Donnerstag, 24. März 2016

Bozner Obdachlosen-Mord: Noch immer sind einige Fragen offen

Der des Mordes am Obdachlosen Jaroslav Kohl verdächtigte Pole Adrian Zelech (21) wurde aus Rom nach Bozen überstellt und hier am Mittwoch dem Richter vorgeführt. Das Gericht hat unterdessen noch einige Rätsel zu klären, die unter anderem ein Sweatshirt mit Blutflecken, eine undeutliche Videoaufnahme sowie verwirrende Zeugenaussagen betreffen.

Adrian Zelech (Bildmitte) wurde am Mittwoch von Gerichtspolizisten zum Beweissicherungsverfahren am Bozner Landesgericht gebracht.
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Adrian Zelech (Bildmitte) wurde am Mittwoch von Gerichtspolizisten zum Beweissicherungsverfahren am Bozner Landesgericht gebracht. - Foto: © D

Adrian Zelech wurde in der Nacht auf Mittwoch vom römischen Gefängnis Rebibbia nach Bozen überstellt, damit er dem Beweissicherungsverfahren vor Richter Emilio Schönsberg beiwohnen konnte.

Seinen Verteidigern Christine Mussner und Hansjörg Buratti soll Zelech soll erklärt haben, dass an dem Streit am Abend des 9. Jänner, der zum Tod von Jaroslav Kohl geführt hatte, mehrere Obdachlose beteiligt gewesen seien. Jemand habe mit Kohl wegen 20 Euro gestritten, er sei das aber nicht gewesen. Ob er Kohl verprügelt habe – wie Staatsanwalt Igor Secco glaubt – wisse er nicht mehr.

Falls der Streit derart eskaliert sei, so sei er – Zelech – sich nicht bewusst gewesen, dass Kohl dadurch tödliche Verletzungen davontragen könnte. Doch genau das wird dem 21-Jährigen zur Last gelegt: Er habe Kohl an dessen Schlafplatz vor dem Waltherhaus in Bozen mit Hieben und Tritten getötet. Kohls Leichnam war tags darauf von einem Passanten entdeckt worden. 

Die Polizei hatte Zelech damals als Zeugen angehört. Er soll eingeräumt haben, mit den anderen Obdachlosen getrunken zu haben, zugeschlagen hätten andere. Nach den Aussagen der Betreffenden änderte sich aber das Bild: Zelech wurde zum Hauptverdächtigen. Er war aber inzwischen in seine Heimat verschwunden. Anfang Februar wurde er in einem Vorort von Warschau aufgegriffen und an Italien ausgeliefert.

Staatsanwalt Igor Secco beantragte ein Beweissicherungsverfahren, um die anderen Obdachlosen, die am fatalen Abend zugegen waren, anzuhören. Deren Aussagen am Mittwoch lieferten aber keine Klarheit, ebenso wenig wie die Aufzeichnung einer Überwachungskamera, die auf die Einfahrt des Laurin-Parkplatzes gerichtet war.

Richter Schönsberg verfügte eine DNS-Analyse der Blutflecken auf dem Sweatshirt, das Zelech am Mordabend getragen hatte. Geklärt werden soll, ob das Blut von Kohl stammt. Auch soll ein Gutachter bis Juni eine Expertise zu Kohls Todesursache erstellen. Der Leichnam des Obdachlosen liegt in einer Kühlzelle im Bozner Spital.

stol/rc

stol