Sonntag, 12. März 2017

Bozner IS-Prozess: Angeklagte abwesend – Prozess vertagt

Hubschrauber am Himmel, Scharfschützen auf den Dächern: Vor genau einem Monat glich der Bozner Gerichtsplatz einer Hochsicherheitszone. Der Grund: Bozens erster Terror-Prozess. Am Montagvormittag begann das zweite Terror-Schwurgerichtsverfahren am Bozner Landesgericht. Und wurde vertagt.

Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften sicherte Mitte Februar das Bozner Gerichtsgebäude und die Gegend rundum. - Foto: DLife
Badge Local
Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften sicherte Mitte Februar das Bozner Gerichtsgebäude und die Gegend rundum. - Foto: DLife

Diesmal gegen Mullah Krekar höchstpersönlich, dem vermeintlichen Kopf der Südtiroler IS-Terror-Zelle.

v>

Mullah Krekar

Mullah Krekar ist ein Islamist, seit 2006 steht er auf der Terrorliste der Vereinten Nationen. Der Mann, der bis vor kurzem in Norwegen im Gefängnis saß, soll in der Vergangenheit engen Kontakt zu jenen Männern gehalten haben, die bei der großen Anti-Terror-Aktion im November 2015 in Südtirol festgenommen worden waren und rund eineinhalb Jahre später in Bozen vor Gericht standen. Bozens erster IS-Terror-Prozess, massiv verstärkte Sicherheitsvorkehrungen inklusive.

Terror-Prozess: Insgesamt 6 Angeklagte

Mit diesem Montag begann in Bozen das Strafverfahren gegen den mutmaßlichen Drahtzieher der Südtiroler IS-Terror-Zelle. Neben Mullah Krekar müssen sich 5 weitere mutmaßliche Mitglieder der islamistischen Organisation „Rawti Shax“ vor dem Schwurgericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, sich zusammengeschlossen zu haben, um terroristische Anschläge zu planen und zu verüben - mit dem erschwerenden Umstand der länderübergreifenden Bandenbildung.

Wie bereits im Vorfeld angenommen, erschienen Krekar und die anderen 5 Angeklagten am Montag nicht vor dem Bozner Landesgericht. Krekars Anwältin, Enrica Franzini, beanstandete, dass die norwegischen Behörden die Dokumente ihres Mandanten an sich genommen hätten. Er könne also nicht ausreisen und beim Prozess anwesend sein. Dies verletzte seine Rechte, so Franzini. 

Die Richter entschieden nach einer Beratung dennoch weiterzumachen. Enrica könne ihre Behauptungen nicht belegen, der Angeklagte aber entsprechende Unterlagen nachreichen. Dennoch vertagte das Gericht nach einigen Stunden die Verhandlung auf den 23. Oktober.

Bis dahin sollen Gutachter die umfangreichen Abhörprotokolle und E-Mails übersetzen und niederschreiben. 

stol

stol