Erst vor wenigen Tagen ist es spätabends auf dem Dominikanerplatz in Bozen zu einer wüsten Massenschlägerei gekommen. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gingen dann gegen 1 Uhr zwei Gruppen am Obstmarkt aufeinander los. Die Polizei hatte Mühe, den Gewaltexzess zu stoppen. In einem Interview spricht Christoph von Ach, der am Obstmarkt wohnt und der Teil der Initiative „Lebenswerter Obstmarkt“ ist, über die Entwicklung vor Ort.<BR /><BR /><BR />Erst als mehrere Streifen der Staatspolizei, der Stadtpolizei sowie des Heeres eintrafen, das im Rahmen der Operation „Strade Sicure“ die Sicherheitskräfte unterstützt, konnte die Schlägerei gestoppt werden – laut Quästur nur mit Mühe: Bei der Schlägerei wurde eine Polizistin ins Gesicht geschlagen. Eine Person lag blutend am Boden und musste von Rettungskräften auf einer Trage abtransportiert werden. Dem Augenzeugenbericht zufolge überstieg beim Gewaltexzess die Zahl der Angreifer jene der Sicherheitskräfte. <BR /><BR /><BR /><b>Bis vor ein paar Jahren war der Obstmarkt eine Problemzone, zuletzt schien sich die Lage entspannt zu haben.</b><BR /><BR />Christoph von Ach: Wirklich brutal war früher diese dauernde Ruhestörung durch die sogenannte „Movida“, also das Nachtleben mit sehr vielen Menschen und sehr viel Lärm. Dadurch ist eine Grundstimmung entstanden, die dann auch Mikrokriminelle angezogen hat. Der Vorfall von der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war aber nicht der einzige in letzter Zeit. In der Kapuzinerrasse wurde ein älterer Herr verbal mit dem Tod bedroht, weil er einigen Leuten vor Ort gesagt hat, sie sollen die Müllkübel nicht umschmeißen und ausleeren. Es gibt weniger Vorfälle, aber sie sind brutaler.<BR /><BR /><b>Die Lage am Obstmarkt hat sich grundsätzlich beruhigt?</b><BR /><BR />von Ach: Die Movida, die meist Donnerstagabend begonnen hat und bis Montagmorgen weitergegangen ist, gibt es so nicht mehr. Das hat sich dank der konstanten Polizeipräsenz vor Ort, die wirklich sehr viel gebracht hat, massiv beruhigt. Diese Movida hat sich dann vor etwa einem Jahr ein wenig in die Nebenstraßen des Obstmarktes verlagert. Aber auch dort hat sich die Situation gebessert. Was sich jetzt zeigt ist, dass Gewaltausbrüche stattfinden, die im Gegensatz zu früher vielleicht sogar an Brutalität zunehmen. Diese Exzesse gehen von weniger Personen aus, aber diese scheinen ein ziemlich hohes Maß an Gewaltbereitschaft zu haben. Es ist nicht mehr so, dass von Donnerstagabend bis Sonntagabend Rambazamba herrscht und sich dabei auch Kleinkriminelle unter die Menge mischen. Lange lief das praktisch jede Woche so. Jetzt passiert das vielleicht einmal die Woche oder einmal alle zwei Wochen, aber dafür heftiger. Beim Einsatz wegen der Schlägerei von der Nacht von Dienstag auf Mittwoch sind auch Polizisten zu Schaden gekommen. Die Polizei musste sich wehren.<BR /><BR /><b>Wie würden Sie die derzeitige Situation allgemein beschreiben?</b><BR /><BR />von Ach: Sie ist besser, dank der Präsenz der Polizei am Obstmarkt von Donnerstagabend bis Samstagabend. Aber es wäre gut, eine tägliche Polizeipräsenz in den Abendstunden auch an den anderen Wochentagen zu haben. Denn der Hotspot bleibt der Obstmarkt. Ob sich die Probleme am Dominikanerplatz abspielen, in der Streitergasse oder in der Museumsstraße, das Zentrum ist immer noch der Obstmarkt.