wochen täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Ein Dutzend Freiwillige wechselt sich ab, kontrolliert die Einhaltung der Corona-Bestimmungen, misst die Temperatur, stellt Tee bereit und ist für Fragen da.

14 obdachlose Menschen plus die diensttuende Person können sich gleichzeitig im Saal aufhalten. Die Nutzer haben einen Ausweis bekommen.

Die meisten kommen bereits am Morgen und halten sich mehrere Stunden im Pfarrheim auf. Sie lesen, diskutieren, recherchieren im Internet, trinken Tee und bringen ihre Essenssäckchen vom VinziBus mit.

Die Pandemie zeige die gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten wie unter einem Brennglas auf, sagt von Hohenbühel.

Thalheimer, der sich seit Jahren für obdachlose Menschen in Bozen engagiert, ergänzt: „Bei der ersten Welle im vergangenen Frühjahr ist überhaupt nicht an die wohnungslosen Menschen gedacht worden.“

liz

Schlagwörter: