Das Gefängnis ist nach wie vor überbelegt – derzeit zu 130 Prozent. 88 Insassen büßen ihre rechtskräftige Strafe ab – meist wegen Diebstahl, kleineren Raub- oder Drogendelikten – die restlichen sind in U-Haft. <BR /><BR />45 Häftlinge sind italienische Staatsbürger, die anderen stammen aus dem Ausland. „Das heißt nicht, dass Ausländer öfter straffällig werden“, betonte Rechtsanwalt Alessandro Tonon, Präsident der lokalen Kammer der Strafverteidiger. „Wer keine Wohnung hat, kann eben nicht unter Hausarrest gestellt, und wer keine Arbeit hat, nicht in Obhut der Sozialdienste gegeben werden – so gibt es für diese Personen keine Alternative.“ <BR /><BR />Während die Zellen also überfüllt sind, mangelt es an Vollzugsbeamten: 80 Planstellen sind vorgesehen, nur 50 Beamte gibt es. Berücksichtigt man Ausfälle und Urlaube, sind effektiv im Schnitt nur 30 im Dienst. Es gibt nur zwei Ärzte, ab 20 Uhr muss bei Notfällen medizinische Hilfe von außen angefordert werden. <BR /><BR />„In den Zellen fehlt warmes Wasser, auf einem Quadratmeter steht Campingkocher neben Toilette: Das ist würdelos und bedenklich aus hygienischer Sicht,“ sagte Elisabetta Zamparutti von „Nessuno tocchi Caino.“ Der Betonboden am kleinen Fußballfeld sei beschädigt, was immer wieder zu Stürzen mit Verletzungen führe, Fitnessgeräte seien reparaturbedürftig, der Zahnarztpraxis fehle es an finanziellen Mitteln. Es hat sich aber auch einiges getan: Dach, Außenmauern und Duschen wurden renoviert, konnte die Delegation feststellen. <BR /><BR />Gefängnisdirektor Giovangiuseppe Monti tue alles, um die baulichen Unzulänglichkeiten auszugleichen: Es gebe Italienisch- und Kochkurse, die Häftlinge reparierten Fahrräder und könnten die Kapelle auch für Theateraufführungen nutzen. Dank einer Vereinbarung mit dem Roten Kreuz kontaktiert dieses auf Wunsch der Häftlinge deren Familien im Ausland.