Sonntag, 06. September 2015

Bozner feiert den Tod des kleinen Aylan

"Uns hätte er 50 Euro gekostet, besser so." Mit diesem und ähnlichen Postings hat sich ein Bozner über den Tod des Flüchtlingskindes Aylan geäußert. Nicht nur im Netz wird G.A. nun deswegen an den Pranger gestellt.

Ein Bozner freut sich im Netz über den Tod Aylans und wettert gegen Gutmenschen.
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Ein Bozner freut sich im Netz über den Tod Aylans und wettert gegen Gutmenschen.

Das Bild macht Millionen Menschen betroffen. Ein syrisches Flüchtlingskind, leblos an einem türkischen Strand (STOL hat berichtet). In Medien sowie in den sozialen Netzwerken wurde es zum Sinnbild der Flüchtlingskrise - ein Aufschrei der Entrüstung folgte.

Gegen die Gutmenschen

Nicht so beim Bozner G.A. Er freute sich ganz offen über den Tod des Jungen. "Ihr Gutmenschen, es ist umsonst, wenn ihr das zeigt", schreibt er zu dem von ihm geteilten Foto des toten Aylan. Und in einem weiteren Post wird es noch drastischer.

"Durch die italienische Politik hätte der Junge uns 50 Euro am Tag gekostet. So kostet er uns nichts. Hoffen wir, dass das wieder passiert", meint G.A. 

Via Facebook hat der Mann zahlreiche Freunde in und außerhalb Südtirols. Auch mit Politikern ist er "befreundet".

 

Mittlerweile ist diese letzte Nachricht von der Facebookseite des Bozners verschwunden, doch Abzüge davon kursieren bereits im Netz und in den Medien. Der "Fatto quotidiano" hat das Verhalten von G.A. aufgegriffen. Journalistin Selvaggia Lucarelli hat gar die Bozner Quästur aufgefordert, etwas zu unternehmen.

Sie verweist dabei auch darauf, wie in anderen Ländern mit derlei Hass-Postings und deren Verfassern umgegangen wird.

Durchsuchung nach Hass-Posting im Netz 

In der Tat haben Ermittler in Deutschland wegen eines im Internet veröffentlichten Kommentars zum ertrunkenen Aylan eine Wohnung in Berlin-Hellersdorf durchsucht. Deren 26 Jahre alter Bewohner soll den Tod des Jungen auf Facebook mit drastischen Worten verunglimpft haben.

Ein Computer und zwei Mobiltelefone wurden nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft am Samstag sichergestellt. Es wird geprüft, ob eine Straftat vorliegt.

Die Meinung der Südtiroler zum Bild

Die Diskussion über die Veröffentlichung des Bildes des toten Flüchtlingskindes hat sich inzwischen abgekühlt. Auch in Südtirol war man geteilter Meinung darüber, ob solch ein Bild überhaupt veröffentlicht werden soll und darf (STOL hat berichtet).

STOL hat dazu die Meinung der Leser eingeholt und sie darüber abstimmen lassen. Von 5800 Klicks fällt dabei der Großteil auf die "Jasager". 40 Prozent stimmten bislang für "Ja, dann sind wir endlich alle gezwungen hinzusehen". 31 Prozent finden, dass das Bild gezeigt werden soll, "denn es kann wirklich aufrütteln".

Dass sich die Medien nicht auf das tote Kind stürzen sollten, finden 22 Prozent. Nur 7 Prozent der Stimmen fielen auf das "Nein, ich möchte so etwas nicht sehen müssen".

 

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stol/dpa/ker

stol