Für 88 Personen ist die Bozner Haftanstalt ausgelegt, 110 sitzen derzeit ein. Die Überbelegung ist aber nur ein Problem, das Vertreter der Südtiroler Strafverteidiger sowie die Landesräte Marco Galateo und Christian Bianchi bei ihrem Lokalaugenschein festgestellt haben. Das völlig veraltete Gebäude verfügt weder über Ventilatoren noch über eine Klimaanlage. Sowohl im Zellentrakt als auch in den beengten Räumen der Vollzugsbeamten ist es besonders im heurigen Sommer unerträglich heiß. <BR /><BR />„Seit 30 Jahren wird der Bau einer neuen Haftanstalt versprochen: Es wird höchste Zeit, dass den Worten Taten folgen“, sagte der Vorsitzende der Kammer der Strafverteidiger in Südtirol, Alessandro Tonon. Um zumindest das Leiden unter der Hitze etwas zu lindern, haben die Strafverteidiger beschlossen, zusammenzulegen und für das Gefängnis Ventilatoren anzukaufen.<BR /><BR />Derzeit sind in der Haftanstalt vier Ausbilder bzw. Erzieher tätig. „Sie tun ihr Möglichstes“, betonte Tonon. Auch die Gefängnisleitung setze alle Hebel in Bewegung, um die Bedingungen für Insassen und Mitarbeiter zu verbessern. Mauern seien gestrichen, Räumlichkeiten ansprechender gestaltet worden. Doch die hygienisch-sanitäre Lage sei nach wie vor menschenunwürdig. „Die Campingkocher in den Zellen stehen direkt neben der Toilette, der Gesundheitsdienst ist auszubauen“, sagte Landesrat Galateo. <BR /><BR />Sein Kollege Bianchi bedauerte, dass das Gefängnis nicht in die Zuständigkeit des Landes fällt. „Wenn das so wäre, hätten wir diese Zustände nie zugelassen“, unterstrich er. Unzählige Male habe der Landeshauptmann bereits in Rom interveniert, damit der Gefängnisneubau in Angriff genommen wird. „Und das Land wird so lang dranbleiben, bis etwas weitergeht.“