Eine Studie der Pneumologie Bozen an 41 Corona-Patienten zeigt, welchen bleibenden Schaden das Virus in einem Körper anrichten kann. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="710351_image" /></div> <BR /><BR />Die Pneumologin Dr. Christine Seebacher hat im Auftrag ihres Primars Dr. Lucio Bonazza die Studie geleitet. „Wir haben zwischen Juni 2020 und Ende Juli 2021 41 Intensivpatienten der 1. Coronawelle untersucht, und zwar 3, 6 und 12 Monate nach ihrer Entlassung“, erklärt die Ärztin. Die Patienten waren zwischen 25 und 79 Jahre alt – im Durchschnitt 62 Jahre und natürlich noch nicht geimpft. <BR /><BR />Diese Möglichkeit gibt es bekanntlich erst seit Jänner 2021, als die 2. und 3. Welle liefen, für die derzeit die Studien durchgeführt werden. Die Bozner Ärztin hat die vorläufigen Daten der Studie erst kürzlich beim Kongress der „European Respiratory Society“ vorgestellt.<BR /><BR /><b>Entwarnung für 2 Patienten</b><BR /><BR />Bei der Untersuchung nach 3 Monaten gab es nur für 2 Patienten positive Nachrichten: Ihre Lungen waren wieder geheilt, weder Computertomografie noch Lungenfunktionstest zeigten Abweichungen von normalen Werten. „Insgesamt 6 Patienten hatten nach 3 Monaten ein normales CT-Bild, aber noch eingeschränkte Lungenfunktionen“, sagt Dr. Seebacher. <BR /><BR />Nach 12 Monaten erhielten weitere 6 Patienten die gute Nachricht, dass all ihre Werte wieder als normal eingestuft wurden. Demnach konnten nur 8 von 41 Corona-Intensivpatienten ein volles Jahr nach ihrer Entlassung aus jeglicher spitalsärztlicher Betreuung wieder ein Leben führen, wie sie es davor hatten – „aus der Sicht der Pneumologen freilich. Long Covid ist ein anderes Thema“, unterstreicht Dr. Seebacher. <BR />„Aber wir hatten auch noch einige Patienten, die mit dem Rollator zur ersten Untersuchung gekommen sind“, erzählt die Pneumologin. <BR /><BR />Immerhin konnten zusätzlich zu den 6 Patienten, denen es nach 3 Monaten schon besser ging und die nach 12 Monaten Normalwerte zeigten, weitere 2 nach einem Jahr als „geheilt“ aus Lungenmediziner-Sicht bezeichnet werden. Mit einer Verbesserung der Parameter der Thorax-Computertomografie führen weitere 15 Patienten nach einem Jahr ein relativ normales Leben. <BR /><BR /><b>Ein Drittel wird nie wieder richtig gesund</b><BR /><BR />„Jene 13 Patienten, also immerhin 31 Prozent aller von uns untersuchten Intensivpatienten der 1. Welle, bei denen sich weiterhin eine Lungenfibrose auf dem CT zeigt, werden wohl ein Leben lang mit diesen Folgen leben müssen“, meint Dr. Seebacher. Es sei dies keine absolute Gewissheit, allerdings zeige die Erfahrung, dass Lungenschädigungen, die nach einem Jahr noch bestünden, auch nachher kaum Aussicht auf Besserung hätten. „Studien an den Folgeerscheinungen durch andere Coronaviren – SARS und MERS waren die letzten – haben dies gezeigt. Diese waren auf 7 Jahre angelegt, und die Patienten, die nach einem Jahr noch Narben an der Lunge hatten, hatten sie auch nach 7 Jahren noch. International nimmt die Wissenschaft an, dass sich auch beim SARS-COV2-Virus ein ähnliches Bild ergibt“, sagt Dr. Seebacher. <BR /><BR /><b>Nach einem Jahr noch kurzatmig</b><BR /><BR />Lungenfibrosen zeigen sich im Alltag durch Atemnot, Engegefühl im Brustkorb, eine geringere Belastbarkeit, oft Husten, Kurzatmigkeit und ein Gefühl von Druck im Brustkorb bei Belastung. Von Atemnot und Kurzatmigkeit berichteten denn auch über die Hälfte der nach einem Jahr untersuchten Intensivpatienten in Bozen. <BR /><BR />34 von ihnen unterzogen sich ein Jahr nach der Entlassung aus dem Krankenhaus einem sechsminütigen Gehtest. „Der Patient erhält ein Messgerät, das er 6 Minuten lang tragen soll, während er geht – in der Ebene, so, wie er es machen würde, wenn er einkaufen ginge“, erklärt Dr. Seebacher. 22 Patienten (bzw. 64 Prozent der Untersuchten) erklärten, nach dieser kurzen Runde außer Atem zu sein. „Das ist ernüchternd. Stellen Sie sich vor, Sie geraten außer Atem schon nur, wenn Sie einkaufen gehen“, sagt Dr. Seebacher. 9 der Patienten hatten eine „signifikante Entsättigung“ beim Gehtest. <BR /><BR /><b>2 Patienten bleiben Vollinvaliden</b><BR /><BR />Bekanntlich haben sich viele Bürger in den ersten Wellen der Pandemie ein Sauerstoffsättigungsgerät zugelegt – die Sauerstoffsättigung ist eines der Parameter, die auf eine Anomalie der Lungenfunktion hinweist. „Werte über 95 Prozent sind in der Regel unproblematisch. Absolute Zahlen sind in diesem Zusammenhang aber schwierig – es kommt immer auf den Patienten an. Alarmsignale sind das Abfallen des Sättigungsgrades um mehr als 4 Punkte innerhalb einer kurzen Zeitspanne“, erläutert die Pneumologin. <BR /><BR />All diese Patienten werden auch weiterhin von den Pneumologen betreut, sie brauchen ärztliche Begleitung. „Medikamente gibt es noch nicht. Die Pharmaindustrie arbeitet daran, Medikamente zu entwickeln, die der durch Corona verursachten Fibrose entgegenwirken können“, sagt Dr. Seebacher. <BR /><BR />Wenig Hoffnung auf Besserung gibt es hingegen für 2 der 41 Patienten: Sie sind jetzt auf Sauerstoff angewiesen, 24 Stunden am Tag. Sie sind zu 100 Prozent Invaliden. Einer der Beiden stand vor der Coronainfektion noch voll im Arbeitsleben.<BR /><BR />