Der Fall nahm seinen Lauf, als sich die Frau dem Geistlichen in einer Kirche in Feltre unter dem Namen „Anna“ vorstellte. Laut den Prozessberichten des Corriere delle Alpi und des Alto Adige gab der Pfarrer an, die Frau habe anfangs behauptet, erst 16 Jahre alt zu sein und sich in einer prekären Lebenslage zu befinden.<BR /><BR />„Ich hatte Mitleid mit ihr und habe mir ihre Situation zu Herzen genommen“, erklärte der Geistliche bei der Gerichtsverhandlung am Dienstag.<BR /><BR />Aus der anfänglichen Seelsorge entwickelte sich jedoch schnell eine Beziehung, die auch sexuelle Kontakte beinhaltete – ein Umstand, den die Angeklagte laut Staatsanwaltschaft als Druckmittel nutzte.<h3> „Ich bin schwanger“: Die 40.000-Euro-Falle</h3>Der Wendepunkt trat im Frühjahr 2021 ein. Die Frau behauptete gegenüber dem Pfarrer, von ihm schwanger zu sein. Um einen drohenden Skandal innerhalb der Diözese und der Dorfgemeinschaft abzuwenden, forderte sie Geldzahlungen für einen angeblichen Schwangerschaftsabbruch.<BR /><BR />„Sie sagte mir, sie wolle 10.000 Euro, um für die Abtreibung nach Österreich zu gehen“, gab der Priester in der Verhandlung zu Protokoll. Tatsächlich summierten sich die Forderungen laut Anklage über die Monate auf mehr als 40.000 Euro. Der Pfarrer räumte ein, dafür seine gesamten privaten Ersparnisse aufgebraucht zu haben.<BR /><BR />Unter dem finanziellen und psychischen Druck sei der Geistliche schließlich zusammengebrochen. Aufgrund einer schweren Depression musste er im Krankenhaus behandelt werden: „Sie ist mich nicht besuchen gekommen, aber sie hat weiter nach Geld verlangt, als ich zurückkehrte“, so der 73-Jährige.<BR /><BR />Trotzdem habe er die Beziehung zu der Frau erneut aufgenommen, bis zu dem Punkt, an dem sie im Dezember 2021 behauptete, erneut schwanger von dem Priester zu sein. Auch diese Schwangerschaft wollte sie abtreiben, mit Geld, das sie erneut von dem 73-Jährigen einforderte.<h3> Die Wende: Bischof schöpft Verdacht</h3>Da sein eigenes Vermögen erschöpft war, wandte sich der Pfarrer in seiner Not an seinen Vorgesetzten, den Bischof, und bat um ein Darlehen. Dieser schöpfte jedoch Verdacht und vermutete ein Erpresserschema.<BR /><BR />In der Folge wurden die Carabinieri von Feltre eingeschaltet. Bei einer kontrollierten Geldübergabe im Dezember 2022 klickten schließlich die Handschellen für die 38-Jährige. Die Ermittler konnten zudem feststellen, dass die Frau bei ihren Besuchen in der Pfarrei oft von ihrem Lebensgefährten begleitet wurde, der sie mit dem Auto zu den Treffen fuhr.<h3> „Ich verfluche den Tag, an dem ich sie kennengelernt habe“</h3>Nun muss sich die Frau und ihr Partner wegen Ausnutzung einer wehrlosen Person vor Gericht verantworten. Die Verteidigung der Boznerin bestreitet die Vorwürfe vehement. Man argumentiert, dass die Zahlungen im Rahmen einer einvernehmlichen Beziehung als gegenseitige Hilfeleistung oder Schenkung zu betrachten seien.<BR /><BR />Die Angeklagte ist für die Ermittler keine Unbekannte. Wie der Alto Adige berichtet, blickt die Boznerin auf eine einschlägige kriminelle Vergangenheit zurück, insbesondere im Raum Meran.<BR /><BR />Der sichtlich gezeichnete Priester schloss seine Aussage im Prozess am vergangenen Dienstag mit einer bitteren Bilanz ab: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mich so weit herablassen müsste, aber die Notlage war zu groß. Ich verfluche den Tag, an dem ich sie kennengelernt habe.“<BR /><BR />Der Prozess wird am 25. Mai 2026 fortgesetzt. Den Angeklagten drohen im Falle eines Schuldspruchs bis zu sechs Jahre Haft.