Der Bozner Christkindlmarkt ist der fünftschönste der Welt – zumindest wenn es nach dem Ranking des Reiseanbieters Holiday Extra geht.Damit platziert sich der kleine Weihnachtsmarkt in eine Reihe weltbekannter Städte wie Dresden (Platz 1), Nürnberg (Platz 2), New York (Platz 3) und Wien (Platz 4).„In einer kleinen Werkstatt kann man Südtiroler Kunsthandwerkern bei ihrer Arbeit zusehen. Boz(e)ner Zelten und gebratene Esskastanien sind typisch für Südtirol.“, schreibt das Portal zum Markt in der Landeshauptstadt.Vielleicht nicht gerade jene Charakterisierung, die ein Einheimischer dem Weihnachtsmarkt in Bozen geben würde, aber allemal eine willkommene Werbung.Was macht den Bozner Christkindlmarkt aus?Giorgio Nesler vom Atelier Lune ist Standbetreiber der ersten Stunde und verkauft nun seit 25 Jahren Handwerkskunst aus Glas auf dem Bozner Christkindlmarkt.STOL hat bei dem erfahrenen Standbetreiber nachgefragt, was denn das Besondere am Bozner Christkindlmarkt sei und um ein Resümee nach dem ersten Tag des bevorstehenden langen Wochenendes gebeten.Südtirol Online: Der Bozner Christkindlmarkt ist auf Platz 5 der weltweit schönsten Weihnachtsmärkte gewählt worden. Warum? Was macht Bozen aus?Giorgio Nesler (Atelier Lune): Bozen zeichnet sich vor allem durch seine Atmosphäre aus. Das mitteleuropäische weihnachtliche Flair beschränkt sich in Bozen nicht nur auf den Markt an sich. Ich glaube, die Touristen schätzen vor allem das am weihnachtlichen Bozen. Die Leute spazieren gern durch die Altstadt und sind fasziniert von den vielen kleinen Märkten, die sich auf die Stadt verteilen. Auch die Lauben sind natürlich ein beliebter Ort zum Flanieren. In Trient grenzt sich der Weihnachtsmarkt beispielsweise schon viel deutlicher vom Stadtumfeld ab.Betonen muss man natürlich auch das hervorragende Wetter in unserer Landeshauptstadt. Im restlichen Italien haben sich die Winter in den vergangenen Jahren eher von ihrer trüben Seite gezeigt. Ich glaube, da hat Bozen schon einen gewissen Vorteil.STOL: Und der Weihnachtsmarkt an sich? Wodurch zeichnet er sich aus?Nesler: Bozen zeichnet sich durch das ehrliche Handwerk aus. Ich glaube gerade angesichts der zahlreichen Polemiken um die in China hergestellten Souvenirs legen die Touristen darauf besonders Wert. Mehrere Handwerker in Südtirol rüsten sich das ganze Jahr für den Verkauf auf dem Bozner Weihnachtsmarkt.STOL: Was hat Bozen kulinarisch zu bieten?Nesler: Auch die Gastronomie in Bozen ist natürlich etwas Besonderes – vor allem für unsere italienischsprachigen Gäste. Strudel, Brezen, Glühwein und heiße Schokolade gibt es ab Trient abwärts nicht mehr. Besonders die Italiener kommen deshalb gerne zu uns herauf.STOL: Apropos Italiener. Woher kommen die Besucher in diesem Jahr? Sind es hauptsächlich Italiener, die anreisen?Nesler: Ja, das kann man so sagen. Schätzungsweise machen sie etwa 70% der Besucher aus. In den vergangenen Jahren hat aber vor allem der Anteil der Gäste aus dem Osten und dem englischsprachigen Raum zugenommen.STOL: Wirtschaftlich geht es wieder aufwärts. Macht sich das auch auf dem Christkindlmarkt bemerkbar?Nesler: So direkt lässt sich das nicht sagen. Ich würde sogar sagen, dass die Einnahmen heuer verhältnismäßig eher gleichbleibend, wenn nicht sogar sinkend sind. Diesbezüglich muss man immer auch einen Blick auf den Kalender werfen. Feiertage und Brückentage wie wir es in diesem Jahr an Maria Empfängnis haben machen sehr viel aus. Bisher kommt es mir eher weniger stressig vor als in den vergangenen Jahren.STOL: Sie sind nun mit ihrem Stand von Anfang an dabei. Hat sich der Bozner Christkindlmarkt denn in den 25 Jahren verändert?Nesler: Auf jeden Fall. Der Bozner Christkindlmarkt hat sich zu einem richtigen Event entwickelt. Das macht uns natürlich sehr stolz. Die Leute reisen nun eigens dafür an, machen mehrtägige Aufenthalte. Darüber sind wir sehr froh.Interview: Lisa Comploi